Skitouren in den Villgrater Alpen

12.-16.03.2014, mit Michael Kreuz – Mittwoch: Womit haben wir uns das verdient? Um fünf Uhr morgens Abfahrt nach Innervillgraten, um pünktlich um 8:30 an der Pension in Bad Kalkstein einzutreffen. Es sollte ja gleich nach Ankunft zur ersten Tour gehen.

Pünktlich eingetroffen ist nur das Auto, in dem sich der Tourenleiter nicht befand. Später stellte sich dann heraus, wodurch die 20 Minuten Verspätung zustande kam: Proviant besorgen beim Bäcker Neumayr in Jochberg. Nichts desto trotz gingen wir nach einer kurzen Begrüßungsrunde zu sechst auf Tour, unter der Leitung von Michael Kreuz. Das Ziel, die Pürgleskunke mit 2.500 m Höhe. Nach kurzem flachem Anstieg sehen wir bereits die ersten Nassschneelawinen. Für die beiden Neueinsteiger ein sehr beeindruckender Anblick. Für die alten Hasen und Häsinnen nur Altbekanntes und nichts Spektakuläres. Trotzdem ist dieser Anblick eine Mahnung an uns alle, große Vorsicht walten zu lassen.

Nassschneelawine

Nassschneelawine

Der weitere Aufstieg war nicht sonderlich beschwerlich. Dennoch merkten wir alle, dass sich die lange Anfahrt und das frühe Aufstehen nicht förderlich auf unsere Kondition auswirkten. Die strahlende Sonne und Temperaturen weit über dem Gefrierpunkt unterstützten natürlich die Transpiration.

Aufstieg zur Kunke

Aufstieg zur Kunke

Wegen schleichender Übelkeit mussten wir von der Raststelle aus zu fünft weiter aufsteigen. Die Kranke wollte hier auf uns warten, um zur Abfahrt aufgelesen zu werden. Die restlichen 150 Höhenmeter legten wir schnell zurück, sodass die 900 m bald geschafft und der unbekreuzte Gipfel erreicht war. Eine weitere kurze Rast mit herrlichem Rundblick und die warmen Sonnenstrahlen auf der Haut waren uns wohl vergönnt.

Pürgleskunke

Auf der Pürgleskunke

Die Abfahrt erfolgte auf der Aufstiegsroute bei unterschiedlichem Schnee, meist etwas schwer und doch größtenteils schön zu befahren.

Abfahrt von der Kunke

Abfahrt von der Kunke

Zurück in der Pension wurden die Zimmer verteilt und bezogen. Die Sauna war schon angeheizt und wurde von einigen Teilnehmern gerne genutzt. Der Abend diente dem besseren Kennenlernen und einem sehr guten Abendessen mit einem Glas Wein.

Donnerstag
Nach einer erholsamen Nacht Frühstück um sieben, Abmarsch um acht Uhr. Das Ziel ist der Gipfel des Hohen Hauses auf 2.784 m. Geplante Gehzeit vier Stunden mit einer Höhendifferenz von 1.220 Metern. Diese Zahl beeindruckte die Neulinge sehr. Leider konnte die vom Vortag geschädigte Kameradin die Tour nicht antreten. Das Unwohlsein hatte sich in ihrem Magen ausgebreitet.

Im Ainetbachtal

Im Ainetbachtal

Mit den Autos fuhren wir eine kurze Strecke zum Tourengeher-Parkplatz im Ainetbachtal. Vorbei an einer alten Mühle und kurzem Anstieg mussten wir eine lange Talstrecke überwinden.

Alte Mühle

Alte Mühle

Von den sonnseitigen Hängen zu unserer Linken waren an den Vortagen schon einige Grundlawinen abgegangen, die aber unseren Weg nicht weiter beeinträchtigten. Nachdem wir diesen Teil hinter uns gebracht hatten, ging es steiler bergauf zur Villponer Lenke.

Villponer Lenke

Villponer Lenke

Von dort erfolgte ein weitere Querung und anschließend auf den Gipfel. Die Höhenmeter sowie die Sonneneinstrahlung ließen uns wieder heftig schwitzen. Jedoch hat die gesamte Fünfergruppe den Gipfel erreicht und wir konnten uns die wohlverdiente Brotzeit schmecken lassen. Der großartige Weitblick bis zum Großvenediger, Großglockner und in die Dolomiten hat uns alle sehr beeindruckt.

Toller Fernblick

Toller Fernblick

Die anschließende Abfahrt bei wunderbaren Schneeverhältnissen verlief ohne Ausfälle und Probleme, auch dank der guten Routenwahl durch Michael und seinen beiden erfahrenen Freunden Rainer und Roland.
Zurück in der Pension genossen wir auf der Terrasse neben Kaffee und Quarkstrudel die Sonne und später die Sauna und das gute Abendessen.

