Rund um den Königssee

18.-21.06.2018, mit Sonja Schupsky – Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah – und zwar in Bayern? Diese Erfahrung machten wir wieder einmal, als wir in den Berchtesgadener Alpen den Königssee umrundeten.

Ein wenig umständlich ist es am Anreisetag, nach Berchtesgaden zu kommen: Die Straße durch Bischofswiesen ist gesperrt, weshalb wir einen längeren Umweg in Kauf nehmen müssen. Und auch das Wetter ist noch etwas ausbaufähig – noch hängen dunkle Wolken am Himmel.

Noch a bisserl feucht

Auch die geplante Auffahrt zur Jenner-Mittelstation fällt aus – die Seilbahn dorthin eröffnet erst am 4. August (und ganz auf den Gipfel geht es dann erst ab 2019). So lassen wir zum Parkplatz am Königssee Taxis kommen und uns nach Hinterbrand bringen. Die Taxis sind immerhin sogar günstiger als die Seilbahn …

Von Hinterbrand starten wir dann zu unserer Durchquerung, die uns zunächst vorbei an der Baustelle der Mittelstation bringt. Landschaftlich darf es ruhig lieblicher werden, aber seit wann sind Baustellen schon anheimelnd?

Wir erreichen über Wald- und Wiesenpfade und vorbei an zutraulichen Kühen, die einem Kraulen nicht abgeneigt sind, die Königsbachalm. Schon auf diesem kurzen Wegstück zeigt sich, dass die Bergblumen in voller Blüte sind und wir da noch viel Freude haben werden (einen eigenen Blumenteil findet Ihr am Ende des Berichts).

Wildrose

Käferspiel in der Geißbart-Blüte

Wir entscheiden uns gegen eine Einkehr auf der Alm und setzen unseren Weg fort, der uns nun auf der Forststraße über die Gotzentalalm hinauf zur Hochfläche der Gotzenalm führt. Das Ende des „zachen Schuders“ wird von mancher schon herbeigesehnt …

Gotzenalm

Die Gotzenalm ist keine DAV-Hütte, sondern gehört der Nationalparkverwaltung und wird verpachtet. Sie ist gut geführt und eine echte Empfehlung. Wir bekommen für uns fünf ein eigenes Zimmerlager mit sehr bequemen Matratzen mit sehr ausreichender Breite.

Wolken über dem Watzmann

Auch die gastronomische Versorgung ist sehr gut, das Essen schmeckt und hat eine reichliche Portionsgröße. Das Abendlicht, das den Kahlersberg beleuchtet, setzt dann diesem schönen ersten Tag die Krone auf.

Abendlicht am Kahlersberg …

… und am Priesberg

Am nächsten Morgen genießen wir das sehr gute Frühstück, um dann zunächst einmal aufzusteigen zum Feuerpalven, einem Aussichtspunkt oberhalb der Gotzenalm. Leider hängen die Wolken noch tief drin in der Watzmann-Ostwand und dem Königssee, so dass es mit der Aussicht heute nicht gar so weit her ist.

Getrübte Aussicht am Feuerpalven

Immerhin blühen aber am Gipfelhang Gelber Enzian und ein spezielles Habichtskraut.

Orangerotes Habichtskarut

Gelber (Gepunkteter) Enzian

Zurück an der Hütte schultern wir die Rucksäcke und machen uns auf den Weg Richtung Wasseralm. Mit uns drei sehr nette Damen aus Saale/Unstrut (um genau zu sein, kommt eine aus der Pfalz), wo die Tourenleiterin gerade am Wochenende eine Fortbildung in Sachen Wein absolviert hat. So ein Zufall! Gabi, Inka und Petra werden wir ab jetzt immer wieder treffen, denn sie haben denselben Etappenplan wie wir.

Durch den geschundenen Wald

Der Weg führt zunächst abwärts durch den Wald, der an manchen Stellen stark mitgenommen ist: Borkenkäfer und Sturm haben ihre Spuren hinterlassen. Aber wie es sich für einen Nationalpark gehört, wird alles so belassen, wie die Natur es formt.
Nach kurzem Abstieg biegen wir ab Richtung Landtal, wo es zunächst an der steilen Felswand des Königsstand entlang geht.

Unter dem Königsstand

Zwar halten die tiefen Wolken die Aussicht in Grenzen, aber wir entdecken sogenannte Zeigerpflanzen, die auf das Vorkommen von Edelweiß hindeuten (welche Zeigerpflanzen das sind? Tja, da solltet Ihr mal mit uns auf Tour gehen, damit Ihr was lernt! 🙂 ).

Edelweiß-Quartett

Und tatsächlich entdeckt der Berichterstatter vier Exemplare und verdient sich so den Entdeckerschnaps (dass man für die Entdeckung von Edelweiß dann Enzian trinkt, ist wohl klar, oder?).

