Hochtour auf die Rötspitze

14.-16.07.18, mit Christian Harrer – Sicher war ich nicht die einzige, die bei Rötspitze erst mal googeln musste, ist ja nicht gerade ein Gipfel den jeder kennt. Aber gerade das war so interessant und eine Hütte ohne WIFI, Sauna, Whirlpool … also ein Schmuckstück auf der Südseite der Zillertaler.

Samstag 14. Juli

Nach gut 4 Stunden Fahrt hatten wir den großen Parkplatz am Ende des Ahrntals in Prettau erreicht. Bei wunderschönem Wetter marschierten wir mit unseren vollgepackten Rucksäcken los. Wir entschieden uns über das Röttal aufzusteigen, um 2 Tage später die Runde über das Windtal zu schließen.

Nachdem wir die Ahrn überquerten ging es anfangs steil durch den Wald aufwärts, um schon bald auf den Bergwerksweg, mit seinen Schautafeln und Stolleneingängen zu kommen. Im vorbei gehen nahmen wir noch unserem 1. Gipfel, das Rötkreuz (2080 m) mit.

Weiter ging es taleinwärts zur wunderschön gelegenen urigen Rötalm, wo wir uns kurz stärkten. Bei unserer Ankunft begrüßte uns der alte Almbauer mit der Frage: „ Wird das Wetter schön, weil ihr auf den Berg geht?“ Weiter wollte er sich aber nicht auslassen und wir grübelten noch einige Zeit, was er uns damit sagen wollte. Auch ein paar Regentropfen ignorierten wir beharrlich.

Entlang des Röttalbachs ging es durch das nun flache und blumenreiche Hochtal. Immer im Blick die mächtige Rötspitze mit dem Rötkees. Der Aufstieg wurde wieder steiler und führte an zwei Bergseen vorbei, schließlich erreichten wir die wunderschön gelegene Lenkjöchlhütte.

Nachdem wir uns auf der aussichtsreichen Terrasse niedergelassen hatten kam auch schon der junge Hüttenwirt und versorgte uns mit Getränken, Kaffee und Kuchen.

Mit kaltem Wasser am Waschbecken war die Katzenwäsche schnell erledigt und wir bezogen unser kleines, aber feines Zimmer. Wie in Südtirol üblich bekamen wir eine Auswahl an Vor- und Hauptspeisen und natürlich im Anschluss an die Nachspeise noch einen Schnaps.

Voller Zuversicht, dass das Wetter gut wird, vereinbarten wir um 6:30 Uhr zu starten, da für Samstag die Rötspitze geplant und die Wetterprognosen für nachmittags eher unsicher waren.

Sonntag 15. Juli

Nachdem es die ganze Nacht stark geregnet hatte, brachen wir gegen 6:30 bei aufklarendem Wetter Richtung Rötspitze auf. Da sich zwei Teilnehmer konditionell nicht fit genug fühlten, stiegen sie am Anseilplatz wieder zur Hütte ab und der Grat auf die Rötspitze wurde mit den übrigen 3 Teilnehmern angegangen. Der starke Gletscherrückgang am vormals wohl oft firnigen Grat und eine leichte Neuschneeauflage aus der vorigen Nacht sorgten für nicht immer leichte Verhältnisse. Kletterstellen bis zum unteren 3. Schwierigkeitsgrad mussten mit Steigeisen im teils brüchigen leicht verschneiten Fels überwunden werden.

Mit Seilsicherung und dem Anlegen von Fixseilen waren die Schwierigkeiten jedoch zu meistern. Gegen Mittag wurde der Gipfel erreicht und wegen der Wetterlage nach einer kurzen Rast gleich der Abstieg angegangen, so dass alle am Nachmittag wieder die Hütte erreichten. Aufgrund der Wetterlage und der langen Heimreise am nächsten Tag wurde statt der Tour auf die Dreiherrenspitze für den nächsten Tag der Ahrnerkopf als Ziel ausgewählt.

