Freiungen Höhenweg – Schneemann im August

Sollte es dieses Jahr wieder mit der Tour auf den Freiungen Höhenweg nicht klappen? Letztes Jahr fiel sie ja schon buchstäblich ins Wasser. Und der Wetterbericht sagte auch diesmal genau für das Tourenwochenende nach sehr heißen Tagen den Durchzug einer Kaltfront und heftige Regenschauer voraus.

Vielleicht war es nach dem Motto „Die Hoffnung stirb zuletzt“, vielleicht aber auch nur eine Verzweiflungstat. Kurzfristige wurde die Startzeit von 6 Uhr morgens auf humane 11:30 umgeplant. Das Ziel für diesen Tag war nicht wie ursprünglich angekündigt das Solsteinhaus und der Zirler Klettersteig sondern nur der Aufstieg zur Hütte. Heinz fiel es zwar schwer, denn er war ganz heiß auf den Klettersteig. Aber trotz allem Optimismus ließ der Realismus das nicht zu. Nachdem Schneefall bis auf 1800 Meter angesagt war, war dieser sicher nicht machbar.

Mit dem Auto ging es also bei strömenden Regen nach Seefeld. Da der Freiungen Höhenweg eine Überschreitrung ist, fuhren wir mit der Bahn von dort zuerst zwei Stationen bis Hochzirl. Im Internet bei der ÖBB war zu lesen, dass man die Fahrkarte für den Zug auch auf der Fahrt lösen kann. Der Schaffner meinte nur „Man soll nicht alles glauben was im Internet steht“, lies aber Gnade vor Recht gelten und verkaufte uns auch an Bord noch ein Gruppenticket.

Start im Regen

Pünktlich um 15 Uhr standen wir also am Ausgangsort in Hochzirl (922m) und es regnete in Strömen. Hilft nichts, los geht’s. Wir waren alle gut ausgerüstet. Die Regenhosen wollten schon lange auf Dichtigkeit geprüft werden. Die Regenhüllen nochmals auf korrekten Sitz überprüft und auch ein kompletter Regenponcho neben einem Regenschirm gezückt. Zuerst ging der Weg einige Meter flach durch den Wald. Bald jedoch wurde er heftig steil. Das trieb uns unter unsere Regenjacken den Schweiß aus den Poren. Insgesamt war es aber eher kühl, 8 Grad zeigte das Thermometer. Schnell einigten wir uns, dass die sportlicheren unter uns mit etwas höherer Schrittzahl voraus gehen durften. Schließlich will man bei einem solchen Sauwetter nicht länger als nötig unterwegs sein. Doch es dauerte nur eine knappe Stunde und der Himmel lichtete sich. Zuerst wurde aus dem Regen nur noch Niesel, dann Nebelschwaden und zuletzt zeigte sich sogar einige blaue Flecken am Himmel. Die Wetterfrösche hatten wirklich einen Volltreffer gelandet. Denn genau so war es prognostiziert.

Abendstimmung

Am späten Nachmittag sollte es nämlich besser werden. Als die letzten um 18 Uhr zur Hütte kamen, schien dort die Sonne. Und später lichtete sich sogar der Himmel bis zur anderen Inntalseite mit Stubaier und Co. Vor der Hütte und die Gipfel darüber waren alle mit Schnee angezuckert. Eine phantastische Stimmung. Und das im August!

Das Solsteinhaus ist übrigens wirklich sehr zu empfehlen. Sehr nette Wirtleute, gutes Essen mit Frühstücksbuffet, eine toller neuer Anbau mit super Zimmerlager und blitzsauberen Sanitäranlagen. Bergsteigerherz, was willst du mehr. Den Abend verbrachten wir mit interessanten Gesprächen, der Besprechung der morgigen Tour und etwas Bier und Wein.

