Senioren: Dem Auermühlbach auf der Spur

12. Oktober 2011, mit Inge Döllel – Der Auermühlbach ist ca. 7 km lang und wird von Isarwasser gespeist Er entspringt kurioserweise auf der linken Isarseite. Er wurde mit der Erbauung des Isarkanals 1905-1907 südl. von Maria Einsiedl dem Kanal abgezapft und fliesst seither in einem Düker einem Tunnel unter der Isar hindurch und kommt auf der rechten Seite im Tierpark wieder zum Vorschein. Kurz vor der Maximiliansbrücke beim Maxwerk vereint er sich wieder mit der Isar. Es sollte einmal etwas anderes sein, fernab vom Wandern und Berge, halt einfach ein Stadtspaziergang in München und vom Getriebe der Innenstadt entfernt.

10:18 Uhr Abfahrt in Erding mit S2 bis Marienplatz. Von dort mit dem Bus Nr. 52 Richtung Tierpark, Haltestelle Lebscheestrasse zum Templerkloster am Auermühlbach.

Kein anderer Orden ist so von Legenden umrankt und von Geheimnissen umwittert, wie die Ritterschaft vom Tempel Salomons. Daraus ergaben sich die heute üblichen Namensgebungen, Templer, Tempelritter, Tempelherren bzw. Tempelrorden. Hinter den hohen schmiedeeisernen Toren befindet sich das „Trinitarion des orientalisch-orthodox-katholischen und kreuzritterlichen Chor- und Hospitaliter-Ordens der Templer e.V.“ seit 1935 hier ansässig. Es ist der Hauptsitz der Templer-Ordensgemeinschaft in Deutschland. Bezeichnet aber nur den sozialen Bereich, den sich die hier befindlichen 13 Mitglieder der Ordensgemeinschaft auferlegt haben. Dreimal werden täglich Bedürftige zum Essen eingeladen. Da wir Gott sei dank nicht zur Kategorie dieser bedauerlichen Menschen gehören, öffneten sich die Tore für uns nicht. Mit der Ansicht des Klosters, mit seiner eigenartigen Architektur, die Anordnung der Türme, sowie einen Blick in den malerischen Innenhof, hat sich die Fahrt hierher gelohnt.

Turmparade

Mit dem Bus zurück zum Kolumbusplatz, Ausgangspunkt unseres Stadtspaziergangs. Er ist die südliche Grenze der Au und schliesst an Untergiesing an. Die Au wird 1340 als Awe ze Gygyesingen erstmals urkundlich erwähnt, und bedeutet Land am Wasser oder ein vom Wasser umspültes Land. Sie war bis Mitte des 19 Jhd. Herbergsviertel für Handwerker und Tagelöhner vor den Toren Münchens. Heute ist sie ein beliebtes Wohnviertel, dass sich noch einen ganz besonderen Charme bewahren konnte.

Wir gingen die Nockherstrasse aufwärts und unterquerten beim Paulaner Pschorr die Ohlmüllerstrasse zum Neudeck. Der Bayerische Herzog Wilhelm IV. beauftragte 1511 den Bau einer Sommerresidenz als Jagd- und Lustschloss. Das Jagdgebiet erstreckte sich von den Isarauen bis nach Grünwald. In der Neuzeit wurde daraus ein Frauengefängnis und steht jetzt leer. Hier luden einige Bänke am Auermühlbach zur Rast ein. Zwei Geburtstagskinder hatten etwas zum Aufwärmen und Süssigkeiten dabei. Unser Geburtstagslied hallte über den Bach.

Auermühlbach

Unser nächstes Ziel die Besichtigung des ehem. Paulanerklosters, begehbar nur über das Landratsamt München Land.  Wir gingen vorbei am ehem. Amtsgericht  mit seinen hohen neubarocken Fassaden.  Vor 30 Jahren entschied man sich beim Bau die Überreste des nahe gelegenen Klosters einzubeziehen. Auf  Empfehlung des Habsburger Kaisers Ferdinand II. kamen die Mönche des Ordensgründers Francesco de Paula 1626 in die Au. Als Bierbrauer erhielten sie 1634 die Brauberechtigung. Aus diesem Kloster ging der berühmte Bierbrauer Barnabas Still hervor. Im Zuge der Säkularisation 1799 wurde das Kloster aufgelöst. In den Gängen  ist die Geschichte an Hand von Schautafeln nachzulesen. Fünf freigelegte Fresken sind noch erhalten. Im Jahre 1707 gab auf Bestellung der Mönche der bekannte Kupferstecher Michael Wening sämtliche Fresken detailgetreu in Kupferstichen wieder. Über dem Baumhof verliessen wir das Arial. Eine am Boden eingelassene Tafel erinnert, dass man sich auf einem ehem. Friedhof befindet.

