Sonnige Tage im Val di Sole

14.-17.09.2018, mit Sonja Schupsky, Werner Kienastl und Hans Sterr – Vier sonnige Tage verbrachte eine Gruppe von 46 Alpenkranzl-Mitgliedern im Val di Sole, dem Sonnental im westlichen Trentino. Die Organisatorin der Reise, Sonja Schupsky, hatte wieder einmal ein äußerst abwechslungsreiches Programm zusammengestellt.

Dabei hat die Fahrt nicht einmal so gut angefangen, denn bei der Abfahrt am Freitag aus Erding schüttet es noch aus Kübeln. Aber kaum fahren wir über den Brenner, kommt schon der blaue Himmel durch.

Eingang zur Weinführung

Nach einer Brotzeitpause bei Sterzing führt die Strecke von der Autobahn ab nach Mezzocorona. Und weil wir zeitig gut dran sind, organisiert Sonja kurzentschlossen telefonisch gleich noch eine Führung mit Probe in der Wein- und Sektkelterei Rotari.

Im Herzen der Anlage

Das nehmen wir gleich mit …

Das ist jetzt nicht irgendein kleines Weingut: Rotari hat eine Jahresproduktion von 42 Millionen Flaschen Sekt und Wein … da fallen die paar Flaschen weißer und roter Sekt, die wir trinken, nicht so ins Gewicht. Danke für die Einladung dazu, Sonja – ein schöner Auftakt in die Reise!

Wir fühlen uns wie Rotarier

Dann geht es von Mezzocorona weiter hinein ins Nonstal mit seinen vielen Apfelplantagen und dann hinter Cles ins Val di Sole. Unweit von Madonna di Campiglio erreichen wir unser erstes Ziel, die Seilbahn in Daolasa/Commezzadura. Dort liegen unsere vorbestellten Bergbahntickets bereit, die Katie vom Hotel schon dorthin gebracht hat. Wir gondeln hinauf bis zur Bassetta del Vigo auf 2.043m Höhe und starten von dort unsere Wanderungen.

Wie schon bewährt teilt sich die Reisegruppe in drei Fraktionen: Die gemütlichen „Murmeltiere“, geführt von Sonja Schupsky; die etwas flotteren „Gemsen“, geführt von Werner Kienastl; und die eifrigen „Steinböcke“, die mit Hans Sterr losziehen.

Die Steinböcke ziehen los

Murmeltiere (ital. „marmotte“) und Gemsen („camosci“) wandern den Schotterweg hinauf bis zum Rifugio Orso Bruno (benannt nach dem Bären Bruno, der von hier stammte und im Spitzinggebiet in Bayern dann sein kurzes Leben lassen musste).

Die Gemsen im Anstieg

Dort kehren sie ein – und verschaffen dem Hüttenpersonal ordentlich Stress, welches mit der Menge an gleichzeitig durstigen Kehlen nur schwer zurechtkommt.

Am Rifugio Orso Bruno

Gemurmel bei den Murmeltieren

Die Steinböcke („stambecchi“) wandern dagegen hinunter zum idyllisch gelegenen Lago delle Malghette, dem „See der kleinen Almen“. Dort geht es sich im Rifugio am See zeitlich nur aus für ein kleines Bierchen oder einen Espresso, aber hier ist das Personal immerhin deutlich flotter.

Am Lago delle Malghette

Alle drei Gruppen marschieren dann auf ihrem Zustiegsweg wieder zurück. Na ja, nicht ganz: Die Steinböcke beschließen ihrem Namen Ehre zu machen und nehmen einen seeehr steilen Anstieg. Da wird die Atemluft dann kurzzeitig ein bissl knapper … aber natürlich überwinden alle das Hindernis letztlich ohne Probleme.

Die Gruppen treffen an der Gipfelstation mehr oder weniger gemeinsam wieder ein und fahren hinunter zum Parkplatz, wo bereits unser Bus auf uns wartet, um uns zu unserem Domizil ein paar Kilometer weiter in Mezzana zu bringen. Dort beziehen wir unsere Zimmer im Hotel Sporting Ravelli – und alle Teilnehmer sind voll des Lobes über die sehr schönen Zimmer. Wie sich im Lauf der Tage herausstellen wird, sind nicht nur die Zimmer super, sondern auch das Essen und der Service ausgezeichnet und das Personal äußerst nett. Gut ausgesucht, Sonja!

