MTB-Touren im Zillertal

10.06.2018, mit Ralf Kuczera und Hans Pirsch – Freitag Abend! So nach und nach treffen die sieben MTBler beim Christlwirt in Hippach ein. Christlwirt! Da kommen alte Erinnerungen auf, von langen Wochenenden im radlerfreundlichen Zillertal. Von viel Durst und riesigen Grillplatten und, und……. Nur die jetzige Christwirtin schaut a bisserl anders aus!

Naja, wird sich schon klären! Alle verstauen sofort ihre Koffer in den Zimmern und stehen hoch motiviert in Radl Klamotten mit ihren Rädern bereit. Wir rollen zum Parkplatz runter. Dort führen wir den obligatorischen Bikecheck durch. Dann wiederholen wir grundlegende Dinge wie Grundposition, Trailposition und aktivierte Trailposition, diskutieren über Klickpedale und Flatpedeal, üben das richtige Bremsen (vorne 70% hinten 30%), weil ja der alte Spruch zählt, “vorne bremst, hinten lenkt“. Anschließend rollen wir durch Hippach, üben am Freibad an einer Treppe das Treppen rauffahren und das Droppen einer großen Stufe. Zwei Stunden sind unglaublich schnell vergangen. Die zwei Stunden haben aber gezeigt, dass alle Teilnehmer auf dem gleichen Level sind. Das erhöht die Freude auf die nächsten zwei Tage ungemein. Es ist 20.00 Uhr, Abendessen gibt’s draußen, so warm ist es noch! Wir besprechen bei einigen Bierchen noch schnell die folgenden Tage und genießen lange den schönen, warmen Abend.

Samstag, alle stehen pünktlich da. Nach einem ausgiebigen Frühstück rollen wir nach Mayerhofen zur Penkenbahn. Nanu? Wir waren doch schon 2012 und 2013 da, ja haben die alles umgebaut? Schon wieder eine neue Bahn? Und wo ist die lange Auffahrt durchs Gebäude für die Radler? Und überhaupt, wieso stehen wir sieben Radler allein da? Die nette Kassiererin klärt uns auf! Es gibt keinen Bikepark mehr oben aufm Penken, es gibt keine Trails mehr, es gibt für Bergradler eigentlich nur noch Forstautobahn, alles andere ist gesperrt! Wir stehen da wie Deppen vorm Berg! Was nun? Wir diskutieren, aber die Kassiererin beruhigt uns ein wenig. Sie meint, wir können da oben alles fahren, ist ja sonst kein Radler mehr da! Verbotsschilder stehen mehr oder weniger zwecks versicherungstechnischer Probleme rum.

Wir sind ein wenig beruhigt, kaufen aber trotzdem nur eine Bergfahrt. Schnell erreichen wir die Bergstation. Und was sehen wir da? Ein Platz, so groß wie ein halbes Fußballfeld ist planiert und mit einem Parcour für Enduro Elektromopeds aufgebaut. Dutzende dieser seltsamen Gefährte stehen rum und warten auf Mieter. Unglaublich! Die Bergkuppe zwischen den Luxusloungen ist einfach flachplaniert! Kopfschüttelnd fahren wir weiter, suchen die alten bekannten kleinen Pfade, die früher so schön zu befahren waren. Wir finden sie auch, einsame schmale Wege, keine Wanderer, keine anderen Bergradler. Wir genießen den Flow bergab, rauschen durch Wiesen, Wälder, kleine Bäche, an den Steilstufen zwischendrin üben wir das Bergabfahren und Bremsen ohne Spuren zu hinterlassen. Einige Wege sind von Unwettern weggespült, das zwingt uns zum Improvisieren.

Bald erreichen wir die Finkenbergbahn. Mit dieser geht’s wieder nach oben. Mittlerweile ist es 13.00 Uhr, Zeit für eine Mittagspause. In der Sonne genießen wir Hollersaft und Erbsensuppe mit Würstl. Die kleinen Wege durch den Wald gibt’s noch, und so sausen wir über unzählige Kehren wieder runter zur Finkenbergbahn. Und nochmal rauf! Wir rollen von der Bergstation der Finkenbergbahn zurück zur Penkenbahn. Dort suchen wir den Weg zum alten Traileinstieg Richtung Höllenritttrail. Wir finden ihn schließlich nach langen Suchen und Fragen bei den Almen. Aber der Weg ist fast zugewachsen. Trotzdem versuchen wir ein Durchkommen, müssen aber bald feststellen, dass nur noch erschwertes Schieben und Tragen des Radls ein mühevolles Weiterkommen ermöglicht. Eine halbe Stunde schinden wir uns den Hang entlang und stehen dann im Horbergtal. Was für eine gottverlassene Gegend! Kein einziger Wegweiser, kein Mensch, nichts, vergessen vom Sommertourismus. Aber riesige Liftstationen, verlassene Bergrestaurants, riesige Narben in der Umgebung von neu gebauten Abfahrten. Der Einstieg in den Trail ist nicht mehr zu finden! Erschreckend! Wir sind alle mental fertig, wir wollen bloß weg!

