Dolomiten-Höhenweg Nr. 2 von Brixen zur Marmolada

16. bis 22. August 2011, mit Michael Grötsch und Constanze Klotz – Dass die Kranzlerkids auch längeren Touren jederzeit gewachsen sind, bewiesen sie im August auf dem berühmtesten der Dolomiten-Höhenwege.

1. Tag: Dienstag, 16. August
Anfahrt – Auffahrt und Aufstieg zur Plosehütte

Wir verabreden uns für 13:30 in Brixen am Bahnhof. Die Vorhut war schon am Vortag angereist, um Ausrüstung am Fedaiasee zu deponieren. Der Rest der Mannschaft trifft pünktlich am Bahnhof ein. Nach kurzer Wartezeit bringt uns der Linienbus nach St. Andrä und weiter zur Plosebahn. Vor der Auffahrt wird für ein erstes Gruppenfoto posiert. Auch die Rückseiten der Kranzler sind diesmal von Interesse, trägt doch jeder einen beachtlichen Rucksack mit sich.

 Tolle Rückseiten

Dann geht es aufwärts, und ein unfreiwilliger, abrupter Stopp zwischen zwei Liftmasten lässt schon mal Volksfeststimmung aufkommen (Ägypten?). An der Gipfelstation ist ordentlich was los (zu viele Menschen), so dass wir uns umgehend auf den Weg zur Plosehütte machen. Bald sind wir den Massen entflohen und erfreuen uns an der beeindruckenden Umgebung. Nach einer guten Stunde erreichen wir unser Tagesziel. Wir genießen die letzten Sonnenstrahlen auf der Terrasse, dann werden die Lager bezogen, und bald soll es Abendessen geben. Dieses fällt bei manchem etwas reichhaltiger aus (haben wir uns das heute schon verdient?), ein anderer kann oder will es nicht behalten. Schnell noch die Hüttenübernachtungen für die nächsten Tage gebucht und ab ins Bett, schließlich soll es morgen „richtig losgehen“.

2. Tag: Mittwoch, 17. August
Plosehütte – Peitlerscharte – Schlüterhütte/Gampenhütte

Nach einem ausgiebigen Frühstück sind wir startklar. Anfangs etwas fad entlang sommerlicher Skipisten erreichen wir bald einen pfiffigen Steig, der uns Richtung Peitlerkofel / Aferer Geislen führt. Eine kurze Passage entlang der Würzjochstrasse bringt uns dann unter die Nordabstürze der Aferer. Hier stellt uns eine heikle Bachquerung auf die Probe, ist aber für „Bergziegen“ nicht wirklich ein Hindernis.

Bergziegen im Bach

Schließlich erreichen wir unter sengender Sonne mühsam die Peitlerscharte. Die drei Väter machen sich noch schnell auf den Weg zum Peitlerkofel, während die Mütter und die Kids schon mal zur Schlüterhütte vorausgehen, um die Sache mit den Lagern zu klären (das Telefonat vom Vortag war nämlich negativ verlaufen). Wie sich herausstellt, sind wir tatsächlich gezwungen, zu der 200 Hm tiefer gelegenen Gampenhütte abzusteigen. Und hier war richtig was los. Konnte man doch einen Jäger wahrnehmen (hören ohne, sehen nur mit Hilfsmittel). Und plötzlich stand er mitten unter uns, den Rehbock im blutgetränkten Rucksack. Die lustige Gesellschaft vor der Hütte brachte ihm schnell ein Ständchen, eine Schnapsflasche machte die Runde, g’rad’ zünftig war’s. Vor dem Abendessen haben schnell noch alle geduscht. Das Essen war dann, im Nachhinein betrachtet, mit Abstand das Beste, was wir in dieser Woche vorgesetzt bekommen haben. Trotzdem hat es sich wieder einer zweimal durch den Kopf gehen lassen (soll das jetzt jeden Tag so weiter gehen?). Müde sind wir dann ins Lager – zuhause würde uns dies um diese Uhrzeit noch nicht einfallen. Die morgige Etappe wird schließlich unsere Königsetappe werden.

3. Tag: Donnerstag, 18. August
Gampenhütte – Medalges – Forc. Roa – Puezhütte

Heute steht uns die längste Etappe bevor, plus 200 Extrahöhenmeter. Schnell sind wir zurück am Höhenweg. Anfangs geht es noch recht gemütlich über Almgelände und durch Murmeltierland, später durchaus schweißtreibend über Fels und Geröll. Das Wetter war am Morgen noch wolkenverhangen. Zusehends lichten sich aber die Wolkenfetzen und geben immer wieder einen Blick frei auf den ungemein steil scheinenden Zustieg zur Forc. Roa. Rechtzeitig zum Anstieg über das mühsame Geröllfeld ist auch die Sonne zugegen, um zu schauen, ob wir auch ordentlich schwitzen.