Abends in der Bar

Den Abend beschließt ein schönes Essen und für manche noch ein Besuch an der Bar, während die meisten dem frühen Aufbruch heute Tribut zollen und früh zu Bett gehen.

Am Samstag ziehen wir los zu unserer ersten Wanderung und fahren dazu zunächst ins Seitental Val di Peio. Vom Örtchen Peio Fonti führt eine Umlaufbahn hinauf auf 2.000m; unser Ausgangs- und Endpunkt wird das Rifugio Scoiattolo (die „Eichhörnchen-Hütte“) sein.

An der Eichhörnchen-Hütte

Dort stehen wir aber zunächst vor einem Problem, denn der Sessellift zum Rifugio Dos dei Gembri, den die Steinböcke zum Start für die Höhenwanderung auf dem Sentiero die Tedeschi (dem „Weg der Deutschen“) gebraucht hätten, ist nicht in Betrieb: „Revisione“ … und auch die Seilbahn „Peio 3000“ fährt zunächst einmal nicht. Aber dazu später mehr …

Dramatik am Dos dei Gembri

Hans plant mit den Steinböcken kurzfristig um: Nicht mehr der Höhenweg, sondern das Rifugio Dos dei Gembri selbst ist nun das Ziel. Werner macht sich mit den Gemsen auf zum Lago Covel und Sonja nimmt die Murmeltiere mit auf einen Höhenrundweg ab Scoiattolo.

Am Speichersee

Die Steinböcke ziehen zunächst auf einem Schotterpfad und danach auf schönem Weg hinauf Richtung Hütte, vorbei an einer Felsenkapelle und einem Speichersee, der mit seinem klaren Wasser für Fotomotive sorgt. Dann machen wir es uns an der geschlossenen Hütte auf den Brotzeitbänken in der Sonne gemütlich.

Sonniges Brotzeitplatzl

Nach der Brotzeit erwacht nochmal der Tatendrang der Steinböcke: Es soll noch weiter hinauf gehen auf den Grat, der Richtung Rifugio Mantova/Vioz führt. Auf 2.500m teilt sich dann der Weg, und wir nehmen den Abzweig talwärts und erreichen in Serpentinen wieder die Eichhörnchen-Hütte.

Blick zur umwölkten Cima Presanella

Aufstieg zum Grat

Beim Eintreffen sehen wir dann die Gondel der Peio 3000 gerade Richtung Bergstation entschwinden – Werner fährt mit seiner Gruppe hinauf. Und auch Sonja war mit den Murmeltieren mittags schon oben.

Fleißige Murmeltiere

 

 

Aussicht von Peio 3000

Da haben sich die Liftbetreiber also doch dazu durchringen können, zwei Fahrten durchzuführen (die zweite nur auf höfliche Bitte von Sonja).

Luftige Fahrt mit Blick nach Peio

Die Steinböcke entscheiden sich, jetzt nicht auf der Hütte zu sitzen, sondern noch auf dem schönen Bergweg Richtung Lago Covel zu marschieren.

Am Covelsee

Gemsen am Covel-Wasserfall

Der Abstieg zum See geht sich zeitlich allerdings nicht mehr aus anders als für die Gemsen, die die ganze Runde drehen.

Sonja freut sich über viele Wanderer, die mit ihr noch einen einstündigen Rundweg gehen.

Murmeltiere unterwegs

Murmeltiere und Steinböcke im Gegenverkehr

Ob die schmecken?

Im Spalier

Zurück am Scoiattolo gibt es dann noch frische Getränke, bevor wir mit der Umlaufgondel wieder hinunterfahren nach Peio Fonti und von dort mit dem Bus zurück ins Hotel.

Blumenwiese in Peio Fonti

Dort gibt’s das Abendessen heute bereits um 18 Uhr, denn Sonja hat für uns den Besuch eines Chor-Konzerts in Dimaro organisiert. Nach dem feinen Essen ziehen wir los und treffen am Theatro Communale ein, wo die entsprechende Anzahl Plätze für unsere Gruppe reserviert ist.

Gleich geht’s los

Dann hören wir den beiden Chören „Nigritella“ und „Sasso Rosso“ zu, die uns mit ihren Darbietungen begeistern.

Der Chor „Nigritella“ …

… und der Chor „Sasso Rosso“

Zwischen den beiden Chören spielt noch eine mitreißende Dixie-Combo auf …

Playing Dixie

und zum krönenden Abschluss singen die beiden Chöre gemeinsam „La Montanara“: Wir schmelzen dahin …

Nach dem Konzert gibt es in einem vor dem Teatro aufgebauten Festzelt noch Köstlichkeiten aus Küche und Keller der Region zu probieren, wovon wir reichlich Gebrauch machen.

