Klettersteige in den Lienzer Dolomiten

15.-19.08.2018, mit Michael Kreuz – Pünktlich um 6:00 Uhr treffen wir uns am Mittwochmorgen in Altenerding und starten unseren Ausflug in Richtung Lienzer Dolomiten. Am Parkplatz unterhalb der Lienzer-Dolomitenhütte angekommen, werden die Rucksäcke geschultert und schon starten wir motiviert bei angenehmen Temperaturen über den Rudl Eller-Weg Richtung Karlsbader Hütte, unserem Quartier für die ersten zwei Nächte. Über abwechslungsreiches Gelände geht es zügig aufwärts.

Mittwoch, 15.08.2018: Aufstieg zur Karlsbader Hütte über Rudl Eller-Weg und Piccola Ferrata; Wet Foot Klettersteig (Marlene)


Nach einer kurzen Rast vorm Hohen Törl und einem kleinem Müsliriegel zur Stärkung wird das Klettersteigset zum ersten Mal angelegt, die Vorfreude ist groß. Über einen kleinen Felsgrat geht es hinauf und wir erreichen unseren ersten Klettersteig, den kurzen, aber pfiffigen Piccola Ferrata, der uns mit einer traumhaften Aussicht auf die umliegende Berglandschaft belohnt.

Wir kommen zurück auf den Rudl Eller-Weg, der sich unter der Laserzwand entlang schlängelt und schließlich erreichen wir die Karlsbader Hütte. Von hier aus haben wir einen 360° Ausblick auf die umliegenden Gipfel wie den Seekofel und die große und die kleine Sandspitze, die uns die nächsten Tage erwarten werden. Mittlerweile ist es etwas frisch geworden und wir freuen uns auf eine gute Brotzeit und leckeren Kuchen in der Stube.

Am Nachmittag starten wir, diesmal ohne Gepäck, nur mit unserer Ausrüstung hinter der Hütte am Laserzsee. Dort steigen wir in den kurzen, aber abwechslungsreichen Wet Foot Klettersteig direkt oberhalb des Sees ein. Dieser kurzweilige Steig eignet sich perfekt um ein bisschen am Fels zu üben und sich wertvolle Tipps für die kommenden Tage zu holen.

Zurück an der Hütte lassen wir den Tag gemütlich mit einem leckeren Abendessen ausklingen.

Donnerstag, 16.08.2018 – Panorama-Klettersteig (Martin)

Nach dem Aufwärm-Programm des ersten Tages nehmen wir uns für den zweiten Tag gleich den schwierigsten (C/D) und längsten Klettersteig, den Panorama-Klettersteig vor.

Gestärkt durch ein reichhaltiges Frühstück machen wir uns pünktlich um 08.00 Uhr auf dem Weg. Während des Zustiegs ist es noch schattig und etwas frisch, sodass man doch noch eine Jacke verträgt.

Nach etwa einer dreiviertel Stunde deponieren wir unsere Rucksäcke und steigen ohne sie noch schnell auf die Laserzwand (2 614 m). Wir genießen die Aussicht in alle Richtungen und machen das obligatorische Gipfelfoto.

Dann aber schnell zurück zu den Rucksäcken um die Klettersteigausrüstung anzulegen und auf geht’s Richtung Klettersteig.

Es geht steil aufwärts und wir erreichen den Grat.

Von nun immer am Grat entlang oder nur knapp drunter überschreiten wir unter ständigem auf und ab (keine Ahnung wie viele Höhenmeter wir machen!) folgende Gipfel: Roter Turm – Kleiner Laserzkopf – Großer Laserzkopf – Galitzenspitzen – Daumen (schwierigste Stelle C/D, aber den Notabstieg brauchen wir nicht!).

Schließlich erobern wir nach langer, aber sehr schöner Kletterei mit kaum künstlichen Tritthilfen den höchsten Punkt: die Große Sandspitze (2 772 m).

Endlich (nach einigen Müsli- oder Powerriegeln zwischendurch) eine richtige Brotzeit, die wir uns redlich verdient haben! Die schmeckt beim 360°-Blick auf die umliegenden Berge sowie auf die Karlsbader Hütte mit dem in der Sonne grün-blau schimmernden Laserzsee gleich nochmal so gut.
Über den Ari-Schübel-Steig machen wir uns unterhalb der kleinen Sandspitze an den Abstieg.

