Hochtour Stubaier Alpen

01.-06.08.2017, mit Michael Kreuz – Nachdem es letztes Jahr vom Wetter nicht geklappt hatte, versuchten wir es dieses Jahr nochmals mit unserer Runde auf die höchsten Berge der Stubaier Alpen. 

1. Tag – Anreise uns Aufstieg zur Dresdner Hütte (2308m)

Wir, das sind Maria, Bernhard, Matthias, Christoph und Michael (unser Tourenführer).

Bei der Fahrt ins Stubaital stieg die Temperatur bis auf 37°. Am Hüttenparkplatz bei der Seilbahn (1.750m) trafen wir Christoph und Matthias, die von München kamen. Bei 29° begann der Aufstieg zur Dresdner Hütte auf 2.308 m.

Trotz des schweren Gepäcks waren wir sehr schnell oben. Die Hütte selbst gleicht eher einem Hotel. So hatten wir zu fünft ein 7-Bett Zimmer mit eigenem Waschbecken.

2. Tag – Schaufelspitze (3.332m) – Hildesheimer Hütte (2900m)

Bei angenehmen 20° und wolkenfreiem Himmel brachen wir um 7 Uhr auf. Unser Ziel für heute war die Bergstation der Seilbahn zum „Top of Tyrol“ und von dort zum Gipfel der Schaufelspitze.

Dabei führt der Weg auch über den Gletscher. Auf den letzten Metern dorthin war alles extrem aufgeweicht und knöcheltief, fast wie flüssiger Sand. Aber auch das meisterten wir und wuschen uns kurz darauf auf dem Gletscher den Baatz wieder von den Schuhen.

Da der Gletscher aper war, nutzten wir unsere Steigeisen bis zum Bergrestaurant Jochdohle. Von dort ins Tal waren auch einige Wanderer unterwegs. Diese bastelten dann auf dem steiler Stück ohne Steigeisen doch ein wenig unsicher nach unten. Wir dagegen hatten guten Halt. Richtige Ausrüstung ist doch vieles wert.

Beim Bergrestaurant Jochdohle deponierten wir unsere Rucksäcke und Ausrüstung. Über eine mit Fleece abgedeckte Schneefläche geht es die letzten Meter zur Bergstation Eisjoch weiter. Von hier aus steigen wir über viel Geröll zum ersten Gipfel unserer Tour, der Schaufelspitze 3.332m, hoch.

Trotz aufziehender Wolken genossen wir die Aussicht auf unser nächstes Ziel, das Zuckerhütl.

Ursprünglich war geplant, noch den Schussgrubenkogel 3.211m auf dem Weg mitzunehmen. Wegen der Gewittergefahr am Nachmittag nahmen wir aber den direkten Abstieg zur Hildesheimer Hütte. Zwischendurch fing es kurz an zu tröpfeln, verzog sich aber glücklicherweise sofort wieder.

Auch hier war der Gletscher wieder aper, so dass wir kurz unsere Steigeisen nutzten. Sobald wir auf dem Blockwerk waren, machten wir unsere Brotzeitpause, bis es am Himmel wieder dunkler wurde.

Über den langen Gratrücken ging es hinab zur Hütte, wo kurz davor ein kleines Gipfelkreuz ist. Natürlich mussten wir dort noch kurz vorbeischauen, denn nachher steigt keiner wieder herauf.

Um kurz vor zwei sind wir dann an der Hildesheimer Hütte (2.899m), einer urigen Berghütte auf einem schönen Aussichtspunkt, angekommen,

Nach Kaffee und Strudel oder Kuchen und einer deutlichen Wetterbesserung gab es noch eine Zugabe, den Hüttenklettersteig. Drei Klettersteigsets gab es beim Wirt zum Ausleihen, so dass auch die Schwierigkeit C gemeistert werden konnte.

Daher machten ihn zunächst Maria und Bernhard mit der Führung von Michael, danach Christoph und Matthias. Kurzer, schöner Klettersteig (60 Hm) mit luftigen Passagen. Wie es so ist, kamen wir nun doch nochmal zum Hüttenkreuz.

3. Tag Zuckerhütl (3507m) und Wilder Pfaff (3456m) (Matthias Schimmel)

Am frühen Morgen und bei wolkenlosem Himmel verließen wir die Hildesheimer Hütte und stießen auch schon wenig später auf die erste kleine Herausforderung, eine kurze versicherte Passage am glatten Fels abwärts in Richtung Gletscher. Spätestens danach waren alle wach.

Nach einem kurzen Stück über ein Geröllfeld ging es auch schon auf den Gletscher. Dort näherten wir uns dann im Schatten der aufgehenden Sonne gemächlich dem Pfaffenjoch.

Die Steigung war gering und Spalten gab es auch kaum, daher war dieser Teil eher entspannt. Ab der Scharte war der Gletscher schneebedeckt, so dass wir uns anseilten. Stetig ging es bergauf.

