Skitourenwochenende Weidener Hütte (1.799m) im Weertal

12.-14.1.2018, mit Constanze KlotzFreitag, 12. Januar 2018: Anreise, Hüttenanstieg, Hubertusspitze (2.142m) (1.000Hm, 11,2km)
Bei finsterer Nacht starten wir überpünktlich zu unserem Tourenwochenende. Zwei Stunden später wachen die meisten erst wieder auf, es geht zum Kaffeetrinken in den M-Preis in Weer. Denn Reiner fährt uns alle mal wieder „vollökologisch“ mit seinem Bus, so fallen auch die 9€ Parkgebühr nur einmal an.

Ganz schön viel Zeug, was man so mitschleppt!

Ausrüstung

Beim Anstieg auf der Rodelbahn steigen wir aus dem Wolkenmeer des Inntals heraus – da versteht man durchaus, weshalb es Fahrverbote bzw. –beschränkungen nach IG-L in Tirol gibt.

Inversionswetterlage

Der Anstieg zieht sich in die Länge, bei der Weidener Hütte nehmen wir gleich eine Suppe als Mittagessen ein. Trotz intensiver Planung zuhause stellt sich nun die Frage: Wohin heute? Denn abgeblasene Rücken und viele Windgangel: Es sieht nach üblen Schneeverhältnissen aus. Doch unsere Eingehtour ist bereits mit gutem Schnee gesegnet und es wird so bleiben! Die vom Wind ausgefressenen Schneepakete sind nicht wie sonst eisig, sondern butterweich! Ein uns unbekanntes, aber erfreuliches Phänomen.

Windgefräster Schnee – Butterweich!

Die von mir angefragten Lawinenexperten in Innsbruck meinen, dass durch die Kälte eine aufbauende Umwandlung an der Oberfläche stattgefunden habe: soll uns recht sein! Wir gehen in einen Osthang und besteigen die Hubertusspitze, die ein Vorgipfel des Hobarjochs ist, mit einer feinen Abfahrt.

Spaß macht´s

Es sind nur 80 Höhenmeter, aber die sind so gut, dass die meisten von uns nochmals auffellen und noch mal ein paar Genussschwünge in den nur von uns verspurten Hang legen. Reiners Vorgabe für die Neulinge: Augen zu, in die Knie und nach vorne beugen. Na, wenn das mal gutgeht!

Schon beim Aufstieg haben wir Schneehühner fliegen sehen, und die Spuren im Schnee deuten auf Birkhühner hin. Beim Abfahren beobachten wir ein Schneehuhn, das aus seinem Schneeloch ein und aus fliegt: Zigfach in Flyern gesehen, zum ersten Mal in natura. Toll!

Zurück in der Hütte geht Roland mal in den ersten Stock hinauf und schon haben wir 1.000 Höhenmeter voll! Wer sagt´s denn…. .
Die Weidener Hütte wurde 2008 komplett saniert und der Altbau mit einem großen Anbau versehen:

Weidener Hütte

Wir haben zwei Viererlager im Altbau, es riecht romantisch nach altem Holz. Und das Sanitär neu im Anbau. Skiraum, extra Schuhraum und extra Kleidungstrockenraum – alles vorbildlich organisiert. Gut, noch ein Bankerl zusätzlich zum Schuhanziehen – aber wir wollen nicht meckern. Auch die Halbpension schmeckt und unser „Gluten“ bekommt wie so oft ein fast noch leckereres Essen als wir Normalos. Da versteht man, weshalb alle eine Unverträglichkeit haben wollen. So oder so ähnlich sieht es der Wirt, wir würden natürlich niemals so was denken.

Samstag, 13. Januar 2018: Hobarjoch (2.512m) und Halsspitze (2.574m) (1.372 Hm, 11,2km)

Den langen Hatscher zur Hütte sparen wir heute ja, so starten wir erst um 8:30 bei ziemlicher Kälte. Kurz in den Graben, über den Steg balanciert und dann den Nordhang mit dem zunehmend lichteren Zirbenbestand hinauf. Gut, die ersten Spitzkehren nehmen wir als Übung für unsere Neulinge, aber nicht lange und sie nerven, die Spitzkehren. Das Gelände ist tatsächlich nicht ganz einfach, weil extrem wellig, aber mit etwas Weitsicht lassen sich viele Kehren vermeiden und so lege ich eine neue Spur, wobei mich Reiner unterstützt. Michael kümmert sich derweilen um unser Tourenküken Irene, die mit ihrer Einzelbetreuung ganz zufrieden scheint und tapfer mitläuft. Heute sehen wir Pellets, nein Schneehuhnlosung im Schnee und gleich daneben die Losung eines Raubtieres. Oje, oje …