Freitag
Heute stand das Marchkinkele, mit .2545m einer der vielen Paradegipfel der Villgrater Alpen, auf dem Programm. Unsere Gruppe war nun wieder vollständig. Nach dem Frühstück stiegen wir direkt von unserer Pension bei frühlingshaften Temperaturen und wolkenlosem Himmel die Rodelbahn nach Kalkstein hinauf und folgten dem Alfental, bis wir nach Süd-Ost ins Marchental abzweigten.

Sonne im Marchental

Sonne im Marchental

Nach einigen hundert Metern wurde das Gelände steiler und wir konnten eifrig Spitzkehren üben. Bei ungefähr 2.400m erreichten wir einen Sattel. Die letzten 145 Höhenmeter ging es dann über einen flachen Kamm auf den Gipfel. Nach insgesamt 1.000 Höhenmetern erwartete uns dort ein kalter Ostwind, sodass wir nach den obligatorischen Gipfelfotos einen geschützten Platz etwas unterhalb suchten.

Gipfelglück

Gipfelglück

Sicht bis in die Dolomiten

Sicht bis in die Dolomiten

Nach einer ausgiebigen Brotzeit und einem phänomenalen Ausblick auf die Sextner Dolomiten befuhren wir voller Freude die freien Hänge der Oberhoferalm bei sehr guten Schneeverhältnissen.

Abfahrtsgenuss

Abfahrtsgenuss

Danach fuhren wir durch das immer enger werdende Oberhofertal zwischen Bäumen hinab. Weiter ging´s einer Forststraße entlang, wo wir teilweise gebückt unter umgestürzten Bäumen hindurchfahren mussten.

Hindernisbahn

Hindernisbahn

Nach 1217 Höhenmeter Abfahrt und einem kleinen Fußmarsch erreichten wir den Gasthof zur Post in Innervillgraten. Bei herrlichem Sonnenschein wurde die Tour auf der Terrasse des Gasthofs mit isotonischen Getränken und Kaffee gefeiert.
Nachdem Michael bei unseren Wirtsleuten in der Pension Bad Kalkstein angerufen hatte, wurden wir vom Wirt persönlich mit seinem VW-Bus abgeholt. Dort angekommen, ließen wir den Nachmittag wieder bei Kaffee und Kuchen auf der Terrasse ausklingen.
Zum Abendessen gab es für alle eine Überraschung. Zum ersten Mal probierten wir eine Milzschnittensuppe!! Der Geschmack war für unsere bayrisch geprägten Gaumen doch etwas gewöhnungsbedürftig. Doch die Entschädigung folgte sogleich mit einem superzarten Zwiebelrostbraten als Hauptgericht und einem guten Eis als Nachspeise.
Wie heißt es doch zurecht im Hausprospekt der Pension Bad Kalkstein über Essen und Trinken: „Am Morgen erwartet Sie ein reichhaltiges Bauernfrühstück, um Energie zu tanken. Abends verkosten Sie unsere lokalen Gerichte wie Wildspezialitäten, Speckknödel, Lammbraten und unsere typischen Schlipfkrapfen.“
Zufrieden und satt ließen wir den Abend mit etlichen Gläsern Wein ausklingen.

Samstag
Den Weg von unserer Pension über die kleine Rodelbahn bis zu den Alfenalmen kannten wir am heutigen vierten Tag unserer Touren schon sehr gut.

Im Alfental

Im Alfental

Jedoch sind wir heute einmal nicht in ein Seitental oder zum direkten Gipfelanstieg abgebogen, sondern haben uns auf den langen Weg in Richtung Ende des Tals gemacht. Weit hinten stand es zu Anfang unser Tagesziel, das Toblacher Pfannhorn (2.663m). Kurz nach der Ruschlet Alm verlangte das aufsteilende, harte Gelände nach unseren Harscheisen. Wie ging das doch gleich wieder?

Aufschwung

Aufschwung

Nach erfolgreicher Montage kratzten wir munter weiter und fanden uns alsbald bei scharfem Wind auf wunderbar gestuftem Skigelände wieder. Sogar die Sonne gab sich die Ehre, obwohl die Prognosen für den heutigen Tag nicht so überragend waren.
Wir querten den Gipfelaufbau des Gaishorns und gönnten uns vor dem wiederum kurzen, aber steilen Aufstieg ins Pfanntörl eine kleine Pause. Oben erwartete uns ein schmaler Kamm, der sich mal enger, mal weiter an ehemaligen Unterkunftsständen der Grenzsicherung entlang schlängelte. Da der Kamm stark windverpresst und damit sehr hart war, war ein beherzter Einsatz der Kanten notwendig – da konnte man schon ein paar Schweißperlen extra vergießen. Souverän gemeistert von allen – eh klar.

