Gletscherkurs auf der Wiesbadener Hütte

30.6. bis 3.7.18, mit Matthias Ruderer und Karola Rübensaal – Treffpunkt S-Bahn Altenerding 6:00 Uhr. Alle waren pünktlich und los ging es in Richtung Garmisch über den Fernpass zur Bieler Höhe – dem Ausgangspunkt für den Aufstieg zur Wiesbadener Hütte (2.443 m).

Tag 1: Zustieg, Orientierung, Ausrüstung und Tourenplanung (von Bianca)

Am herrlich türkis schimmernden Silvrettastausee parkten wir die Autos, luden unser Gepäck aus und packten unsere Rucksäcke.

Wunderschöner Silvrettastausee

Jeder Kursteilnehmer durfte noch ein Päckchen von Karola übernehmen, damit der Aufstieg für sie (den Umständen geschuldet) nicht zu beschwerlich ist. Matthias überprüfte mit einer Kofferwaage noch das Gewicht jedes einzelnen Rucksacks (wir bewegten uns zwischen 11 und 15 kg) und dann wanderten wir über einen moderat ansteigenden Pfad in Richtung Hütte. Ringsrum blühten die Alpenrosen und der Vorarlberger Himmel zeigte sich in bayrischer weiß-blauer Pracht.

Alpenrosen satt

Beste Voraussetzungen für unseren ersten Kurstag. Nach etwa 45 Minuten machten wir Rast und schon ging es los mit der ersten Kurseinheit. Orientierung und Geländekunde. In Kleingruppen arbeiteten wir mit den zur Orientierung hilfreichen Utensilien, wie Karte, Kompass und Planzeiger. Anhand des umliegenden Geländes zeigten uns Matthias und Karola, wo der in der Ferne liegende „Felsriegel“ und das „Gletscherfeld“ in der Karte zu finden sind und wie man die Karte richtig „einnordet“. Auch lernten wir mit Hilfe des Kompasses die das Gipfelkreuzes in der Ferne von unserem Ausgangspunkt aus zu berechnen. Puh…das waren ganz schön viele und sehr interessante Informationen.

Da raucht der Kopf

Gegen 16 Uhr brachen wir auf, um den restlichen Weg zur Wiesbadener Hütte zurückzulegen. Kurz vor Ankunft hat Karola entdeckt, dass sich Biancas Schuh auflöst. Na sauber. Rechts und links löste sich die Sohle. Ja – derf denn des wohr sei? 500 Mark (!!!! 😉 ) teure HanWag-Lederschua? Des gibt’s doch gor ned! Is denn des Zeig nix mehr wert? Da kann nur noch der Hüttenwirt helfen! Und das tat er auch! Kurze Zeit später waren die Schuhe mit je ca. 10 Schrauben „gespaxt“ und die Welt war wieder in Ordnung.

Guad ghoidn hams

Nachdem wir unser Lager bezogen hatten mussten wir uns auch schon zum Abendessen sputen. Nach dem Essen wurden unsere Hausaufgaben – die Tourenplanung der umliegenden Gipfel – besprochen und die für morgen notwendigen Knoten geübt.

Unser Trainingsgelände für die nächsten Tage

Bettruhe war um 22:00 Uhr…auf der DAV-Hütte kommt man dieser erfahrungsgemäß nicht aus.

Tag 2: Ausbildung auf dem Weg zur und an der Ochsenscharte (von keinem)

Also, eigentlich müsste hier ein Text folgen, der von den Besonderheiten der hochalpinen Vegetation, vom richtigen, schnellen Aufbau einer Seilschaft sowie dem Teamwork des Gehens am Seil, von todesmutigen Sprüngen in die Tiefe und fabelhaften Falschenzugskonstruktionen und nicht zur vergessen: fast senkrechten und trotzdem erklommenen Firnflanken berichtet.

Aber nachdem der Kurs nur drei Teilnehmerinnen hatte, die je einen Kursberichtstag übernommen haben, bleibt ein vierter Tag vakant! Die Teilnehmer fühlten sich dafür nämlich nicht zuständig. Ja, wo gibt´s denn sowas…

hochalpine Polsterpflanze

Geschafft, gerettet

Steil geht´s aufwärts

Tag 3: Steigeisen- und Rutschtechnik (von Uta)

8 Uhr Abmarsch hat sich als ein guter Zeitpunkt herausgestellt. Unter Führung von Bianca sind wir weglos bis zum Gletscherrand gestiegen.

Unterwegs zum Gletscher

Dann wurde es ernst, zum ersten Mal wurden die Steigeisen angelegt und dabei lief nicht alles glatt: Rechts und links vertauscht, vorne und hinten verwechselt usw.

Irgendwas passt da ned

Aber nach maximal zwei Versuchen stand jeder richtig und sicher auf den Steigeisen. Ein kleines Blankeisfeld nutzten wir für die ersten Steigversuche unter Anleitung.

Oberschenkeltraining in der Steilstufe

Und damit wir uns gut und schnell an die Steigeisen gewöhnen, hatte unsere Ausbilder einige Übungen für uns parat wie eine Polonaise auf dem Eis

Spaß bei der Polonaise

und Sprungversuche, erst mit aufgemalten Quadraten, die an die Kreide-Straßenmalerei mit Hüpfspiel aus der Kindheit erinnerte, dann aber wurde es ernst mit kleinen Gletscherspalten.