Endlich Sonne

Ein paar Meter zu Fuß am Gipfelgrat, so stand es in der Beschreibung. Wenn ich da so nach vorne blicke, wird das mit der Gruppe dauern. Daher entscheiden wir uns, direkt in den Osthang abzufahren, denn wir wissen, dass der Schnee in dieser Exposition top ist. Und vor uns keiner. Und bei dieser Variante können wir auch noch eine schöne zweite Tour dranhängen. Im Steilhang ist sowieso Einzelfahren angesagt, und dass dies richtig ist zeigt sich beim Reinfahren: Es sind Gleitschneemäuler vorhanden, die von oben nicht sichtbar waren. Also Vorsicht und den Wartebereich weit außerhalb der Gefahrenzone legen – und in der Sonne. Danach über die Rampe runterwedeln – ein Genuss!

Vom Hobarjoch zieht die Rampe nach rechts unten

Bei der Brotzeit am zugeschneiten See reißt sich Sabine ein großes Triangel in ihre Skihose – auweh! Notdürftig flicken wir es mit Tape und gestärkt nehmen wir nun die Halslspitze in Angriff.

Halslspitze

Hier liegt eine gute Spur im Hang, so dass es zügig nach oben geht.

Zügig geht’s rauf

Am Gipfel ist es recht kühl, so dass wir nur einen kurzen Blick nach Süden zum Olperer und nach Norden aufs Karwendel werfen und umgehend abfahren.

Halslspitze Blickrichtung Karwendel

Tatsächlich sind auch die Hänge dieser Exposition gut zu fahren und die Abfahrt ist ein Genuss.

Sonntag 14. Januar 2018: Nafingköpfl (2.454m), Abfahrt ins Nurpenstal, Punkt 2.300m Richtung Rastkogel (~1.000Hm, 15,6 km)

Mit Gepäck starten wir gleich steil hinter der Hütte Richtung Nafingköpfl. Schlauer wäre wohl ein großer Umweg im Süden gewesen, denn die Spitzkehren im Steilhang sind alle hartgefroren und auch Michaels neu gelegte Spur ist nicht ohne Probleme. Die nach uns kommenden Gruppen probieren andere Spuren, aber überall hört man leises Fluchen. Auch nach dem Steilhang bleibt die Spur eisig und ich lege eine neue an, da geht es sich gleich bequemer. Die Abfahrt vom Nafingjoch rein ins Nurpenstal ist wieder phantastisch. Da wir noch Zeit haben, beschließen wir nach der Rast im Talboden bei der Haglhütte (2100m) am Gegenhang so weit aufzusteigen,

Im Aufstieg

dass wir nicht das enge Tal rausschieben müssen, sondern über die gestuften Rampen schräg abfahren können.

Optische Täuschung?

Die Rechnung geht auf, die Hänge sind zwar sehr flach, aber die Neigung reicht gerade eben. Und bei dem Schnee wedelt es sich auch im Flachen hervorragend. So schaffen wir es mit einer hohen Querung bis vor zur Almsiedlung (Obere Nurpensalm) ohne Schieben. Danach geht es auf der Almstraße abwärts, die unten unangenehm eisig und ausgefahren wird. Kurz bevor wir den Hang oberhalb des Gasthauses Innerst erreichen, hören wir einen Heli. Wir beobachten den Heli beim Absetzen zweier Retter und leider auch beim Bergen eines Verletzten. Ein Rodler hat sich auf der eisigen Rodelbahn trotz Helm schwerste Verletzungen zugezogen, als er von der Bahn abkam. Gut, dass wir die Abfahrt übers Nurpenstal genommen haben.

Eine sehr leckere Einkehr im Gasthof Innerst (Kasknödelsuppe! Dreierlei Kuchen!) rundet dieses wirklich tolle Wochenende ab.

TeilnehmerINNEN

TeilnehmerINNEN: Michael Grötsch, Irene Drexl, Reiner Kaifel, Sabine Müller, Walter Daimer, Roland Stary, Uta Mentz
Leitung und Tourenbericht: Constanze Klotz (mit dem roten Helm)

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