Montag 16. Juli

Eigentlich war ja laut Touren-Ausschreibung geplant, noch die Dreiherrnspitze (3499 m) zu besteigen. Dies hätte nochmal einen sehr langen Aufstieg und einen noch vielen längeren Abstieg bis ins Tal bedeutet. Angesichts der vorhergesagten Gewitter für den Nachmittag und der noch zu bewältigenden Heimfahrt von rund 4 Stunden waren wir uns alle schnell einig, diese Tour nicht mehr zu unternehmen. Stattdessen entschieden wir uns, es etwas gemütlicher angehen zu lassen und wählten als Tagesziel den gletscherfrei zu erreichenden Hüttengipfel, den Ahrnerkopf (3051 m).

Nach dem Frühstück machten wir uns gegen 08.00 Uhr auf den Weg. Zunächst verlief der Weg unter einigem Höhenverlust Richtung Hinteres Umbaltörl deutlich sichtbar und auch noch markiert, später war die Wegfindung etwas schwierig. So mussten wir nach Steinmandln Ausschau halten, die teilweise weit entfernt waren, und uns den besten Weg zum nächsten selbst suchen. Nach dem Queren eines Schneefeldes war der Weg Richtung Gipfel wieder deutlich erkennbar. So erreichten wir nach rund zwei Stunden den Gipfel. Keiner wollte den mitgebrachten Proviant wieder ins Tal tragen und eine kleine Gipfelbrotzeit oder zumindest einen Müsliriegel o. ä. hatten wir uns allemal verdient. Der Blick in Richtung unserem eigentlich geplanten Ziel, der Dreiherrnspitze, bestätigte uns in unserer Entscheidung: Der Weg wäre wirklich lang gewesen.

Auf dem Gipfelkreuz, das vor einigen Jahren u. a. durch den Senior-Hüttenwirt aufgestellt wurde, ist ein Aufkleber angebracht mit der eindeutigen Aussage „Süd-Tirol ist nicht Italien!“. Ein Gipfelfoto musste selbstverständlich auch noch sein. Da wir alleine auf dem Gipfel sind, stellt ein Teilnehmer seinen Fotoapparat mit einem kleinen Stativ auf, um ein Foto mit dem Selbstauslöser zu machen. Die anderen Teilnehmer haben Angst, dass der Fotoapparat abstürzt. Um den Eigentümer des Fotoapparats machen sie sich keine Sorgen. Sollte ihm das zu denken geben?

 

Auf dem gleichen Weg bzw. mit leichten Varianten geht’s zurück zur Hütte. Das deponierte Gepäck wird in den Rucksäcken verstaut und es gibt noch die ein oder andere Stärkung. Schließlich musste noch die letzte der sehr leckeren Spaghetti-Varianten der „noch echten Hüttn-Hüttn“ (Zitat Christian) getestet werden.

Wir verabschieden uns vom jungen, sehr sympathischen Hüttenwirt und machen uns an den Abstieg ins Tal. Hierfür wählen wir den anderen Weg, nämlich den durch das Windtal. Diesen nutzt übrigens der junge Hüttenwirt auch mit seinem Trial-Motorrad um frische Lebensmittel im riesigen Rucksack auf die Hütte zu bringen. Auch wenn dieser Weg der leichtere ist, immer noch eine äusserst respektable Leistung.

Im Tal angekommen beschließen wir noch nach dem Begleichen der Parkgebühr von 18,– € (6,– pro Tag und Auto – die holen sich das Geld auch von den Lebendigen) noch eine Nachbesprechung der Tour in einem Cafe im Ahrntal zu machen. Wir bedanken uns bei Christian für die – wie immer – souveräne Leitung der Tour – auch unter schwierigen Bedingungen. Er darf ruhig öfter eine solch anspruchsvolle Hochtour (mehr geht wahrscheinlich als Sektions-Tour nicht) anbieten – wir würden uns freuen! Anschließend verabschieden wir uns von einander und die beiden Autos machen sich auf den direkten Weg nach Hause zu ihren unterschiedlichen Heimat-Zielen.

Teilnehmer: Renate Resch, Vroni Maier, Martin Wegmeier, Werner Rypalla, Bodo Urban
Tourenleitung: Christian Harrer
Tourenbericht: Renate, Vroni, Martin

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