Kurze Zeit später waren wir auch schon am Fuße des Zuckerhütls, einem Gipfel ohne Zucker (Klimawandel!), dafür mit sehr viel losem Gestein.

Wir entschieden uns, Rucksäcke und Ausrüstung unten zu lassen, da wir sowieso den selben Weg wieder zurück mussten. Nach einer kurzen Pause und ohne zusätzliches Gewicht ging es auch schon in Richtung Gipfel. Die Kraxelei zum Gipfel war nicht allzu schwierig, aber durchaus spaßig.

Der Ausblick vom Gipfel über die gesamte Stubaier Kette und die Tiroler und Südtiroler Berge war fantastisch.

Anschließend ging es denselben Weg runter…..

und auch schon zum nächsten Gipfel, dem Wilden Pfaff.

Der Weg zum Gipfel war ohne besondere Herausforderungen, einzig die Höhe hat man etwas gemerkt. Anschließend kam das zweite Tages-Highlight neben dem Zuckerhütl, der Abstieg zur Müllerhütte. Dieser war eine lange, teilweise sehr steile und ausgesetzte Gratwanderung.

Es gab keine Versicherung am Fels und das Gestein war teilweise ziemlich lose. Hier war Konzentration und Trittsicherheit gefordert. Bei kniffligen Stellen kam Michael sofort zu Hilfe.

Um die Konzentration hoch zu halten, gab es ein kurzfristiges Foto/Handy-Verbot, welches auch größtenteils eingehalten wurde. Nach gut einstündiger Kletterei am Grat, die alle mit Bravour meisterten, war die Müllerhütte auch schon in greifbarer Nähe.

Noch einmal mussten wir uns anseilen, um das letzte Stück Gletscher des Tages zu überwinden. Der Weg bis zur Hütte war ziemlich eben und ohne größere Tücken, nur am Anfang sorgte abgehendes Geröll einer nahe gelegenen Scharte für etwas Aufregung.

Nach Ankunft auf der Hütte gab es eine verdienten Kuchen bzw. Kaiserschmarren. Hierbei konnte auch gleich die faszinierende Aussicht genossen werden, da die Hütte ringsum von Gletscher umgeben ist. Noch zu erwähnen ist das wirklich gute Essen auf der Hütte. Nachmittags gab es dann einen kurzen, heftigen Regenschauer. Der frühe Aufbruch hat sich wieder gelohnt.

4. Tag – Wilder Freiger (3418m) – Nürnberger Hütte (2278m)

Nach dem angenehmen Glockengeläute von Michaels Wecker, sind wir um 5.45 Uhr aufgestanden, denn ab 6.00 Uhr gab es Frühstück. Pünktlich um 7.00 Uhr war Abmarsch.

Am Vorabend hatten wir uns schon erkundigt, wie der Weg rüber zum Wilden Freiger ist. Der Wirt von der Müllerhütte sagte uns, dass gleich am Anfang Steinschlaggefahr herrscht und prompt kam was runter. Wir zogen unsere Steigeisen an und hatten die etwas knifflige Passage recht gut gemeistert.

Als wir zum Gletscher kamen war Sonnenschein und wir hatten einen herrlichen Blick zum Wilden Freiger und zum Signalgipfel. Für das kurze Stück zum Westgrat nutzten wir das Seil.

Nach einer kurzen Pause kletterten wir bei herrlichen Wetter im 1.-2. Grad zum Gipfel. Bei blauem Himmel und herrlicher Sicht machten wir unzählige Fotos.

Auf dem Gipfel selbst war einiges los.

Beim Abstieg kamen wir an einer ehemaligen Zollhütte vorbei, kurz darauf war „ search the best way“ angesagt.

Eigentlich heute fast eisfrei begehbar, sind dann doch einige kleiner Stellen etwas knifflig. Wir schafften es mittels einer kleinen Rutschpartie doch, auf unsere Steigeisen zu verzichten und Michael fand immer wieder den besten Weg.

Am Ende vom weglosen Eis und Geröllgelände machten wir eine längere Pause, bis wir wieder etwas aufstiegen, am Gamsspitzl vorbei und zur Seescharte 2.781m kamen.

Jetzt hatten wir einen Wanderweg, der schien aber endlos, bis wir an der Nürnberger Hütte 2.287m ankamen. Es war früher Nachmittag, als wir bei Kaffee und leckerem Kuchen auf der Terrasse saßen.

Auch die Nürnberger Hütte hat wieder einen Hüttenklettersteig. Und wie schon tags zuvor bestiegen einige diesen wieder. Dieser ist allerdings deutlich schwieriger als der auf der Hildesheimer Hütte.

Abends gab es dann einen kurzen, aber heftigen Schauer

5. Tag – geteilte Ziele – Wanderung durchs Paradies zum Aperen Feuerstein oder Besteigung des Östlicher Feuerstein (3.268m) auf direktem Weg

Heute trennen uns die Wege, Michael geht mit Christoph und Matthias zum Östlichen Feuerstein.

