Indian Summer mit dem MTB

13.10.2018, mit Andy Birk – Inspiriert von seiner Kanada-Reise, lud unser Moutainbike-Guide Andy Birk 7 Alpenkranzler und 3 Kranzlerinnen ein, den Indian Summer auch im Raum Erding/Dorfen/Isen zu suchen. Sollten wir heute tatsächlich fündig werden? Das alternative Motto „Altweiber-Tour“ wurde vom Tourenleiter schnell verworfen; und dies zurecht, wie ihm die strafenden Blicke der anwesenden Damen verraten.

Die Rahmenbedingungen entsprechen eindeutig den Kriterien: Das Thermometer zeigt bis zu 25 Grad, strahlend blauer Himmel, die Laubwälder bereits bunt gefärbt und das Ganze Mitte Oktober. Voller Vorfreunde treffen wir überpünktlich am Bauernhausmuseum in Erding/Schollbach ein. Nach kurzen Instruktionen freuen wir uns auf die abwechslungsreiche Tour mit ca. 70 km Länge, möglichst abseits von Asphaltstraßen. Eine Einkehr ist gemäß Ausschreibung unterwegs nicht geplant, deshalb sind unsere Rucksäcke vorsorglich prall mit Verpflegung gefüllt – aber, wie sich noch bestätigen soll – keine Regel ohne Ausnahme.

Einmal kurz durchschnaufen …

Der erste Streckenabschnitt führt uns über Schollbach, Mauggen, Breitasch, Kuglern, Hönning (an einer großen Christbaumplantage vorbei) und weiter über Brandlengdorf nach Dorfen zur ersten Pause bei der Skulptur des österreichischen Bildhauers A. Klimbacher am Regenrückhaltebecken. Diese entstand im Mai 2015 im Rahmen eines internationalen Holzbildhauer-Symposiums und ist Teil von insgesamt sieben Kunstwerken, welche im Landkreis in verschiedenen Gemeinden aufgestellt wurden und durch die SKULPTOUR II mittels einem beschilderten Radweg (53 km) erkundet werden können.

Skulptur von Bildhauer A. Klimbacher in Dorfen

Herbststimmung Dorfen

Weiter geht es über über Fürmetzkapelle, Eck, Spirkersberg, Rabeneck bis Pumpernudel (was für ein Ortsname! Ein Link zu einem Artikel über die dessen Entstehung findet sich am Ende dieses Berichts). Dann die Abfahrt über Herrnberg ins Lappachtal mit anschließendem Anstieg nach Pausenberg. Beim Anblick der in der Sonne liegenden Gastwirtschaft „Holzwirt“ werden wir entgegen unserem Vorsatz (keine Einkehr unterwegs) dann doch schwach und werfen diesen kurz entschlossen sozusagen über Bord. Zumindest ein Weißbier oder Cappuccino geht immer.

Zum Holzwirt

Wehmut kommt allerdings auf, wenn bei der traumhaften Aussicht über das Isental der Blick auf der nahen und kurz vor Fertigstellung stehenden neuen Autobahntrasse hängenbleibt; mit der Idylle ist es dann lärmbedingt leider vorbei!

Zukünftiger Autobahnabschnitt

Anschließend fahren wir durchs Kopfsburger Holz, dann vor der Deponie Sollach rechts ab mit einem Abstecher zur Hubertus-Kapelle. Diese wurde ab 2008 auf Initiative von
Jägern gebaut und wird von ihnen unterhalten.

Bei einer kurzen Pause genießen wir das Panorama über Isen, Isental und Lengdorf (dort erkennen wir den Weg, den wir am Vormittag befahren haben).