Den Gebirgsjägersteig lassen wir rechts liegen und gelangen zu einer Stelle, wo das Stahlseil unterbrochen ist bzw. wegen eines fast gänzlich weggeschmolzenen Schneefeldes nicht nutzbar ist. Dank einer Seilsicherung, die Michael an die vorhandenen Fixpunkte legt, wird auch dieses Problemchen bewältigt.

Schließlich erreichen wir das Scharten-Schartl und haben nur noch eine bröselige, schotterige Rinne zu absolvieren. Obwohl sich unsere Begeisterung hierfür in Grenzen hält, wird auch diese noch geschafft und wir gelangen glücklich und zufrieden an der Hütte an.

Die Dusche vor dem leckeren Abendessen haben wir uns wirklich verdient. Baden im Laserzsee ist leider verboten. Die Verlockung in das glasklare Wasser zu springen ist zwar schon sehr groß, aber wir halten uns selbstverständlich an das Verbot. Schade ist nur, dass die neben dem See liegende Gumpe komplett leer ist. Wer hat denn da den Stöpsel aus dem Swimming-Pool gezogen, weil er/sie uns das Bad nicht gönnt ? Vielleicht ein Mitglied des Alpenkranzls (A. F. aus H.), das ein paar Tage vorher auf der Hütte war ? Wenn wir den/die erwischen … ! Falls es doch A. F. aus H. war, können wir ausnahmsweise darüber nochmal hinwegsehen. Schließlich war es ihr Tipp nach dem Reservierungsproblem auf der Karlsbader Hütte auf die Kerschbaumer Alm auszuweichen. Danke nochmal für den Tipp, Angi !!!
Nach dem Essen wird wieder Karten gespielt („6 nimmt !“) und es kommt langsam der Verdacht auf, dass immer derjenige gewinnt, der die Punkte aufschreibt. Geht da alles mit rechten Dingen zu?

Freitag, 17.08.2018 – Seekofel-Klettersteig (Hannah)

8 Uhr! Gut gestärkt machen wir uns auf in Richtung Seekofel (2.737m), unser erstes Etappenziel für heute. Von der Karlsbader Hütte aus geht es knapp eine Stunde über Serpentinen und Geröll zur Ödscharte, der Ausgangspunkt des Klettersteigs.

Bei bestem Klettersteigwetter, leicht bewölkt mit toller Weitsicht in Richtung Italien, geht es in knapp 2h hoch zum Gipfelkreuz.

Die Route, die erstmal recht abwechslungsreich und machbar daher kommt, lässt dem ein oder anderen unterhalb des Eggerturms, an der steilsten Stelle, dann doch kurz mal das Adrenalin in den Körper schießen.

Aber geschafft haben’s dann doch alle und die Anstrengung lohnt natürlich. Ein glänzend silbernes und so gut wie neues Gipfelkreuz wartet auf uns.

Kurzes Gruppenfoto bevor wir uns auch schon wieder auf den Rückweg machen.

An der Karlsbader Hütte zurück, heißt es Rucksack packen, denn das zweite Etappenziel für heute, die Kerschbaumeralm Schutzhütte, unsere zweite Übernachtungshütte, wartet auf uns. Durch das Kerschbaumtörl lassen wir den Lazerskessel hinter uns und halten den Blick in Richtung Spitzkofel, an dessen Fuß die Hütte liegt.

Am späten Nachmittag gibt’s bei Ankunft erstmal ein Radler in der Sonne für alle. Schön war’s. Dann heißt es auch schon 50Cent rauskramen und ab zum Duschen, bevor das leckere Essen alle in die urige Stube lockt.

Noch eine Runde „6 nimmt und dann ab ins Bett, denn morgen wartet der Madonnen-Klettersteig.

Samstag, 18.08.2018 – Madonnen-Klettersteig (Veronika)

Der Morgen begann mit einem gemütlichen Frühstück in unserer Unterkunft, der Kerschbaumer Alm. Allzu eilig hatten wir es nicht, denn nach dem starken Regen in der Nacht wollten wir den Felsen noch bisschen Zeit zum Trocknen geben.