Brücken-Damen

Der Weiterweg führt über eine kleine Brücke am Abgrund und dann hinunter ins Landtal. Adlerauge Irmi erspäht die einzige Türkenbund-Lilie, die schon geöffnet ist (sie blüht eigentlich erst ab Juli).

Türkenbund

Nach einigem Abstieg erreichen wir die die Querung, die ins hinüberführen wird zur Wasseralm. Von hier sieht man (wenn auch nicht in kompletter Höhe) den mit 400m Fallhöhe höchsten Wasserfall Deutschlands, den Röth-Fall.

Röth-Fall

Und auch zu Obersee und Südende des Königssees geht der Blick, wenn auch getrübt durch Wolken.

Wolken über Königssee und Obersee

Schließlich erreichen wir die Wasseralm, die zu unserer Überraschung vollständig ausgebucht ist. Und die neuen Hüttenwirte haben nicht gerade das Fach Organisation studiert, um es fein zu formulieren: Anmeldung, Getränke- und Essenbestellung gehen schon arg zäh. Aber wenigstens sind sie nett …

Ankunft an der Wasseralm

Wir bekommen unsere Lager im „Untergeschoss“, was bedeutet, dass man nur gut einen halben Meter Luft über sich hat. Gut, dass niemand von uns Platzangst hat!

Zum Abendessen gibt es auf der Wasseralm immer nur zwei Gerichte: Gemüseeintopf mit oder ohne Würstel. Da ist die Auswahl schnell getroffen … aber es schmeckt gut, wir sitzen nett mit den Saale-Damen zusammen und haben einen schönen Abend. Was willst Du mehr?

Abendlicher Besuch

Am Abend zeigen sich dann noch in einiger Entfernung zwei Hirschkühe am Waldrand; der Berichterstatter muss deshalb zum Fotografieren nochmal raus.

Apropos Schlafen: Das ist in dem voll belegten 50er-Lager der Wasseralm nicht ganz so gut heute. Und weil der Berichterstatter manchmal im Schlaf laut atmet (Schnarchen würde er das keineswegs nennen), hat er mit seiner Schwester vereinbart, dass die ihn dezent anstupsen möge, wenn es zu laut wird. Das funktioniert (so wie schon auf der Wasseralm) auch ganz gut, bis die Mahnerin während der Nacht dazu übergeht, ihn auch dann anzustupsen, wenn irgendjemand anderer im Lager schnarcht. Bis er sie mit einem entschlossenen „dees war i neda!“ auf ihren Übereifer hinweist.

Der Berichterstatter entzieht sich dem Gestupse aber dann eh schon um sechs Uhr morgens, weil er zeitig zum Fotografieren aufbrechen will. Und siehe da: Hingen gestern die dichten Wolken den ganzen Tag tief über der Wasseralm, so beginnt heute der Tag mit klarem blauen Himmel. So eine Freude!

Sechs Uhr morgens an der Wasseralm

Der Weg führt oberhalb des Königssees in stetigem Auf und Ab meist im Wald dahin, nur manchmal ist der Blick frei – und der Watzmann zeigt sich im morgendlichen Licht.

Watzmann-Ostwand im Morgenlicht

Der Berichterstatter erreicht schon vor acht Uhr das gewünschte Ziel, das Halsköpfl – für mich der schönste Aussichtspunkt am Königssee überhaupt. Mehr als eine Stunde hat der frühe Vogel dann den Gipfel für sich allein – und genießt es in vollen Zügen. Um neun Uhr erreicht die Sonne dann St. Bartholomä und die Wunschfotos entstehen.

Blick über den Königssee zum Untersberg

St. Bartholomä im Morgenlicht

Anlegestelle in Salet

Die Blumenwiese am Gipfel ist auch Anziehungspunkt für allerlei Insekten und vor allem auch Schmetterlinge, die gut mit dem Fotografen kooperieren. Dangschee!

Schwalbenschwanz (mit Sponsorenvertrag?)

Schön stillhalten!

Kannst die Uhr lesen?

Um elf Uhr erreicht dann auch unsere Gruppe das Halsköpfl, aufgehalten am Morgen durch umständliche Abrechnerei auf der Wasseralm. Auch sie können bei einer kleinen Brotzeit die Aussicht genießen, bevor wir uns auf den Weiterweg machen.

Watzmann-Südspitze

Dieser Weg führt in sehr starkem Auf und Ab nun in Richtung Kärlingerhaus, unserem nächsten Etappenziel. Dazwischen liegen sehr malerisch der Schwarzensee und der Grünsee.

Schwarzensee

Grünsee

Eine weitere Rast am Grünsee wird verworfen, stattdessen wollen wir auf direktem Weg zur Hütte gelangen. So manche staunt, dass der Weg entgegen ihrer Erwartung nicht „brettleben“ verläuft, sondern noch einiges an Steigung bereithält, bis wir dann aber doch endlich am Kärlingerhaus anlangen.