Am nächsten Morgen dann strahlend blauer Himmel über uns. In der Nacht hat es gefroren. Vom Schnee von gestern waren nur noch einige Rest übrig. Heinz machte noch einen letzten Versuch für den Klettersteig. Doch wir hatten ja schon gar keine Ausrüstung dabei. Es hätte auch nicht geklappt, angesichts der dünnen Eisschicht die weiter oben lag. Denn die Gipfel liegen im Schnee. Gleich hinter der Hütte beginnt ein schmaler Weg. Dies wird sich bis kurz vor Ende auch nicht mehr wesentlich ändern. Dass das Karwendel sehr brüchig sein kann, sieht man hier. Schon gestern waren wir über breite Schotterfelder gelaufen. Heute sehen wir den Ursprung dieser direkt am Wegesrand. Brüchiger Fels wohin das Auge blickt. Bald wurde es steiler und vor uns lag die Eppenzirler Scharte. Dort würde der Klettersteig losgehen. „Nein Heinz, unser Weg biegt links ab“. Bei den Schafängerle schien schon ein wenig die Sonne und hat den Schnee ist hier auf dem Weg größtenteils schon wieder getaut.

Scharte

Dafür lag in den schattigen Abschnitten bis zu 10 cm Neuschnee. Hier beginnt/endet der Freiungen Höhenweg.  Ab jetzt ging es immer bergauf-bergab von Scharte zu Scharte. Vor uns eröffnete sich immer wieder beeindruckende Blicke in tiefe Karwendelkare. Draußen im Inntal lag noch eine dicke Nebeldecke. Dafür begrüßten uns auf dem Weg einige Gemsen.

Inntal

Kurz unter der Kuhlochspitze zeigt der Weg seinen eigentlichen Charakter. Manchmal direkt am Kamm, meist etwas südlich davon, zieht er durch die Schroffen unter  den Freiungtürmen durch. Hin und wieder gibt es eine mit einem Stahlseil versicherte Stelle. Meistens aber ist Trittsicherheit und Schwindelfreiheit auf dem rieseligen und brüchigen Untergrund gefragt. Das Schild am Anfang „Prüfen Sie Ihre Alpinen Fähigkeiten“ steht zu Recht am Wegesrand und sollte ernst genommen werden.

Aufstieg

Grubenkar

Vor dem Grubenkar macht der Weg noch einen Bogen nach Süden. Ein kurzes Stück führt er durch eine brüchige, steile Rinne. Im Frühjahr, wenn hier nordseitig noch Schnee liegt, ist das sicherlich noch spannender als jetzt schon. Doch alle in der Gruppe waren den technischen Anforderungen gewachsen und so gab es kein Problem. Vor dem letzten Anstieg zu Nördlinger Hütte machten wir eine ausgiebige Brotzeit. Inzwischen hatte sich auch im Tal der Nebel aufgelöst und die Sonne hatte schon wieder Kraft.Wenige mit Stahlseil versicherte Stellen

An der Nördlinger Hütte füllten wir dann wieder unsere Getränkevorräte auf. Von hier gingen zwei Teilnehmer direkt zur Bergstation der Seilbahn. Wir werden sie später  an der Roßhütte wieder treffen. Der Rest der Gruppe wollte heute endlich auch noch einen Gipfel. Dafür eignete sich die in nur 15 Minuten zu erreichende Reither Spitze ideal. Reither Spitze

Von dort führt der Weg weiter zur Seefelder Spitze. Hier stand doch glatt ein Schneemann. Und das Ende August! Da soll sich der Winter einmal ein Beispiel nehmen. Schneemann

Die einige hundert Meter bergab zu Roßhütte lief so mancher über die inzwischen wieder grünen Skipisten geschwind. Fast könnte man meinen, er wedelte in Gedanken dem Winter entgegen. Ob es dort noch Kaffee du Kuchen gab? Leider nein, denn die letzte Seilbahn ins Tal fuhr in 15 Minuten. Schade! Aber es war auch so ein traumhafter Tag. Glücklich und zufrieden über die schöne Tour fuhren wir gemeinsam ins Tal und sagten uns „Mei ham mir ein Glück mit dem Wetter ghabt. Nur gut, dass wir es dieses Jahr endlich riskiert haben.“ Und der Klettersteig auf die Erlspitze läuft ja nicht davon.

Mit auf Tour: Elisabeth Hornburger, Sonja Kreuz, Christine und Werner Neumüller, Heinz Barczewski, Harald Schramek, Michael Kreuz (Leitung, Fotos und Bericht)

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