 In der Schlüsselstelle

Oben angekommen eröffnet sich uns ein weites Hochtal, welches den weiteren Wegverlauf zur Schlüsselstelle der heutigen Etappe vermittelt. Diese ist ein mit Drahtseilen versicherte Gratrücken, der uns weiter zur Puez-Hochfläche führt. Dabei wird die uns umgebende Gebirgswelt immer beeindruckender und bizarrer: Puez-Spitzen, Puez-Plateau, Sella, Langkofel, usw. Nach mühevollen 8 Stunden und 1200 Hm erreichen wir schließlich unser heutiges Ziel, die Puez-Hütte.

Angekommen

Am Abend alles wie gehabt, Lager beziehen, Essen bestellen, schließlich zu Abend essen, und …. denkste! Es war zwar auch heute einem schlecht, der hat aber alles behalten. Die Nacht verläuft ruhig, und so werden wir hoffentlich morgen fit sein, um rechtzeitig an der Pisciaduhütte anzukommen, schließlich hat uns die Wirtin mit heftigen Gewittern am Nachmittag gedroht.

4. Tag: Freitag, 19. August
Puezhütte – Cirjoch – Grödnerjoch – Pisciaduhütte

Das Frühstück ist heute etwas dürftig (wir sind verwöhnt von der Gampenhütte). Also sind wir bald los, auch wegen der Gewitterwarnung, trotz der relativ kurzen Etappe heute. Zuerst eben weiter über das Puez-Plateau, vorbei an vermeintlichen Vulkankegeln (man wähnt sich auf Island), am Crespeina-See entlang zum einsamen Crespeinajoch. Kurz darauf am Cirjoch Menschenmassen. Touristen aus aller Herren Länder, insbesondere Japaner mit weißen Handschuhen, diese knipsen dann auch noch unsere Kids als wären wir von einem anderen Planeten. Ein zu gut ausgebauter Steig bringt uns hinunter zum Grödner Joch. Zu gut, weil Tausende nach oben drängen. Aber bald sind wir wieder in die Einsamkeit entflohen, und erreichen nach ausgiebiger Mittagsrast das Val Setus.

 Schön hier oben

Steil und mühsam geht’s aufwärts, wieder in praller Sonne, von Gewittern keine Spur. Das ist auch gut so, denn am Ende des Val Setus führen uns Drahtseile aufwärts. Und hier sind sie wieder, die Massen, diesmal von oben kommend, von der Pordoi-Seilbahn herüber. Und zwar so viele, das man hier wohlweislich die Seilversicherungen in zwei Trassen angelegt hat, für die Aufsteigenden und für die Absteigenden, aber so nah zusammen und natürlich nicht beschildert, so dass es ein rechtes Durcheinander gibt. Schließlich erreichen wir recht früh am Nachmittag das große Geröllband, welches in halber Höhe um den Sellastock herumführt, und auf dem auch die Pisciaduhütte steht. In wenigen Schritten haben wir diese erreicht. Und heute hat jeder mal Muße, den Rest-Nachmittag nach Gutdünken zu genießen. Die Kids haben keine Zeit zum Ruhen, sausen runter zum See und haben endlich mal ein paar Stunden nur zum Spielen. Spät am Abend kommt es doch noch, das Gewitter. Aber jetzt stört es nicht mehr, und morgen soll wieder bestes Wetter sein. Und schlecht war heute auch keinem!

Gewitter im Anmarsch

5. Tag: Samstag, 20. August
Pisciaduhütte – Boehütte – Pordoijoch – Bindelweg – Fedaiasee

Und tatsächlich erwartet uns wieder Traumwetter, es ist schon fast unwirklich. Die feine Graupelschicht, welche uns das Gewitter hinterlassen hat, bildet dazu einen netten Kontrast. Nach kurzem Anstieg zwingen uns Drahtseile zu einer kurzen Anseilpause. Bald geht es weiter, die nötigen Handgriffe sind mittlerweile eingeübt. Und so erreichen wir zügig das Sella-Plateau. Über die karstige Hochfläche kommen wir gut voran, noch in aller Einsamkeit. Jedoch an der Boehütte ändert sich das. Langsam kommen die ersten von der Seilbahn am Sass Pordoi herüber, und es werden immer mehr. Auch zum Piz Boe führt eine endlose Menschenkette hinauf. An der Pordoischarte schließlich geht es zu wie am Stachus, allerdings gedrängt auf einen Bruchteil der Stachusfläche. Wir gönnen uns trotzdem eine Suppe und dann nichts wie weg, rauf zur Gipfelstation, und runter mit der Bahn, denn wir wollen uns den mühsamen Abstieg über die steile Geröllrinne ersparen. Hier am Pordoijoch herrscht trotz Auto- und Motorradverkehr relative Ruhe im Vergleich zur Scharte oben. Das verdiente Eis ist schnell geschleckt, und weiter geht’s Richtung Fedaiasee. Entlang des Bindelwegs in leichtem Auf und Ab, vor uns die gleißende Marmolada, hinter uns die schroffe Sella mit dem ebenmäßigen Kegel des Piz Boe. Kurz vor dem Rif. Viel del Pan eröffnet sich uns der Blick zum Fedaia-Stausee, unserem heutigen Ziel. Allerdings ist es noch ein weiter Weg, und er zieht sich wie ein Kaugummi. Vor dem letzten Abstieg löst sich auch noch die Vibramsohle vom Bergschuh einer der Teilnehmerinnen.

