HTG-Tour „Große Reibn“

08.-10.04.18 – Die Fortsetzung der Haute Route vom letzten Jahr im westlichen Teil fiel den vielen Tiefs aus dem Südwesten zum Opfer. Gut, dass es in den Ostalpen auch eine wahrlich hochalpine Traumtour gibt – die legendäre „ Große Reibn „ um den Königsee und Watzmann.

Am Sonntag, den 8.4.2018, ging´s mittags los zum Ausgangspunkt „Parkplatz Hinterbrand“ in Höhe der Mittelstation der Jennerbahn.

Auf oberflächlich weichen Schnee stiegen wir bis fast zur Bergstation und dann Richtung Osten oberhalb des Schneibsteinhauses zum Torrener Joch, auf dessen österreichischer Seite das Carl-von-Stahl-Haus (1736 m ü.N.N.) liegt.

Der Wirt berichtete von guten Bedingungen für die Tour (Steigeisen nicht notwendig !).

Am Montag starteten wir in der Morgendämmerung mit Harscheisen bei fest gefrorenem Schnee durch Latschenfelder auf den Schneibstein (2300 m ü.N.N).

Die erste Abfahrt führte Richtung Süd-Südwest über flache Hänge in die Windscharte, von der wir nach dem Anfellen unproblematisch den Windschartenkopf (2211 m) von Osten her erreichten. Nun ging es nach der nächsten kurzen Abfahrt über den benachbarten Schlumkopf (2203 m) hinweg auf eine plateauartige Hügellandschaft zu.

Moderat ansteigend ging es weiter, östlich am unscheinbaren Hochseeleinkopf vorbei und den markanten Kahlersberg (2350 m) weit rechts liegen lassend. Die gut sichtbare Spur verlief Richtung Südosten bis kurz vor den Kragenkopf und dann ziemlich exakt auf der deutsch-österreichischen Grenze in einem langen Rechtsbogen südwärts Richtung Wildalmriedl.

Auf dem flachen Sattel an seiner Westseite stärken wir uns bei einer kurzen Pause, bevor die Abfahrt in den Eisgraben, einer ersten Schlüsselstelle der großen Reibn, beginnt. Dazu fuhren wir bei griffigem Schnee zunächst nach West-Südwest an den Plateaurand und nach einem Rechtsknick auf einem breiten Band weiter nach Norden bis wir vor dem südwärts gerichteten Steilhang (bis 40 Grad) standen, der in den Eisgraben leitet. Vorsichtig und einzeln schwangen wir den tiefen weichen Schnee im oberen Teil hinab, während der unterste Teil in kombiniertem Gelände abgeklettert wurde.

Es war mittlerweile kurz nach Mittag und Zeit für eine Stärkung in der Sonne nach etwa der Hälfte der Tour. Bei der weiteren Abfahrt in schwerem Schnee querten wir auf die südliche Seite des Eisgrabens und hielten uns am Ende der Steilwände des Teufelshorns möglichst hoch am Hang im lichten Wald, um in eine Scharte südlich vom markanten Lehlingkopf zu gelangen.

Links an der Wand vorbei unter Querung von großen Lawinenfeldern und dann in teils abenteuerlicher Abfahrt zwischen kleinen Felsen hindurch bis auf etwa 1580 Meter Höhe.

Es folgte ein längerer Anstieg: rechts vorbei an der Schönfeldwand durch ein breites Kar nach Südwesten zur Blauen Lache (1816 m), die rechterhand passiert wurde. Nach einem südwärts gerichteten Anstieg auf einem Rücken entschieden wir uns wegen dem in oberen steilen Südlagen zu erwartenden weichen Schnee mit erhöhter Lawinengefahr für den Sommerweg Richtung Niederbrunnsulzen bzw. Übergang Totes Weib. Nach einer halben Stunde bei besserem Blick nach vorne kamen uns aber Zweifel angesichts der Nassschneeabgänge an der Südwand des Grießkogels, die wir im unteren Teil hätten queren müssen. Also bogen wir wieder nach Norden ab, um in der Lange Gasse wieder auf die Aufstiegsspur zu treffen, die unter dem Leiterkopf schließlich nördlich des imposanten Wildmannrotkogels auf einen Sattel führte. Von hier mussten wir wieder gut 50 m in die Steinige Grube abfahren, um an deren Ende über die steilen Südhänge, die wohl wegen der Höhe kompakteren Schnee boten als wir dachten, auf den Gipfel des Funtenseetauern (2579 m ü.N.N.) zu gelangen.