Ankunft am Kärlingerhaus

Während sich drei Teilnehmerinnen gleich der Getränkekarte zuwenden, gehen die Tourenleiterin und der Berichterstatter hinunter, um im Funtensee zu baden.

Am Funtensee

Im Winter ist das der kälteste Ort Deutschlands, aber jetzt ist der See zwar kalt, aber schon auszuhalten; wir hatten es schlimmer erwartet. Und Spaß macht es sowieso!

Sonja beim Bade

Wir beziehen unsere Lager (wir haben wieder ein Zimmerlager für uns) und genießen es, an der Hütte in der Sonne zu sitzen. Zum Abendessen gibt es für alle Gulasch mit Knödel – und da müssen wir den Koch gleich mal sehr loben: Ausgezeichnet! Und überhaupt das ganze Hüttenteam, das die Hütte neu und erst seit Mai bewirtschaftet: Sehr nett und gut organisiert! Vielleicht kommen die von der Wasseralm mal zur Schulung rüber …

Abendlicht über Funtenseetauern und Schottmalhorn

Wir genießen den schönen Abend mit Sonnenuntergang über Funtenseetauern und Schottmalhorn wieder draußen auf der Hüttenterrasse. Der Wirt setzt sich noch zu uns und kredenzt besten Zirbenschnaps – und Moni muss als Schankkellnerin herhalten …

Der Wirt gibt einen aus … dangschee, Michi!

Nachdem wir sehr gut geschlafen und dann gefrühstückt haben, machen wir uns wieder auf den Weg.

Morgennebel über dem Funtensee

Zunächst mit etwa 100 Hm Anstieg geht es dann hinunter Richtung St. Bartholomä. Die vielen Serpentinen hinunter durch die Saugasse sind zwar lang, aber gut zu gehen, wie überhaupt der ganze Weg unschwierig ist.

Auf dem Weg zur …

… Saugasse

Nach der Saugasse geht es vorbei an der Schrainbachholzstube und dann zum oberen Wasserfall des Schrainbachs (der untere ist nur vom Schiff aus zu besichtigen).

Am Oberen Schrainbachfall

Wir erreichen das Schwemmgebiet des Eisbachs, freuen uns über die dort wachsenden Orchideen und erreichen danach die Schiffsanlegestelle.

Barthlmä in Sicht

Und natürlich führt uns der Weg nach jetzt 1.300 Hm Abstieg gleich in den Biergarten, wo wir einen freien Tisch für uns finden. Alle bestellen geräucherte Forelle – am Königssee muss es Fisch sein!

Auf die Schnelle eine Forelle

Und hier feiert auch unser Tourenneuling Katja großzügig ihren Einstand und übernimmt die Getränkerechnung. Herzlichen Dank, Katja! 🙂

Obwohl das Wetter nun noch ganz passabel scheint, brauen sich doch schon dicke Wolken zusammen: Eine Kaltfront mit Gewitter ist schon für Mittag angekündigt. Und das ist auch der Grund, warum wir beschließen, die Tour hier abzubrechen. Eigentlich sollte uns der Weg noch über den Rinnkendl-Steig auf die Kühroint mit einer weiteren Übernachtung führen, aber in dem Steig wären wir einem Gewitter schutzlos ausgesetzt.

So fahren wir mit dem Schiff zurück nach Dorf Königssee. Moni gibt eine Runde Steckerleis aus, und dann gehen wir zurück zum Parkplatz. Als wir uns ins Auto setzen, um abzufahren, beginnt es zu regnen … Punktlandung!

Wir fahren noch zur Enzianbrennerei Grassl – ein Souvenir muss man ja schließlich mitnehmen, und wenn es in trinkbarer Form ist.

Der Heimweg sollte durch die Routenwahl über Inzell eigentlich problemloser verlaufen, aber auch dort war die Ortsdurchfahrt gesperrt. Mit einer sehr schlecht beschilderten Umleitung ging es dann über Ruhpolding zur Autobahn und nach Hause.

Herzlichen Dank an Sonja für die sehr gute und umsichtige Tourenleitung!

Die Königsseer: Monika Hofer, Irmgard Faltermaier, Hans Sterr und Katja Schmid
Tourenleitung: Sonja Schupsky
Bericht und Fotos: Hans Sterr

Und hier noch einige Bergblumen:

Knabenkraut

Pyramiden-Günsel

Fransige Glockenblume

Weißer Germer

Lichtnelken

Kugelige Teufelskralle

Alpenrose (Rostblättriger Rhododendron)

Pyrenäen-Drachenmaul

Akeleiblättrige Wiesenraute

Bachnelkenwurz

Berg-Flockenblume

Ährige Teufelskralle

Allermannsharnisch (Berg-Lauch)

Akelei

Gelber Eisenhut (sehr giftig!)

Sumpf-Stendelwurz

Rotes Waldvögelein

Stern-Dolde

Mehlprimel

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