 Halbscharig

Mangels Akkuschrauber und Spax wird der Bergschuh gegen eine geländetaugliche Sandale getauscht und so erreichen wir über einen teilweise recht ausgesetzten Steig glücklich unser Tagesziel, das ehemalige Rif. Marmolada. Hier haben wir vor einer Woche die für den Übergang zum Contrin-Haus benötigte Ausrüstung deponiert. Zum üblichen Spätnachmittag-/Abendprogramm kommt diesmal noch hinzu:
Schuh reparieren (morgen sollen schließlich Steigeisen an den Schuh), Material verteilen (die Rucksäcke sind wohl noch nicht voll genug!), und Steigeisen anpassen. Dank des hilfsbereiten Wirtes, seines Akkuschraubers und einer Hand voll Schnellbauschrauben ist der Schuh für morgen wieder fit. Ob wir es sein werden wird die Nacht zeigen.

6. Tag: Sonntag, 21. August
Rif. Marmolada – Marmolada Westgratscharte – Rif. Contrin

Also, es war eine unruhige Nacht. Einer hatte sich bis jetzt noch nicht übergeben müssen, dafür vergangene Nacht ordentlich. Am Frühstückstisch ist dann auch etwas gedämpfte Stimmung, ob sich das ausgehen würde für den Patienten?
Gleich hinter dem Stausee erspart uns die Stehgondelbahn 600 Hm Aufstieg. Die eingesparte Zeit können wir gut brauchen, haben wir heute doch die technisch anspruchsvollste Etappe zu bewältigen. Vom Rif. Pian Fiacconi queren wir auf breitem Geröllband leicht absteigend, bis wir um eine Felsnase herum den Marmoladagletscher erreichen. Leider musste zwischenzeitlich unser Sorgenkind von letzter Nacht die Segel streichen. Gemeinsam mit seinem Papa ging es schweren Herzens zurück zum See und weiter ins Tal, wo wir uns morgen wieder treffen wollen.
Hat es am Vortag vom gegenüberliegenden Bindelweg aus noch den Anschein gehabt, der Gletscher sei enorm steil, stellt sich dieser als flach und harmlos heraus. Trotzdem sind Steigeisen angesagt (Blankeis) und auch die Seile kommen zum Einsatz, da ein Ausrutschen doch fatale Folgen haben würde. Das ungewohnte Gehen mit Steigeisen, noch dazu am Seil, braucht seine Zeit, und so erreichen wir gegen Mittag den Felssporn, der den Weiterweg zur Scharte vermittelt.

Steile Wand

Hier wird die Eisausrüstung weggepackt und gegen das Klettersteig-Set getauscht, führt doch ein Eisenweg zur Scharte und jenseits über eine fast senkrechte Felswand wieder hinab ins Val Contrin. Während sich der Aufstieg noch kurzweilig gestaltet, sind wir im Abstieg richtig gefordert. In neuer Routenführung und deutlich anspruchsvoller als der alte Weg, turnen wir an nagelneuen Seilen, bei Gegenverkehr(!), nach unten. Alle meistern den Steig mit Bravour, und kein Außenstehender würde merken, dass dies für die meisten der erste Klettersteig ist.

 Steil abwärts

Auch der weitere Weg hinunter ins Val Contrin ist neu angelegt. Bei den ersten Almwiesen legen wir eine ausgiebige Rast ein, und sind glücklich und stolz, den Übergang gemacht zu haben. Bis zum Contrin Haus sind es dann noch ein paar Meter. Wir sind relativ früh am Ziel, und so machen wir noch einen Abstecher zu einer benachbarten und bewirtschafteten Alm. Hier lassen wir uns allerlei Köstlichkeiten munden, und kommen gerade noch rechtzeitig zum Abendessen ins Rif. Contrin zurück. Die Nacht verlief ohne Zwischenfall.

7. Tag: Montag, 22. August
Rif. Contrin – Abstieg nach Penia – Busfahrt nach Brixen – Heimfahrt

Trotz erfolgreicher Beendigung unseres Vorhabens ist auch heute nichts mit Ausschlafen. Wir müssen runter ins Tal, sind wir doch mit dem Rest der Gruppe in Penia verabredet. Und zudem steht uns noch die komplizierte Rückreise nach Brixen und weiter nach Erding bevor. Der erste Bus bringt uns nach Vigo di Fassa. Hier müssen wir umsteigen, denn wir verlassen hier das Trentino. Weiter geht es über den Karerpaß nach Bozen und mit dem Zug nach Brixen.

Abschied

Hier schließt sich also der Kreis. Vor einer Woche sind wir hier los, täglich Traumwetter, zum Ende der Woche schon fast zu heiß zum Bergsteigen. Es waren wunderbare Tage, zum Teil lange und mühsame Etappen, aber mit vielen tollen Eindrücken, in einer grandiosen Umgebung.

Mit dabei waren:
Fam. Lex: Wolfgang und Severin, unser Jüngster
Fam. Schmidbauer: Gitti, Happe, Korbinian und Moritz
Fam. Klotz/Grötsch: Constanze, Mike und Anton

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