Dazu müssen wir einen steilen Wiesenhang raufkraxeln. Schließlich erreichen wir die Forstrasse, vorbei an Baustellen für neue Liftanlagen rauschen wir gen Tal. Den dunklen, drohenden Gewitterwolken entkommen wir. Die verdiente Feierabendhalbe gibt’s wieder im kleinen Biergarten vom Christlwirt. Ja, und nun folgt die Aufklärung, die „alte“ Christlwirtin ist in den Ruhestand gegangen, und die neue Christlwirtin hat den Gasthof mit dem Namen gepachtet. Sie sagt uns, dass sie sich schon gewundert hat, wie wir beim Einchecken am Freitag die Zimmer mehr oder weniger unter uns ausgemacht haben! Wie alte Bekannte! Fürs Abendessen reicht es draußen noch, auch das Herzjesufeuer am gegenüber liegenden Hang können wir noch bewundern. Ebenso den Kirchzug der Hippacher Schützenkompanie zu ihrer jährlichen Gelöbnisfeier. Der Salutschuss danach gilt der Christwirtin. Dann rückt die ganze Kompanie beim Christlwirt ein. Wir auch, die ersten Regentropfen der Gewitterfont vertreiben uns. Wir sitzen mitten unter den Schützen! Wir erfahren ein wenig von der Geschichte der Schützen und deren Leben sowie auch deren Nachwuchsproblemen. Egal, wo du bist, die Jugend sitzt daheim vorm Handy! Schnaps und Bier machen hungrig. Die bestellten Speck- und Käseplatten kommen um 22.30 Uhr zur richtigen Zeit. Um halb eins ist Zapfenstreich!

Sonntagmorgen! Ein strahlend schöner Tag empfängt uns. Wir packen zusammen, verabschieden uns von der neuen alten Christlwirtin und fahren zur Rosenamlbahn nach Zell am Ziller. Unsere super interessante, kniffelig ausgearbeitete Bikebergsteigertour aufs Kreuzjoch wurde lässig ignoriert. Die Mädls und Jungs wollten unbedingt Bikeparksurfen.. . Die Strecke ist fordernd, mental wie körperlich, eigentlich reichen drei Durchgänge, mit ausreichend Pausen kann man auch mehrere Runden drehen. Wir lockern und dehnen unsere Muskel so gut wir das hinbekommenn. Danach geht’s auf die Piste.

Nach dem ersten Abschnitt denken wir es reicht, wir haben jedoch erst 1/5 der Strecke. Bei der zweiten Abfahrt wollen wir die Strecke flüssiger fahren. Zwischen durch nochmals Luft ablassen, bis auf +-1 Bar. An den steilen und kritischen Spitzkehren halten wir an und zerlegen die Abfahrt in Teile wie Anfahrt, Linienführung, Schwerpunktverlagerung und Körperhaltung. Die Runden werden flüssiger und wir sind positiv erstaunt, dass einzelne Mitfahrer mit blauen Rahmen vorbildlich tief gehen. „tief, tief und nochmals tief“ …. ist angekommen, ohne Druck auf dem Vorderrad fehlt jede Traktion. Weitere Tips wie Arme weit nach aussen, Blickführung und dabei auch noch freundlich schaun, …jetzt reichts.
Die Mittagspause ist mehr als willkommen, wir sind alle platt aber glücklich, das Essen war super. Danach geht allerdings nicht mehr viel, besser sind ggf. kleinere Pauseneinlagen, das Festmahl am Ende. Die konditionell Starken drehen noch zwei Runden, während der Rest schon die Bikes wohnzimmerfertig herrichtet.

„Tage wie diese“ haben genossen: Michaela Kollmannberger, Michael Kreuz, Peter Baierl, Matthias Metzger, Christian Wlotzka, Tourguides waren Ralf Kuczera und Hans Pirsch

Ausblick: Zillertal? Wo führt das hin? Es werden Bergbahnen gebaut, Pisten in Wälder gefräst, Forststrassen so breit wie Autobahnen in die Berge betoniert, es stehen auf den Berggipfeln mehr Baukräne wie Kreuze, Flächen für Elektro – Motorräder werden planiert. Neben den Gipfelkreuzen wächst eine Luxuslounge nach der anderen. Und an den kleinen Wegen stehen Radfahrverbotsschilder! Welch Irrsinn!

Dieser Beitrag wurde unter Mountainbike, Tourenberichte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.