Rund um den Simssee

09.08.18, mit Hans Pirsch – Mit leuchtenden Augen erzählt uns die alte Wirtin vom Gasthof in Zaisering von ihrem Leben im Dorf. Von großen Hochzeiten und lustigen Faschingsbällen oben im Saal. Von ihrer Metzgerei und ihrem Hof, von 18 Bauern die einst das Dorfleben geprägt haben, von Stammtischen und Kartenspieler, vom Leben.

Sie freut sich, dass sie mit uns so gute Zuhörer gefunden hat! Sie erzählt weiter vom Tod ihres Mannes, dem Wirt, Bauer und Metzger 1990, vom Niedergang der Dorfgemeinschaft, vom Zusperren müssen des Saals aus feuerpolizeilichen Gründen, vom Weggang des letzten Pfarrers! Und sie sperrt mit ihren 77 Jahren ihre Wirtschaft immer noch auf, jeden Tag, bis auf Montag, da ist Ruhetag, und sie wartet auf Gäste. Und ein paar Rentner vom Dorf kommen auch und heute an dem Sonntag im schönsten Sommer seit Jahren sitzen acht Erdinger bei Ihr im Biergarten und hören ihr zu. Gekocht wird schon lange nicht mehr in der alten Küche, aber im Biergarten schmeckt das Bier immer. Und die Kastanien, die sie gepflanzt hat sind ihr ganzer Stolz!

Zu Acht sind heute früh an der alten Kirche mit dem 70 Meter hohen Kirchturm zur Umrundung des Simssees gestartet. Von der Hauptstrasse nach Stephanskirchen biegen wir in die kleinen Wege am westlichen Ende des Hofstätter Sees ab. Auf Holzstegen geht’s quer durchs Brugger Moos. Über Pfade, Forststrassen umfahren wir den Weiler Rauch im Wald und sind bald am südlichen Ende des Simssees. An einer kleinen Schilfflichtung sehen wir das Ufer und den doch recht großen See das erste Mal.

 

Schilfdickicht mit Ausblick aufn Simssee

Weiter radeln wir auf dem Simsseerundweg zum Seewirt. Dort gibt’s großen und kleinen Cappuccino.

Capuccinopause im Seewirt am Simssee

Dann gehts weiter, wir queren die Strasse und fahren in ein kleines Tal. Der Weg ist traumhaft schön am Bach entlang. Leider führt er uns in die falsche Richtung. Wir müssen zurück und am Hang des Tals steil rauf zur Kirche St. Stefanus und Laurentius.

Steil nauf …

… mit einem Lächeln geht’s!

Dort genießen wir erst die grandiose Aussicht zurück auf den Simssee und rollen dann im stetigen Auf und Ab zum Aussichtsturm auf der Ratzinger Höhe.

Ratzinger Höhe

Der Holzturm ist schnell bestiegen und uns offenbart sich eine grandiose Aussicht auf die Berge.

Ausblicke …

… und Durchblicke

Leider ist es ein wenig diesig. Macht nix, dafür ist Sommer und es ist heute richtig Sommer! Langsam wird’s Zeit für die Mittagspause. Wir rollen vom Track ab Richtung Berggasthof Weingarten. Dort ist ein großer Tisch auf der Terrasse frei. Bevor die Bedienung kommt müssen wir uns erst satt sehen am Ausblick Richtung Chiemsee. Der Wirt ist sympathisch, hat er doch auf seiner Speisekarte vermerkt, dass er keine Produkte des Nestle-Konzerns verwendet!

Gasthof Weingarten!

Stilgerecht zum Ausblick auf den Chiemsee gibt’s gebackene Renken. Aber auch riesengroße Schnitzel und Spinat-Käseknödel schmecken ausgezeichnet. Die Wirtschaft (http://www.ratzingerhoehe.info/) ist zu empfehlen! Über eine zügige Abfahrt erreichen wir Mauerkirchen und biegen dort ab nach Antwort.

Sama richtig – do steht die Antwort

Steil geht’s nauf nach Bad Endorf. Am Bahnhof unterqueren wir die Gleise und radln durch ruhiges, schönes Voralpenland Richtung Rinsersee.

Badebucht am Rinssersee

Dort parken wir die Räder am Kiosk und schnell ist jeder in Badekleidung. Ein Ratespiel beginnt, wer hat das kleinste mögliche Badetuch dabei Eigentlich ist die Badehose und der Bikini die richtige Kleidung für diesen heißen Tag. Wir sprinten zum See um uns abzukühlen. Aber leider müssen wir feststellen, dass auch dieser See nur noch warm ist. Wir waten hinaus und merken bald, dass der See nicht tiefer wird wie ca. 1,50m. Allerdings sinken wir knietief im Schlamm ein. Ein merkwürdiges Gefühl! Was für Viecher warten da unten im schlammigen, moorigen See?

Gott sei Dank ist die Dusche eiskalt. Und auch das Bier. Tatsächlich treffen wir am ruhigen Badestrand eine Bekannte aus unserem Fitnessstudio, die uns sogar mitteilt, von der Tour in der Zeitung gelesen zu haben. Irgendwann wird auch noch das „kleinste“ Handtuch zu klein zum Liegen und wir packen zusammen. Gemütlich rollen wir noch am Hofstetter See vorbei, erreichen alsbald wieder die Strasse nach Stephanskirchen und sehen von weiten schon den alles überragenden Kirchturm von Zaisering. Nach rund 50 km und 700 HM verpacken wir die Räder wieder in den Autos.

 

 

Zünftig ist´s im Biergarten. Daniela hatte den alten Wirt schon in der Früh gesehen und nun sitzen wir da! Die Wirtin reicht uns die Getränke beim Fenster raus und setzte sich dann zu uns. Wir lachen viel mit ihr!

Alter Wirt Zaisering

 

 

Drinnen strahlt die uralte Stube ihren Charme aus. Man kann die Geschichte des Hauses riechen und erfühlen. Man meint das frühere Leben in der Stube zu hören. Das Knarzen des alten Holzbodens, die lustigen und lauten Kartler, das Klirren der Maßkrüge. Die alten Tische sind immer noch gedeckt, sie warten. Die große Küche ist super sauber, die alten Töpfe glitzern im Sonnenlicht das durch die Fenster reinfällt. Sie wird anscheinend jeden Tag liebevoll geputzt.  Der alte Gasthof versinkt in den Irrungen der Zeit. Bald ist er nur noch Geschichte in den Erzählungen der Alten.

Facebook, Twitter, WhatsApp, Tinder sind wichtiger als Dorfgemeinschaft, als Ratschen, als Zuhören, als Leben. „Wen die Wirtschaft stirbt, stirbt der Ort“ heißt es deshalb in einer Studie der katholischen Universität Eichstätt – Ingolstadt aus dem Jahre 2013.

Aussichten in alle Richtungen haben erstaunt genossen Daniela Haury, Conny Hackl, Maya, Elisabeth Niedermeier, Klaus Bertz, Andreas Just, Manfred Schobin und Hans Pirsch (Tourleitung und –bericht). Erstaunlich, wieviel und wieweit man von den ersten Hügeln im Alpenvorland sehen kann. Und wieviel man hören kann, wenn man sich Zeit nimmt. Und wie schön doch unser Land ist!

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