Im Festzelt …

… gibt’s noch Feines

Um halb elf bringt uns unser Bus zurück ins Hotel. Ein schöner Tag!

Auch der Sonntag beginnt wieder sonnig. Unser erstes Ziel heute ist der Passo Tonale, den wir nach vielen Serpentinen erreichen. Im Winter Skigebiet (und mit hässlichen Hochhäusern am Ortseingang), führt auch im Sommer die Seilbahn „Paradiso“ hinauf zur Stazione Presena, der Bergstation auf 3.000m Meereshöhe.

Gipfelstation mit Cima Presena

Wunderbarer Cappuccino

Dort öffnet sich ein wunderbarer Blick hinein in die Adamello-Gruppe, was wir für das Gruppenfoto dieser Reise nutzen (siehe unten).

Gipfelaufbau

Die Steinböcke machen sich dann an die Gipfelbesteigung der Cima Presena. Der blockige Aufstieg und vor allem die mit gefrorenem Raureif überzogenen Felsen machen das Unternehmen allerdings etwas schwieriger, aber mit Geduld und Vorsicht gelingt allen der Aufstieg auf 3.076 m Gipfelhöhe.

Steinböcke belagern den Gipfel

Auch der Abstieg wird dann vorsichtig absolviert, und so kommen alle wohlbehalten wieder an der Bergstation an.

Wanderung zur Mittelstation …

… im Gänsemarsch

Murmeltiere und Gemsen sind schon vorher bis zur Mittelstation nach unten gefahren und wandern hinunter zur „Galleria Paradiso“.

Mahnmal an der Galleria Paradiso

Galleria Paradiso

Entgegen ihres idyllischen Namens beherbergt diese Galleria schreckliche Erinnerungen: Alle Gruppen besichtigen das in einen Felsstollen gebaute Museum zur Geschichte des Alpinkrieges im 1. Weltkrieg, der grausame Opfer gefordert hat und in Italien unter dem Namen „Grande Guerra“, der Große Krieg, geführt wird. Das Museum ist eine mehr als deutliche Warnung an alle Menschen, solche Gräuel nie wieder geschehen zu lassen!

Die Schautafeln mahnen: Nie wieder!

 

Nach den Erinnerungen an die Kriegsgräul tut es dann gut, sich in der Sonne etwas zu entspannen.

In da Sunn geht’s uns guad

Wir gondeln dann wieder hinunter zum Passo Tonale und fahren mit dem Bus nach Cogolo. Dort findet heute das Dorffest mit Almabtrieb statt, und das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Der Umzug wird etwas später beginnen, so dass wir uns im Festzelt noch mit Speis und Trank stärken können.

Flüssiges …

… und Festes

Dann sucht sich jede/r einen guten Platz entlang der Straße, wo der Umzug entlangkommen wird. Der Ort besteht aus drei „Frazioni“, also Ortsteilen, und jeder Ortsteil will den anderen mit Schmuck und Aufwand beim Umzug ausstechen. Für uns sind aber alle ohnehin gleich interessant, und wir freuen uns über die fröhlichen Menschen und festlich geschmückten Tiere beim Umzug.

Die Musi spuit auf

Frazione Cogolo

Fesche

Gut behütet

Le mucche kommen

Fein herausgeputzt

Feiern macht müde

Danach beginnt auf der Wiese neben dem Festzelt der Wettkampf der Ortsteile zunächst einmal mit einer Staffel zum Wettmähen.

Sackhüpfen oder fliegen?

Erst müssen Kinder eine Strecke mit Sackhüpfen bewältigen, ehe ein Almerer ein etwa 10 qm großes Stück Wiese mit der Sense mäht.

Mähen mit der Sense will gelernt sein

Den Abschluss bilden dann die Frauen, die das Mähgut zusammenrechen und in Leinensäcken ins Ziel transportieren müssen.

Wie immer: Aufräumen müssen die Frauen

Und ab ins Ziel

Den Tagessieg holt sich mit klarem Vorsprung der Ortsteil Comasine – aber wir haben eh den Eindruck, dass es den Teilnehmern und Ortsteilen selbst ohnehin eher um die Gaudi als ums Prestige geht (na ja, ein wenig stolz wird man schon sein dürfen).

