Skitouren- und Schneeschuhkurs für Einsteiger

02.-03.02.2018, mit Rainer Pollack und Rainer Preis – Nachdem wir bereits in der großen Gruppe am ersten Januar-Wochenende den Umgang mit dem Verschüttetensuchgerät gemeistert hatten, wollten wir es nun wissen: schaffen wir es, die Berge mit Schneeschuhen oder Skiern unsicher zu machen? Und wo gibt es Schnee, wenn nicht in der Venedigergruppe? So kam es, dass wir uns am 02.02. abends im Matreier Tauernhaus zusammengefunden haben.

„Wir“ – das sind übrigens 7 Mädels und unser Ausbildungsduo Rainer & Rainer. Nachdem bereits das Verhältnis Frauen zu Männern etwas ungleichmäßig ausgefallen ist, haben wir dies auch bei den Disziplinen fortgesetzt: fünf von uns begeben sich in die Obhut von Rainer Pollack, um mit Hilfe der Schneeschuhe den Venedigerblick und dergleichen zu erklimmen, während nur zwei fast schon ein Privat-Skitourtraining mit Rainer Preis absolvieren.

TAG 1 – DUCK-FACE? KANN JA JEDER… DUCK-STEP IST ANGESAGT!

Nachdem uns am Anreisetag um 22 Uhr schon fast die Augen in der Theoriestunde zugefallen sind, besprechen wir die restlichen Warnzeichen für Lawinen und dergleichen direkt nach dem Frühstück. Verpassen tun wir draußen nichts, dann schließlich hängen doch einige Wolken zwischen den Gipfeln…

Und natürlich wollen wir die Theorie auch gleich in die Praxis umsetzen und starten den Winterweg hinauf. So spuren wir den Berg hinauf durch fast unberührten Neuschnee. Da wird einem gleich ganz warm ums Herz – und das nicht nur wegen der Landschaft…
Als wir mit unseren Schneeschuhen immer öfter ins Rutschen kommen, gibt unser Kursleiter uns den Tipp, im Entenschritt zu gehen: die Füße im etwa 30°-Winkel (fast schon passend zur Hangneigung 😉 ) watscheln wir den Berg hinauf. So bringen wir immer mehr Höhenmeter hinter uns – und konsultieren natürlich fleißig die Karte. Auch die Hangbewertung kommt nicht zu kurz und so messen wir vor Ort auch schon mal mit Hilfe der DAV-Snowcard die Hangneigung: etwa 31°. Auch wenn es wegen der fast schon optimalen Schneequalität nicht nötig wäre, steigen wir den Hang mit Entlastungsabständen von etwa 10 Metern auf. Schaden tut es höchstens unserem fröhlichen Geplapper – wobei das auch proportional nachlässt, sobald die Hangneigung zunimmt.

Der Venedigerblick verdient heute leider seinen Namen nicht. Vielmehr müssten wir ihn in Windbichl oder so umbenennen, denn ein eisiger Wind pfeift uns um die Ohren. Immerhin kommen wir so in den Genuss einer weitgehend unberührten Winterlandschaft mit den klassischen Windanzeichen wie Kometenschweif, Dünen, Windgangeln, Schneewechten und dergleichen. Natürlich ist uns Gefahrenvermeidung absolut wichtig – und treten deshalb ein paar kleinere Wechten gleich ab, damit später keiner aus Versehen irgendwo hinein fällt 😉

Von unseren Skitourengehern ist weit und breit nichts zu sehen. Wahrscheinlich sind sie noch mit den Spitzkehren beschäftigt, um an Höhe zu gewinnen…
Als wir beim Abstieg Richtung Südportal des Felbertauerntunnels unterwegs sind, dürfen wir die Hänge hinunterrennen oder auch mal mit unseren Schneeschuhen „abfahren“. Und endlich sehen wir die anderen drei: mittlerweile sind auch sie beim Programmpunkt „Abfahrt“ angekommen. Doch letzten Endes sind wir Schneeschuhgeher vor ihnen zurück am Matreier Tauernhaus.

Eiskletten im Eispark Osttirol
Dort sind wir alle ganz heiß darauf, noch einen Spaziergang zum Eispark Osttirol einzulegen. Denn wo kann man schon so viele Eiskletterer sehen? Dass dann auch gleich 50 Italiener dort sind, die uns auf Glühwein und Kuchen einladen… Naja, wirklich stören tut uns das nicht – im Gegensatz zu den anderen Eiskletterern aus Deutschland und Österreich. Denn scheinbar gibt es hier zwischen den Ländern ein unterschiedliches Verständnis in Bezug auf Risiko und Rücksichtnahme…

Tagesausklang im Warmen
Und was wäre ein Tag im Schnee ohne einen würdigen Abschluss? Genau! Deshalb wärmen wir uns zunächst nochmal gut durch in der hauseigenen Sauna, bevor wir uns bei Geschnetzeltem mit Nudeln und Kartoffeln stärken.