Um 8 Uhr ging es dann aber mit Sonnenschein los Richtung Madonnen Klettersteig. Dieser ist im September 2006 eröffnet worden, von mittlerer Schwierigkeit (Steighöhe 390 Hm, B/C) und erschließt sowohl die Große als auch die Kleine Gamswiesenspitze.

Höhepunkte waren eine 16 m lange Hängebrücke sowie die „Felsmadonna“, eine zur Madonna umgestaltete Felsnadel mit Draht und Glaskugeln.

Oben angekommen war der Blick von den Gipfeln ins Laserz, den Kessel der Kerschbaumer Alm und nach Norden in die Hohen Tauern einfach nur fantastisch! Wir waren uns alle einig: ein richtig toller Klettersteig mit viel Spaßfaktor.

Da auf beiden Gipfeln nicht ganz so viel Platz war, um die Brotzeit auszupacken, gab es das wohlverdiente Brot erst weiter unten am Kerschbaumer Törl.

Bild Nach einer Stunde Abstieg wieder zu unserer Alm wartete auch schon die nächste Belohnung: ein erfrischendes Gösser-Radler. Insgesamt waren wir 6 Stunden unterwegs, so dass am Nachmittag sogar noch eine Siesta eingelegt werden konnte, bevor uns die Wirtin mit einem köstlichen Abendessen verwöhnte.
Abgerundet wurde der letzte Abend wie immer mit dem spannenden und lustigen Spiel „6 nimmt“, diesmal sogar mit zwei Partien, so dass auch mal Martin die Ehre hatte, zu gewinnen 🙂

Sonntag, 19.08.2018 – Allmaier-Toni-Weg (Bodo)

Zum Abschluss der Klettersteig-Tour geht’s am Sonntag zum Allmaier-Toni-Weg. Nachdem wir unsere Zimmer in der Kerschbaumer-Alm geräumt haben, geht es pünktlich um 08.00 Uhr los in Richtung Klettersteig.

Am Zustieg des Klettersteigs angekommen, deponieren wir zuerst Teile unseres Gepäcks, sodass die Rucksäcke etwas leichter werden.
Dann geht‘s los auf dem Ostgrat des schönen Klettersteigs.

Die überwiegenden Passagen sind eher leicht und nur teilweise mit einem Stahlseil gesichert. Der Kalkstein war jedoch teilweise sehr brüchig. Bald kann über uns schon das Gipfelkreuz der Weittalspitze erspäht werden. Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es weiter.

Zum Gipfel muss noch eine steile, recht rutschige Felswand überwunden werden, die vor uns aufragt. Wir haben noch die Worte der Wirtin der Kerschbaumer-Alm in den Ohren, daß dieser Teil besonders schwierig sei und zur Kategorie C/D zählen soll.

Nacheinander meistern wir alle, teilweise mit zusätzlicher Seilsicherung, den deutlich anspruchsvolleren Abschnitt des Klettersteigs.
Am Gipfel angekommen, auf einer Höhe von 2.539 m werden wir mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt. Neben dem Gipfelfotogibt es noch eine Brotzeit als Stärkung für den Abstieg über dieselbe Route.

Auf dem Rückweg werden wir an der steilen Wand von unserem Tourenführer Michael abgeseilt. Für manche ist es das erste Mal, gesichert an einem Seil nur leicht mit den Schuhen am Felsen, fast schwebend nach unten zu gelangen.

Der weitere Abstieg verlangt wegen des brüchigen und bröseligen Felsen unsere volle Aufmerksamkeit.

Wieder am Zustieg angekommen, wird kurz gerastet und die Rucksäcke wieder gepackt, bevor wir über überwiegend gerölliges Gelände zum Kerschbaumer Törl queren. Noch einmal erhaschen wir einen Blick auf die Karlsbader Hütte, unser erstes Quartier, bevor es endgültig in Richtung Tal geht.

Zum Ausklang der Tour kehren wir nochmal für einen kleinen Umtrunk mit einer Stärkung in der Dolomitenhütte ein und „tanken“ auf. So gegen 18.00 Uhr treten wir dann die Heimfahrt an.

Es waren fünf anstrengende, aber schöne Tage bei der wir alle Klettererfahrungen für zukünftige Klettertouren sammeln konnten.


Mit dabei:
Veronika Rajcsanyi, Bodo und Marlene Urban, Martin Wegmeier, Hanna Gutheil, Michael Kreuz (Tourenführer)

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