Hüpfen, springen

Auch die Frontalzackentechnik für steile Gletscher wurde geübt. Da aber der Gletscher nicht steil war, musste diese Übung im Liegestütz ausgeführt werden. Schwierig war auch der richtige Umgang mit dem Pickel, nicht zu viel Schwung aus der Schulter, sondern nur kurz aus dem Handgelenk, das erforderte schon etwas Übung.

Dann sind wir weiter in ein steileres mit Schnee bedecktes Stück marschiert für unsere Sturztechniken. Das hat zwar riesig Spaß gemacht, hat aber auch jeden gezeigt, dass es gar nicht so ohne ist, einen Sturz zum halten zu bringen. Also lieber aufmerksam davor und ohne Sturz, da hat man definitiv mehr Spaß bei späteren Touren!

Sausflitz – brems

Zurück an der Hütte, gab es heute noch Hollersaftschorle, Kaffee und Kuchen. Eine gemeinsame Feedbackrunde beschloss den Ausbildungsteil des Kurses. 2 Teilnehmer und Karola mussten uns heute leider verlassen, die liebe Arbeit hat ihnen kein größeres Zeitfenster gegönnt.

Ein letztes gemeinsames Bild

Nach dem Abendessen mussten wir noch einmal mit Karte und Planzeiger ran und die morgige Tour auf das Silvrettahorn planen. Gehzeit + Höhenmeter + Anspruch an die Tour + Pausen = 4 Stunden bis auf den Gipfel in der Theorie und damit sich das dann auch mit der Zeit ausgeht, wurde der Abmarsch für morgen auf 7 Uhr festgelegt.

Tag 4: Abschlusstour auf das Silvrettahorn 3.244 m (von Sabine)

Pünktlich um 05:30 Uhr ging der Wecker im Lager und Uta hat für uns den ersten Wettercheck gemacht. „Sieht gut aus!“ und damit für uns alle das Stichwort aus den Federn zu kriechen.

Nach dem gemeinsamen Frühstück haben wir unsere 7 Sachen gepackt, die Seile schon einmal vorgeknotet und die Sitzgurte angelegt. Nichts wird dem Zufall bzw. dem Wettergott überlassen und so starten wir zu unserer ersten Hochtour, Ziel Silvrettahorn.

Von der Wiesbadener Hütte ging’s auf dem neu angelegten Weg hinunter zum Fluss, den wir Dank „Brücke“ schnell überwunden haben.

Interessante Brücke

Immer weiter aufwärts folgen wir dem Trampelpfad im Geröll hinauf zum Oschentalergletscher – bloß nicht die Stoamanndl aus den Augen verlieren! 😉

Vorbei am imposanten Gletschertor ging es noch einige Meter weiter zu unserem zweiten Check- und zugleich Anseilpunkt. Gemeinsam blickten wir zurück in Richtung Wiesbadener Hütte auf die immer weiter aufziehenden Wolken, die jedoch von den Gipfeln um uns noch aufgehalten wurden. Mit Blick auf den sonnigen Aufstiegshang vor uns waren wir uns schnell einig die dunklen Wolken hinter uns zu lassen und entschieden uns den Aufstieg weiter zu versuchen. In zwei Seilschaften machten wir uns so auf den Weg zur Egghornlücke und dem imposanten Gipfelaufbau des Silvrettahorns.

Unterwegs zum Gipfel

Nach einer kurzen Trinkpause mit tollem Blick auf den benachbarten Piz Buin stiegen wir über teils ausgesetzte Passagen und durchaus mit der Hand am warmen Fels dem Gipfel entgegen. Mit der Sonne im Rücken und dem Gipfelkreuz fest im Blick erreichen bester Laune unseren ersten Hochtouren Gipfel – Berg heil!

Gipfelglück der Gipfelstürmer

Nach dem obligatorischen Gipfelfoto nutzten wir die letzten Sonnenstrahlen für den Abstieg. Dabei ging’s nicht über den Aufstiegsweg sondern abenteuerlich auf dem direkten Weg über Felsen, loses Gestein und über Schneefelder zum Surfen wieder hinab zum Rucksackdepot.

Rucksackdepot mit Buin-Blick

Nach kurzer Rast holte uns der Nebel und damit das schlechte Wetter endgültig ein. Bei schlechter Sicht und Regen machten wir uns auf den Rückweg zur Wiesbadener Hütte. Bei heißer Suppe und Kaiserschmarrn ließen wir das tolle Gipfelerlebnis nochmals Revue passieren, bevor wir uns durch den Regen auf den finalen Abstieg zum Silvretta Stausee machten.

Vielen Dank an Karola und Matthias für den tollen Gletscherkurs, der uns allen sehr viel Spaß gemacht hat 🙂

Mit dabei: Uta, Sabine, Christian, Bodo, Thomas, Andreas, Matthias, Bianca und Heiko
Kursleiter: Matthias Ruderer und Karola Rübensaal

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