Gungoldinger Wacholderheide und Arnsberger Leite

05.05.2015, mit Constanze Klotz – 25, 28, gar 31 Grad! Die Temperaturvorhersagen steigen immer höher. Tatsächlich ist es frisch, als wir kurz vor 9 Uhr in Arnsberg starten.

Aber beim ersten Anstieg zur Arnsberger Leite wird uns gleich warm. Und wir botanisieren gleich richtig los. Wacholder, Felsenbaldrian, Mauerpfeffer, Felsenbirne, Bergsteinkraut: Die Kalkmagerrasen sind botanisch vielfältig und die Dolomittürme fallen steil zur Altmühl hin ab.

NSG Arnsberger Leite

NSG Arnsberger Leite

Durch Buchenwald geht es abwärts nach Böhming. Vor der alten Schule finden wir ein schönes Rastplätzchen. Die hier angeblich vorhandenen Maulbeerbäume sind Stoff für eine kleine Rätselstunde: Kurt findet endlich die Lösung: Eigentlich nicht zu übersehen. Eigentlich…

Durch das Altmühltal zog sich die Grenze des römischen Reiches. Etwas außerhalb der Ortschaft befand sich ein römisches Kastell. Dort steht auch heute noch die Kirche (außerhalb des heutigen Dorfes); das alte Mesnerhaus daneben ist ein sehr schön renoviertes Jurahaus.

Jurahaus und Kirche

Jurahaus und Kirche

Der zweite Anstieg liegt südseitig und inzwischen ist es warm und vor allem dampfig. Wiederum befinden wir uns in einem Trockenrasengebiet, Kugelblume, Wiesensalbei, die seltene Turm-Gänsekresse, der Stoff zum Schauen und Staunen geht uns nicht aus. Die Schneise im Wald für die Drachenflieger erlaubt uns einen tollen Blick zurück auf unsere Wanderstrecke und bis nach Kipfenberg mit seiner beeindruckenden Burg.

Böhming und Kipfing

Böhming und Kipfenberg

Wir queren die Höhe und befinden uns nun am nördlichen Ende der Gungoldinger Wacholderheide.Diese ist mit rund 70 Hektar die größte ihrer Art in Bayern. Sanft fällt sie zur Altmühl ab, ein lieblicher Gegensatz zur wilden Abbruchkante der Arnsberger Leite heute morgen.

In der Gungoldinger Wacholderheide

In der Gungoldinger Wacholderheide

Zoologisch entdecken wir nicht viel: Die meisten Schmetterlinge, die wir in der Ferne sichten, wollen uns nicht an sich ran kommen lassen. Immerhin können wir einen kurzen Blick auf einen Schwalbenschwanz erhaschen.

Und dann, beim letzten Anstieg durch dieses wunderbare Gebiet, als ich schon ein bisschen traurig bin, weder Enziane noch Orchideen gesichtet zu haben, da steht eine seltene Orchidee direkt neben dem Pfad. Nach kurzem Bestimmen wissen wir: Eine Spinnen-Ragwurz. Und mit deren Vermehrung geht das so: Zur Bestäubung locken die Blüten durch Produktion von Duftstoffen und insektenähnlichem Aussehen männliche Insekten an, die beim Versuch der Kopulation mit den Blüten Pollen übertragen. Wer weiter lesen möchte: In Wikipedia gibt es unter Ragwurzen einen interessanten Absatz „Bestäubungsbiologie“.

Spinnen-Ragwurz

Spinnen-Ragwurz

Mit dieser botanischen Ausbeute bin ich mehr als zufrieden. Aber dann stellt sich mir noch eine Orchidee in den Weg:

Brand-Knabenkraut

Brand-Knabenkraut

Hochzufrieden laufen wir die letzten Meter zurück nach Arnsberg. Im Gasthaus zum Raben erholen wir uns von der Schwüle des Tages bei leckerem Essen. Getrübt wird das Erlebnis optisch vom Saharasand, der Autos, selbst die Schuhe gelblich färbt. Und psychisch vom Stau, der die Heimreise auf doppelte Länge anschwellen lässt.

TN:Friedrich Harald und Elfriede, Schießl Hermann, Ploner Helga und Kurt, Orthuber Marianne und Georg, Irl Karin, Wenhart Erika
Bericht: Constanze Klotz, Naturschutzreferentin

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