Was noch fehlt: die Tourenplanung für den nächsten Tag. Denn gerade im Winter ist es wichtig, dass man weiß, wie lange die einzelnen Abschnitte dauern und wo die Hänge zu erwarten sind, bei denen man wegen erhöhtem Lawinenrisiko Entlastungsabstände einhält oder sogar umdreht… Und so planen wir mit 400 Höhenmeter beziehungsweise 4 Kilometer pro Stunde die Tour zum Hochgasser. Naja, nach etwa 5 Stunden wären wir dann oben, wobei ab der Grünseehütte das Risiko definitiv zunimmt…

TAG 2 – VON SCHNEE-ENGERL UND ZÖPFE-FLECHTEN

Gegen 9 Uhr machen wir noch den LVS-Gerätecheck und verlassen bei strahlendem Sonnenschein und klirrender Kälte das Tauernhaus. Wir starten Richtung Venedigerblick, wo wir am Vortag umgedreht haben. Laut unserer Tourenplanung vom Vorabend ist der Hochgasser unser Ziel. Realistisch ist eher die Grünseehütte auf 2.245 m. Natürlich nur wegen unseres verhältnismäßig späten Aufbruchs und unserer geplanten Rückkehr um 14 Uhr am Tauernhaus. Doch bis dahin liegen noch etwa 700 Höhenmeter vor uns – und jede Menge Neuschnee.

So spurt eine aus unserer Gruppe unermüdlich den Berg durch mehr als 10 Zentimeter feinsten Pulverschnee hinauf (insgesamt haben wir sicher über einen Meter Schnee…) – immer schön neben der Skitour-Spur, wofür wir später ein ausdrückliches Lob von einem Skitourengeher erhalten. Rücksicht aufeinander in den Bergen ist im Sommer und im Winter natürlich oberstes Gebot. So hat jeder mehr Spaß – und Platz ist ja ausreichend vorhanden.

Lawinencheck – bestanden!
Immer wieder beurteilen wir die Lawinenlage (immerhin ist Lawinenstufe 2 und Gleit- und Triebschnee ausgegeben) und die Hangneigung. Durch den Neuschnee kommen wir bei Hängen mit mehr als 30° Steigung durchaus ein wenig ins Rutschen und lassen deshalb lieber etwas Abstand zwischen uns. Entlastungsabstände brauchen wir zwar noch nicht, doch üben wir das auch. Denn 15 Meter Abstand zu halten, ist definitiv sehr ungewohnt…

Die kurzen Pausen beim Aufstieg nutzen wir natürlich nicht nur, um Luft zu holen und etwas zu trinken. Dafür ist das Wetter einfach zu traumhaft. Bis zum Klein- und Großvenediger können wir sehen – ein Ausblick, den man nicht immer hat und deshalb umso mehr genießen sollte.

Zöpferl flechten vor der Umkehr
Als wir gegen 12 Uhr unterhalb eines etwas steileren Hangs anhalten, einigen wir Schneeschuhgeher darauf, dass wir nicht bis zur Grünseehütte aufsteigen. Zum Einen weil wir sonst nicht rechtzeitig um 14 Uhr zurück sind. Zum Anderen weil nicht mehr alle in unserer Gruppe die Kraft dazu haben. Dafür diskutieren wir, ob nun der Hang unterhalb des Bärenkopfs lawinengefährdet ist oder nicht. Unser Kursleiter würde dort lieber nicht mit Ski hineinfahren. Und keine 10 Minuten später stehen zwei Skitourengeher am oberen Ende des Hangs – und fahren hinein. Zöpferl flechten par excellence, da der Hang komplett unberührt ist. Ob sie den Anriss im Schnee gesehen haben, wissen wir nicht… Immerhin ist nichts passiert und wir können unsere Schaufeln und Sonden getrost im Rucksack lassen.

Mittlerweile haben uns auch die Kollegen aus dem Ski-Lager eingeholt, so dass wir uns gemeinsam das Mittagessen am Berg schmecken lassen. Heute wollen sie sich den Höhenrekord holen – oder einfach etwas weiter abfahren. Zumindest entscheiden sie sich dafür, noch etwas weiter aufzusteigen.

Beim Bergabgehen können wir die unberührten Hänge nicht einfach so lassen. Nein. Viel lieber rennen wir bergab oder fahren hinunter – entweder auf dem Hosenboden oder auf den Schneeschuhen (ja, das geht ein bisschen…). Die Skitourengeher werden sicherlich bald über uns fluchen, da wir doch ein breites Stück umackern, wenn wir nebeneinander hinunter tollen. Und da wir gerade beim Herumtollen sind, gibt es auch noch ein Schnee-Engerl-Foto. Kindisch darf man manchmal ja schon sein…

Fazit
Wer im Winter verantwortungsvoll bei Schnee unterwegs sein will, sollte unbedingt einen Kurs für Lawinenabschätzung und dergleichen machen. So bleibt mir hoffentlich immer der Satz eines Freundes im Kopf, der meine Frage, ob er immer ein LVS (Lawinen-Verschütteten-Suchgerät) dabei hat, so beantwortet hat: „Ich könnte es mir nicht verzeihen, wenn ich mit einem Kumpel unterwegs bin und ihn dann nicht ausgraben und retten könnte.“ Besser ist es natürlich, wenn es erst gar nicht zu einer Lawine kommt. Doch dafür sind viele Faktoren entscheidend. Manche kann man selbst beeinflussen, manche nicht. Ein (Rest-) Risiko ist letztlich immer dabei…

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