Hubertuskapelle bei Isen

Sodann fahren wir ein kurzes Wegstück zurück, weiter Richtung Süden und östlich an
Isen vorbei, bis wir unvermittelt auf eine „Straßensperre“ stoßen. Bisher sind wir auf unserer Tour erst wenigen Spaziergängern bzw. Radlern begegnet und deshalb völlig überrascht, als sich uns eine Jägerin in den Weg stellt und zum Anhalten zwingt. Sie erklärt uns, dass hier eine Hundeausbildung stattfindet und in diesem Rahmen auch geschossen wird. Ein Teilnehmer bemerkt, dass es schon gut wäre, wenn wenigstens die Hälfte der Truppe Zuhause ankäme. Da kann die Dame aber beruhigen: Es fallen zwar Schüsse, doch sicher nicht auf uns. Ein Jägerkollege meint allerdings scherzhaft, dass es am besten „E-Biker“ treffen solle, denn ein solches Radl könne er brauchen. Ein nicht elektrifizierter Mitradler muss natürlich auch gleich wieder „seinen Senf“ dazugeben: „Um de waar´s need schood“.

Nun kommt das heutige Motto unserer Tour voll zur Geltung. In stetigem Auf und Ab über zum Teil steile, schweißtreibende Forstwege fahren wir durch die buntgefärbten Wälder. Das Farbenspiel umfasst ein breites Spektrum von beispielsweise braun (Eichen), goldgelb (Birken und Pappeln), orange und rötlich (Ahorn). Ein besonderes Erlebnis ist das Rascheln der Blätter, wenn man in voller Fahrt (insbesondere mit einem Fully) drüber brettern kann.

Dass herbstliche Bäume ihre Tücken haben können zeigt sich, als eine Eichel zielgenau und krachend auf dem Helm einer Mitradlerin landet. Der trockene Kommentar eines Kranzlers: „Guad, dass koa Kokusnuss waar“.

Wir fahren ins „friedliche Tal“, nehmen Feldweg bei Eschbaum und entdecken kurz
vor dem Weiler Ambach einen historischen Grenzstein der ehemaligen „Herrschaft Burgrain“.

Grenzstein

(Details unter http://www.schloss-burgrain.homepage.t-online.de/Aktuell/2016_04_03_Grenzsteinwanderung_5/Handzettel_5Grenzsteinwanderung_2016.pdf)

Wir nehmen die Waldstraße hinunter nach Burgrain, dort folgen wir der Isen flussabwärts in Richtung Norden auf einem idyllischen Fuß-/Radweg (Teilstrecke der „Schlacht von Hohenlinden“), passieren so die Einmündung des Loipfinger Bachs und die Fischzucht bei Urtlmühle und fahren weiter bis Rosenberg, wo uns ein knackiger Anstieg fordert. Danach folgt eine moderatere Steigung nach Mais.

Am Rand der Rosenberger Hölzer bietet sich eine frisch gemähte Wiese am Waldrand mit Panoramablick auf den Markt Isen für eine kleine Rast an, um unsere restliche Brotzeit noch zu „vernichten“. Deutlich überrascht sind wir, als ein Touren-Teilnehmer die ersten Lebkuchen auspackt und verspeist. Heute – nach den Christbäumen – schon der zweite mehr oder weniger dezente Hinweis auf den bevorstehenden Winter?!

Andy´s Traumtour lassen wir dann bei der Gaststätte am Bauernmarkt ausklingen. Vielen Dank für diesen herrlichen Radltag! Nun wissen wir, dass es auch bei uns einen „Indian Summer“ gibt.

Tourdaten: 73 km, 670 Höhenmeter, keinerlei Pannen
Teilnehmer: Christa, Irene, Marianne, Andreas, Erhard, Günther, Hans, Paul, Roland, Walter
Tourenleitung: Andy Birk, MTB-Guide
Bericht und Fotos: Christa Perleb / Beschreibung Streckenverlauf: Andy Birk

Wie im Bericht angekündigt, hier noch der Link zur Herkunft des Ortsnamens:
https://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Was-hinter-kuriosen-bayerischen-Ortsnamen-steckt-id8391701.html

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