Am Grat

Am Grat

Oben angekommen verschlug es uns fast die Sprache: direkt gegenüber standen die Drei Zinnen und die sonstigen alten Bekannten der Sextener Dolomiten zum Greifen nah. Leider ließ der kalte Wind nicht allzu viel Zeit zum Genießen.

Am Toblacher Pfannhorn

Am Toblacher Pfannhorn

Also, Felle runter, Schuhe schließen und los geht´s immer dem weiteren Kammverlauf folgend. Irgendwo hier muss es eine Einfahrt in die beeindruckend steilen Nordflanken geben. In einem kleinen Sattel haben wir sie dann gefunden, unsere persönliche Einfahrt, die uns auch gleich mit ca. 35 Grad steilem Gelände begrüßt. Zumindest der Schnee war erste Sahne und pulvrig! Weiter unter hatten dann wieder alle ihre Freude! Noch ein bissl Gestrüpp und schon fanden wir uns in der Sonne sitzend an der Ruschlet Alm. Mei, konn des Leb’n schee sei!

Einkehrschwung

Einkehrschwung

Ein Einkehrschwung mit sonnigen Terrassenplatz im Tal rundete den Tag ab und wie immer ist es ohne Ski doch am gefährlichsten, was ein Ausrutscher mit Sturz auf der Terrasse gezeigt hat. Aber solange dabei alle so herzhaft lachen können wie in diesem Fall, ist alles gut.
Was für ein wahnsinnig schönes Skitourengebiet!

Sonntag
Nachdem der Wetterbericht für heute deutlich schlechter ausgefallen war, beschlossen wir die endgültige Tourenentscheidung erst am Morgen zu treffen. Überraschenderweise hatte es in der Nacht doch noch aufgeklart und der Schnee war zumindest oberflächlich gefroren. Der Lawinenlagebericht ergab für Osttirol ganztags eine 2 und so stand unserer Tour nichts mehr im Weg.
Rosmarie und Karola machten sich schon auf den Heimweg, so dass nur Michael, Roland und Reiner nochmals auf Tour gingen. Der Himmel zeigte sich blau und war zu einem Drittel mit einem im Wind dahin schießenden Mix von weißen und grauen Wolken bedeckt, aus denen einzelne Regentropfen fielen. Wir stiegen zügig über eine Menge im Schnee liegender kleiner Ästchen auf.

Aufstieg zur Kreuzspitze

Aufstieg zur Kreuzspitze

Das Rauschen des Windes in den nadellosen Lärchenwäldern begleitete uns. Als die Hänge freier wurden, verließen wir die Aufstiegsspur im Südhang und wechselten auf die sicherere rechte Hangseite. Inzwischen hatte der Wind zugelegt und wehte kräftig hangabwärts. Auch der Himmel zog langsam zu und die Sonnenflecken wurden rar. In einer Mulde machten wir eine Trinkpause und rüsteten uns zum Gipfelsturm. Je freier die Hänge wurden, desto mehr legte der Wind zu. Ungefähr 200 m unter dem Gipfel hatte eine Böe einen fast aus dem Gleichgewicht gebracht und kurz festgehalten. Mit Hardshell und Helm gut eingepackt kam ein Gefühl wie in Patagonien auf.

Auf der Kreuzspitze - windig wie in Patagonien

Auf der Kreuzspitze – windig wie in Patagonien

Trotz super Aussicht gestaltete sich der Gipfelaufenthalt kurz. Wir machten ein paar Gipfelfotos zusammen mit unserem Guide Michael Kreuz auf der Kreuzspitze (2.624m), zogen die Steigfelle ab und machten uns an die Abfahrt. Dabei hatten wir nochmals Abfahrtsglück. Der Schnee hatte oberflächlich aufgefirnt.

Firnabfahrt

Firnabfahrt

Zügig wedelten wir die freien Hänge hinab. Als wir nach einem Brotzeitplatz im Windschatten Ausschau hielten verschwand die Sonne komplett und so fuhren wir zügig zurück zu unserer Pension. Auf der Terrasse genossen wir nochmals ein letztes Bier zu unserer Brotzeit und ließen das Tourenwochenende ausklingen.

Mit dabei: Rosemarie Hopp, Karola Rübensaal, Reiner Kaifel, Roland Stary und Michael Kreuz (Tourenführer)
Bericht und Fotos: Alle Teilnehmer gemeinsam

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