Über den Mariahilfplatz zur Maria Hilfkirche. Der Mariahilfplatz war 1809 noch mit ca. 650 Obstbäumen bepflanzt. Dreimal im Jahr findet die Auerdult statt. Die Mai-Dult, Jakobi-Dult und Kirchweih-Dult. 1796  erlaubte Kurfürst Karl Theodor der Au, dem damaligen Vorort Münchens eine Dult auszurichten. Die Maria Hilfkirche wurde 1831-1839 im Auftrag von König Ludwig I. erbaut. Architekt war Daniel Ohlmüller gest. 1839, am 25. Aug. von Erzbischof Lothar Anselm von Gebsattel feierlich eingeweiht. 1944 von engl. Bomber vollkommen zerstört. Heute ist das Innere ein grosser Saalraum mit Betonflachdecke. Südl. an die Kirche angebaut ist die Gnadenkapelle mit dem Gnadenbild. An die ungebrochene Tradition zeugen die vielen Votivtafeln. Die Kirche ist einer der bedeutendsten neugotischen Kirchenbauten Deutschlands und war zu ihrer Entstehungszeit ein Musterbau gotischer Elemente. Die Brücke die die Gebsattelstrasse überquert steht unter Denkmalschutz. Ab der Quellenstrasse gings stetig am Auermühlbach entlang. Die Strasse erhielt ihren Namen 1857 auf Grund der zahlreichen Grundwasserquellen die aus dem Hang austreten. An der Hangseite standen mehr als 60 Herbergshäuser. Die letzte Herberge verschwand 1963.

Vorbei an der ehem Papierfabrik. Zur Herstellung von Papier waren früher abgenutzte Textilien, Hadern (bayr.Hodern) die zerstampft wurden, notwendig. Das Sammeln war nicht nur ein wichtiger Erwerbszweig, sondern von der Obrigkeit streng geregelt. Wer die Hadern auswärts verkaufte, wurde zum Haderlumpen abgestempelt. Eine Brücke brachte uns auf die andere Bachseite zur Lilienstrasse. Hier stand ein Benediktinerinnenkloster, 1803 aufgelöst.

Wir kamen zum Augia-Brunnen. Die Frauenfigur stellt eine Allegorie der Vorstadt Au dar, die 1848 nach einem Entwurf von Ludwig von Schwanthaler auf dem Sockel des Augia Brunnens (schöner Brunnen) errichtet wurde.

Einkehr Im „Wirtshaus in der Au“ um 17:00 Uhr. Wir wurden freundlichst begrüsst und wie immer war für uns reserviert. Speis und Trank war zu aller Zufriedenheit. Zum krönenden Abschluss durften wir den Valentinsaal besichtigen. Der Geschäftsführer gab uns einen kurzen Aufriss über die Geschichte dieses Hauses. Das Wirtshaus in der Au ist eines der ältesten und sehenswertesten bayerischen Wirtshäuser. 1901 eröffnete im Renaisancebau aus der Gründerzeit erstmalig ein Ausschank. Das bewährte Auer Kraftbier schmeckte wohl auch dem in der Au geborenen Volksschauspieler Karl Valentin, der zu den Gästen des damaligen Wagnerbräu zählte. Der Valentinsaal gehört zu den schönsten, bayerischen Veranstaltungsräumlichkeiten Münchens und bietet 220 Personen Platz.

Ach Gott, wir mussten ja noch an die Heimfahrt denken. Wir gingen über die Ludwigsbrücke zur S-Bahnstation am Isartor. Abfahrt  18:56 Uhr. Ein hoffentlich für alle interessanter Ausflug in unsere liebenswerte Hauptstadt München nahm sein Ende.

Keine Haderlumpen

Leitung und Bericht: Inge Döllel
Teilnehmer: Bachmayr Maria, Draxler Franz und Annelie, Etzel Hermann und Agnes, Faltlhauser Paul, Felbinger Renate, Hellinger Betty, Irl Karin, Kieß Gotthart, Koschek Magdalena, Kraibich Herbert, Mau Otti, Mayr Lotte, Obermaier Helga, Pompl Maria, Rauschecker Leo und Brigitte, Schlegel Erna, Sperle Meta, Stadler Helena, Stangl Maria, Topf Peter und Suzie, Wenhart Erika, Wörndle Sonja, Zuther Fred und Leni.

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