Bei einsetzendem Föhnsturm war es sehr ungemütlich, so dass wir uns bald ein kurzes Stück flach Richtung Westen bewegten zur Einfahrt in den oben durchaus steilen, mit weichem Schnee gefüllten Gipfelhang. Schwerer Schnee bei anhaltend etwa 35 Grad steilen Westhängen bis zum Stuhlgraben forderte die letzten Kräfte und weiter durch diesen bis zum Funtensee, an dessen Nordwestseite das ersehnte Tagesziel, das Kärlinger Haus, gegen 18:30 erreicht wurde (Tagesstrecke über 25 km und über 2500 Höhenmeter).

Der Eingang zum Winterraum war noch knapp bis zur Hälfte mit Schnee blockiert, so dass man nur durch die obere Hälfte der teilbaren Tür in den Vorraum gelangen konnte. Rasch wurde es nach dem Einheizen warm und wir konnten gleich Tee kochen, da zu unserer Überraschung das Wasser am Brunnen vor dem Haus lief. Wie wir später im Hüttenbuch sahen, war Ostern die neunte und letzte Wintersaison des Hüttenwirts gewesen. Nach einer ausgiebigen Stärkung fielen wir bald müde und erschöpft in die Lager.

Der Morgen begrüßte uns wieder mit Sonnenschein und nach einem ausgiebigen Frühstück und dem Reinemachen der Räume brachen wir auf, westwärts durch die Senke hindurch und an deren Ende schräg links hinauf in den lichten Wald bis zum Hirschtörl (1876 m).

Über ein zunächst nur sanft ansteigendes Hochplateau mit vielen kleinen Buckeln gingen wir auf den großen Hundstod zu. Deutlich rechts am Ingolstädter Haus vorbei führte die Spur bis zur Hundstodscharte südlich der mächtigen Felswände.

Nach einer kurzen, aber etwas heiklen Querung nach Nordwesten gelangten wir zum Dießenbacheck und blickten in den 35 bis 40 Grad steilen Westhang weit hinunter zum Hochwies-Talboden. Es war später Vormittag und in der Nacht hatte es offenbar nicht gefroren. Dementsprechend war der Schnee weich und tief und wir führen vorsichtig einzeln hinunter (mit einigen Verschnaufpausen).

Von der Hochwies zog die Aufstiegsroute westwärts über sanft kupierte Hänge zur Gratschneide nördlich des Seehorns (2321 m), von wo wir dem Gratverlauf nach Norden folgend zur österreichisch-deutschen Grenze westlich vom Großen Palfenhorn querten. Letztmals wurden hier die Felle abgezogen. Die ideal geneigten Nordhänge und eine relativ feste Schneedecke ließen ein paar befreite Schwünge bis zur Einfahrt in den Loferer Seilergraben zu.

Vor diesem abfahrtstechnisch anspruchsvollen Abschnitt, der auch stabile Lawinenverhältnisse erfordert, machten wir noch eine Pause in der Sonne zur Stärkung. Der Blick von oben in den „ewig“ langen Loferer Seilergraben, der nach unten heraus immer steiler (leicht über 40 Grad) und enger wird, nötigte uns schon Respekt ab.

Immer einzeln, hielten wir uns zunächst eher rechts und querten im mittleren Teil nach links zu den steil aufragenden Felswänden. Sorge bereitete uns die immer mehr durchfeuchtete Schneedecke, so dass beim Schwingen oberflächlich etwas Nasssschnee ins Rutschen kam.

Mit „brennenden“ Oberschenkeln erreichten wir den Talboden, der flach ins Wimbachgries ausläuft.

Nach ein bis zwei Kilometern war die Freude mit dem Schnee vorbei und wir mussten 2 Stunden zu Fuß den langen Weg nordwärts das Wimbachtal hinaus bis zur Wimbachbrücke zurücklegen ( vom Kärlinger Haus 21 Kilometer und 1200 Höhenmeter).

Ein freundlicher Mitarbeiter von der Nationalparkverwaltung, den wir unterwegs trafen, hat Michael dann nach Hinterbrand gefahren, um das Auto zu holen. Bei Kaffee, Kuchen und Eis im warmen Sonnenschein in Ramsau ließen wir die Große Reibn nochmals Revue passieren.

Teilnehmer:
Michael Kreuz, Wolfgang Lex, Rudi Riepl (Tourenbericht)

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