Auf der Flucht

Apropos Gaudi: Die haben die Zuschauer insbesondere mit einem Huhn, das sich während des Wettkampfs quer über die Wiesenarena auf die Flucht begibt – und nachdem sich die Häscher nicht besonders geschickt anstellen, trägt das zu allgemeinen Belustigung bei. Nur das Huhn wird es letztlich nicht so lustig gefunden haben: Es wurde dann doch noch erwischt.

Beim Holzarbeiten

Ein Wettbewerb im Holzverarbeiten würde sich dann noch anschließen, aber wir müssen zurück zum Bus – wir haben heute Abend ja schließlich noch was vor: Wir sind zwar im Trentino, aber Sonja hat für heute im Hotel eine Art „Törggelen“ organisiert. Wir bekommen wieder ein tolles Essen serviert, und die Tische sind mit Kerzen geschmückt. Dazu spielt während des Essens schon unser sehr guter Profimusiker auf, der uns auch in der Bar heute Abend unterhalten wird.

An festlichen Tischen

Sonja hatte schon heute bei der Heimfahrt Trinkgeld für das Hotelpersonal gesammelt. Wir versammeln sie jetzt im Speisesaal und Sonja überreicht ihnen das Geld, verbunden mit herzlichem Dank für die sehr gute Bewirtung. Hatte ich schon erwähnt, dass das Hotel super …? Na dann.

Nach dem Essen geht es in der Bar weiter, und wie man es von den Alpenkranzlern kennt, dauert es nur sehr kurz, bis die Tanzfläche voll ist. Die Musik ist sehr abwechslungsreich und so ist für jeden was dabei.

Jetzt geht’s rund

Und dann lässt es sich der Hotelchef, Alfredo, nicht nehmen, auch noch selbst Musik aufzulegen – die Stimmung kocht (wie immer halt) und es wird wieder ein wunderbarer geselliger Abend.

Ohne Ausfallerscheinungen stehen am nächsten Tag alle wieder pünktlich auf der Matte. Nach dem Frühstück verstauen wir unsere Koffer im Bus, denn wir wandern heute direkt ab dem Hotel.

Wanderung nach Cusiano

Fotogen

Unser Weg führt uns entlang dem Torrente Noce, dem „Nussfluss“, über 5 km hinauf nach Cusiano.

Am Nussfluss

Die etwas schnelleren Steinböcke haben unterwegs sogar noch Muße, in Pellizzano auf der Piazza einen Cappuccino-Stopp einzulegen.

In Pellizzano …

… geht ein Cappuccino her

 

 

Brücke in Pellizzano

In der Pizzeria Niagara (ein etwas seltsamer Name für das Trentino) treffen alle Gruppen wieder zum gemeinsamen Mittagessen zusammen. Das Essen hatte Sonja schon vorbestellt, so dass es jetzt sehr flott geht. Und ein Lob an die Küche!

Abschiedsessen – trotz Niagara ohne Wasserfälle

Danach gehen wir zurück zum Bus, der mittlerweile in Cusiano eingetroffen ist, und machen uns auf den Heimweg.

Nein, mit dem sind wir nicht gefahren

Wir kommen sehr gut durch den Verkehr und sind schon kurz nach 19 Uhr zurück in Erding. Und alle sind sich einig: Nächstes Jahr wollen alle wieder an einer solchen von Sonja organisierten Reise teilnehmen. Wohin wird’s gehen, Sonja?

Organisation: Sonja Schupsky
Wanderleiter: Sonja Schupsky, Werner Kienastl, Hans Sterr
Bericht: Hans Sterr
Fotos: Hans Sterr, Werner Kienastl, Sonja Schupsky
Teilnehmer: Marita und Stefan Bedner, Rita Biedermann, Günther Budil, Elly Hornburger, Aloisia Erl, Elfie Friedrich, Gisela Groden, Monika Hofer, Karin Irl, Irmgard und Wast Faltermaier, Ludwig und Ludwiga Italiaander, Ingeborg Kanacher, Bernhard und Elisabeth Neumeier, Georg und Marianne Orthuber, Maria Pompl, Petra Schmidt, Regina Salten, Gertrud und Hermann Schießl, Beate und Ernst Schmidt, Max Schmidt, Annemie und Dieter Scholz, Hannelore und Harald Schramek, Anton und Maria Schrögmaier, Charlotte und Walfried Seßler, Paula Sieger, Helene Stadler, Karin Teige, Christine Völkl, Christina und Jakob Wanderer, Resi Witt, Hans Wunderle und Edeltraud Zistler

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