Alpiner Erste Hilfe Kurs 2010

Erste Hilfe – jeder hatte schon irgendwann einmal einen Kurs besucht. Und doch ist sich ein Großteil der Bevölkerung nicht sicher, wie Erste Hilfe geleistet werden kann. Daher hat das Alpenkranzl auch dieses Jahr wieder für seine Mitglieder einen Alpinen Erste Hilfe Kurs durchgeführt. Aber was ist bei „Alpin“ denn anders?

Während bei (Verkehrs)Unfällen die Rettungskette so ausgereift ist, dass innerhalb von spätestens 10 Minuten der Notarzt und Rettungssanitäter vor Ort ist, kann das im Gebirge ganz anders aussehen. Aber malen wir den Teufel nicht gleich an die Wand. Auch bei kleineren Verletzungen möchte man evtl. sich oder seinen Tourenpartner so helfen, dass die Tour nicht gleich abgebrochen werden muss.

Dr. Ulf Müller ging daher zu Beginn des Kurses darauf ein, was für Entscheidungskriterien bei der Frage: „Weitere Durchführung oder Abbruch der Tour? Wann muss ich unbedingt gleich die Bergrettung alarmieren und wann können wir evtl. selbst noch versuchen, die nächste Hütte oder das Tal zu erreichen?“ zu berücksichtigen sind. Neben der Schwere der Verletzung spielen insbesondere auch die Tageszeit und/oder die Wetterbedingungen eine wichtige Rolle.

Alpiner Erste Hilfe Kurs 2010 - Rauteckgriff

In der Folge zeigte er systematisch und vor allem logisch die verschiedenen Handlungs- und  Lagerungsmöglichkeiten auf. Sein Motto: „Perfekt merken kann sich das eh niemand. Daher geht logisch vor! Es geht auch nicht um die perfekte Durchführung sondern, dass Ihr einfach das Bestmögliche versucht. Falsch ist meistens nur überhaupt nichts zu tun!“.

Am Beispiel einer Kopfwunde spielten dann die Teilnehmer das ganze Spektrum durch:

  1. Der Verunfallte blutet (nur) und ist bei Bewusstsein –> Lagerung mit erhöhten Oberkörper
  2. Schock- was ist Schock? Lebensbedrohlich! –> Lagerung mit erhöhten Beinen
  3. Patient ist/wird bewusstlos! Erstickungsgefahr –> Lagerung in der stabilen Seitenlage
  4. Patient atmet nicht mehr! –> Beatmung und vor allem Herzdruckmassage

Entscheidend ist also immer, was im aktuellen Moment die größte Lebensbedrohung für den Verunfallten ist. Danach muss das Handeln und die Lagerung ausgerichtet werden. Natürlich konnte in diesem Zusammenhang auch die Beatmung und Herzdruckmassage an einer Puppe geübt werden.

Alpiner Erste Hilfe Kurs 2010 - Wiederbelebung

Anschließend ging es darum, was sich in einem Alpinen Erste Hilfe-Set (Bergsteigerapotheke) alles befinden sollte. Dabei weicht er mit seinen Empfehlungen doch deutlich von der Standardausstattung ab und empfiehlt einerseits Gewicht zu sparen aber andererseits die wirklich wichtigen (universellen) Dinge zu ergänzen (u.a. Tape). Für Mehrtagestouren empfiehlt sich außerdem ein modulares System je nach Tourenart und Ziel.

Wie kann und sollte ich einen Verletzten transportieren? Hier gilt sicherlich der Grundsatz, dass bei einem Transportbedarf in jedem Fall der Zeitpunkt für die Bergrettung gekommen ist. Aber evtl. kann der Hubschrauber nicht fliegen. Was dann? Oder der Verunfallte muss nur einige wenig Meter aus einer Gefahrenzone heraus transportiert werden. Auch hierzu haben die Teilnehmer wertvolle Tipps bekommen. Die einfachsten Dinge sind oft die Besten.

Alpiner Erste Hilfe Kurs 2010 - Rettungsdeckentransport

Zum Schluß zeigte Dr. Ulf Müller dann noch, wie man sich mit einem Tapeverband bei den häufigsten Verletzungen an Finger, Händen, Knöchel und Knie behelfen kann.

Die Teilnehmer waren sich wieder einige, dass sich der Abend rundum gelohnt hatte und eine Auffrischung des Erste-Hilfe-Wissen in jedem Fall immer wieder wertvoll ist.

Teilnehmer: Sonja Schupsky, Alexander Lechner, Elisabeth Hornburger, Karola Rübensaal, Susanne Thurner, Klaus Bertz, Reiner und Elisabeth Kaifel, Daniela und Wolfgang Mau, Ingeborg Kanacher, Werner Rypalla, Marion Eder, Martina Braun, Michael Kreuz (Organisation), Dr. Ulf Müller (Referent)

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