Gletscherkurs auf der Oberwalderhütte

04.-07.07.2013, mit Matthias Ruderer – Nach verkehrstechnisch problemloser Anreise startete die Tour planmäßig gegen Mittag von der Franz-Josefs-Höhe (2.379 m) am Großglockner. Seine Majestät, Kaiser Franz Joseph, wanderte 1856 zu diesem Ort, der seitdem diesen Namen trägt.

Über den sogenannten Gamsgrubenweg, der parallel zur Pasterze verläuft, ging es ca. 2,5 Stunden aufwärts in Richtung Oberwalderhütte, einem alpinen Ausbildungszentrum, das sich auf knapp 3.000m befindet. Kritisch war die für diese Jahreszeit extrem üppige Schneelage, die laut Tourenleiter Matthias etwas Improvisation notwendig machen würde.

Österreichs höchster Berg, der Großglockner, hat sich während des gesamten Aufstiegs in dichte Wolken gehüllt. Nach Quartierbezug und einer schnellen Suppe durften wir uns mit Seil, Pickel, Gurt und der grundsätzlichen Handhabung dieser Ausrüstungsgegenstände  vertraut machen. Wie wenn wir‘s bestellt hätten, präsentierte sich auch der „Glockner“ am Nachmittag in seiner ganzen Pracht bei dann nur leicht bewölktem Himmel.

Großglockner in ganzer Pracht

Großglockner in ganzer Pracht

Erste Seilschaft-Gehversuche rund um das Hüttenplateau zeigten schnelle Erfolge und es konnten so ganz nebenbei auch Kernfragen geklärt werden, wie „Wo ist eigentlich der Gletscher?“ (Frage eines Teilnehmer – fast auf dem Gletscher stehend 🙂 ), „Seit wann gibt es blaue Wegmarkierungen?“ (Frage einer Teilnehmerin, nach Brille suchend – das war aber Enzian am Wegesrand 🙂 ).

Nach klassischem Hüttenabend und erfreulich ruhiger Nacht im Matratzenlager erwartete uns am Tag 2 die Spaltenbergung. Ganz in der Nähe der Hütte, aber diesmal leider bei Nebel und Nieselregen. Die am Anfang noch zurückhaltenden Sturzversuche wandelten sich schnell in sehr heftige. Die „Retter“ bzw. Seilpartner waren also mehr als gefordert.  Dieses machte dann trotz Sauwetter richtig schön warm.

Voller Einsatz

Voller Einsatz

Die nachmittägliche erste „richtige Tour“ am Seil führte uns in die Nähe des Hufeisenbruches, wo wir im steileren Gelände bei  kontrollierten Rutsch-, Dreh-, Purzelbaum- und Bremsübungen den Hang planiert haben. Fallen will gelernt sein und  gleichzeitig konnte der eine oder andere feststellen, dass ziemlich viel Schnee in eine Tourenhose passt.

Um dem heranziehenden Gewitter zu entkommen,  haben wir über das von Matthias gelegte „Fixseil“ den Rückweg entsprechend verkürzt und die Hütte war kurz vor dem Regenguss erreicht.

Abstieg am Fixseil

Abstieg am Fixseil

Hier stand dann im Rahmen des Abendessens die gemeinsame Tourenplanung für den Tag 3 an. Das erklärte Ziel war der Johannisberg (3.453 m). Mit Eifer wurden Geh- und Pausenzeiten und natürlich der unter diesen Bedingungen optimale Streckenverlauf diskutiert und definiert.

Start bei schlechter Sicht

Start bei schlechter Sicht

Bei ähnlich schlechter Sicht wie am Vortag starteten wir gegen 8 Uhr früh und haben dann nach gut 2,5 Stunden den Gipfel des Johannisbergs erreicht. Das Wetter war uns jetzt auch wieder wohlgesonnen, denn der Blick auf die gesamte Glocknergruppe war jetzt  möglich. Einfach nur gigantisch.

Nach einem kleinen Gipfelschnaps (der musste einfach sein !) und zügigem Abstieg haben wir am Hufeisenbruch eine Pause eingelegt und dabei die geplante Selbstrettung unseres Tourenleiters aus der Gletscherspalte begutachtet. Durchaus eine schweißtreibende Angelegenheit – bei  jetzt strahlend blauem Himmel!

Tag 4 begann, wie Tag 3 aufgehört hat, bei Kaiserwetter und Selbstrettung – aber diesmal für alle Teilnehmer. Am hütteneigenen Kletterbereich mit entsprechenden Fixpunkten ließ sich dies praktikabel umsetzen. Das Abseilen hat den einen oder anderen durchaus etwas  Überwindung gekostet, am Ende hat es aber jeder geschafft.

Abseilen fordert Überwindung

Abseilen fordert Überwindung

Der dann folgende Abstieg über die Pasterze eröffnete alle Möglichkeiten, Steigeisen und Teilnehmern einiges abzuverlangen. Intensive Geh- und Springversuche – am Anfang noch recht wacklig – wurden immer flüssiger. Die Steigeisen sind durchaus gewöhnungsbedürftig, aber alle haben dann doch irgendwann den richtigen Schritt gefunden. Fußballer mit O-Beinen haben hier wohl klare Vorteile!

Fazit:
Rundum ein absolut gelungener Kurs, der uns in herrlicher Kulisse ein tolles Miteinander erleben ließ. Nochmals ausdrücklichen Dank an Matthias Ruderer, dem in witzig-netter Art alle Fehler aufgefallen sind und der uns absolut souverän mit einer Engelsgeduld in die Welt des „Eisenbergsteigens“ hineinschnuppern ließ. Wir jedenfalls haben viel gelernt und hatten sakrisch Spaß dabei.
Das macht definitiv Lust auf mehr! Fortschrittskurs wir kommen …

Gletschermäßig gut geschult!

Gletschermäßig gut geschult!

Kursleitung: Matthias Ruderer
Teilnehmer: Christa und Christian Fuchs, Matthias Schimmel, Beate und Günther Rott (Bericht)

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