Maria und Bernhard, das ältere Semester wollen es heute gemütlicher angehen. Trotz zeitigem Frühstück haben wir uns dann etwas vertrödelt, los erst kurz nach halb acht. Unser Ziel war der Apere Feuerstein.

Für beide Touren muss man zuerst zum Talboden und Gletscherbach absteigen. Gegenüber geht es dann wieder hinauf ins „Paradies“. Es sind viele Sicherungen vorhanden (Seile und Eisenbügel).

Dieser Teil des Stubaier Höhenweges ist sehr anspruchsvoll. Nach ungefähr einer Stunde Gehzeit und ungefähr auf gleicher Höhe wie die Nürnberger Hütte gelangt man in ein Hochtal und von dort nach einer weiteren halben Stunde ins „Paradies“.

Das liebliche Hochtal liegt hier idyllisch zwischen den steilen Felsen. Der Bach mäandert zwischen den vielen Pflanzen, die hier blühen.

Am Ende vom Tal, bevor es dann ein weiteres Mal steil nach oben geht, hatte Maria ein Déjà-vu mit einem Steinbock, der ganz plötzlich keine fünf Meter vor ihr stand.

Es gab noch einige Sicherungen, bevor wir das Simmingjöchl 2.754m erreichten. An der Zollhütte geht es dann rechts haltend zum kümmerlichen Rest eines Gletschers und über diesen und viel Blockwerk hinauf zur Nürnberger Scharte (2.914m).

Da wir schon spät daran waren und der Weg sich länger zog als gedacht, kehrten wir hier um. An der ehemaligen Zollhütte am Simmingjöchl machten wir eine kurze Brotzeitpause bevor wir wieder zurück zur Nürnberger Hütte aufbrachen. Kurz vor dieser Hütte holten uns Michael, Christoph und Matthias ein.

Östlicher Feuerstein (3.268m) auf direktem Weg (Christoph Weber)

Zu dritt entschieden sich am Vorabend Matthias, Christoph und Michael, den Östlichen Feuerstein in Angriff zu nehmen. Dieser Gipfel wird nur selten begangen. Da auch für heute wieder die üblichen Wärmegewitter angesagt waren, brachen wir nach einem kleinen Thermofrühstück um 5 Uhr sehr früh auf. Anfangs ging es auf einem gut markierten Weg hinunter zum breiten Gletscherbach. Gleich nach der Brücke zweigt der Weg rechts ab. Über einen markierten, aber wenig ausgetretenen und steilen Steig ging es die Moräne des Grüblferners (östlicher Teil) hinauf.

Auf einem kleinen Plateau angekommen, gestaltete sich die Wegfindung etwas schwieriger, da weder Markierungen noch Stoamandl vorhanden waren. In leichter Blockgratkletterei erklommen wir einen Sattel und von dort den Gletscher. Mit Steigeisen und Pickel betraten wir am Seil den zunächst noch aperen und flachen Gletscher.

Mit zunehmender Höhe wurde das Gelände steiler und die Schneeauflage größer. Die Wegfindung zum Gipfelgrat gestaltete sich wegen schlechter Sicht schwierig.

Wir hatten aber das richtige Gespür und haben den Gletscher an einem Schneesattel verlassen. Auf aperem Blockgrat ging es dann in teilweise schuttiger Blockgratkletterei zum Gipfel.

Nach dem üblichen Gipfelselfie stiegen wir wieder zu unseren Rucksäcken, die wir am Sattel zurückgelassen hatten, ab.

Für den Abstieg zur Nürnberger Hütte wählten wir nun eine andere Route. Wir verließen den Gletscher etwas früher als beim Aufstieg und kletterten in Schuttgelände auf einem Grat entlang in Richtung Aperer Feuerstein.

Nachdem das Wetter klarer wurde, konnten wir erstmal auch den kompletten Grat sehen, den wir geklettert waren.

In einer Scharte ging es hinunter zu einem kleinen Gletscher, der überquert werden musste, bevor es dann auf gut markiertem Steig weiter ein Stück bergauf zur Zollhütte auf dem Simmingjöchl ging.

Landschaftlich war der Weg über das Simmingjöchl schöner als der über die Seitenmoräne. Wir stiegen immer entlang eines Baches, dessen Ufer trotz der Höhe saftige grüne Wiesen zum Vorschein brachte.

Nach einer tagesfüllenden Tour kamen wir erschöpft auf der Nürnberger Hütte an. Trotzdem stiegen Matthias und Christoph noch am selben Tag ins Tal ab und traten die Heimreise an.

6. Tag – Abstieg

In der Nacht kamen die angekündigten Regenfälle. Das tat uns nicht mehr besonders weh, hatten wir doch unsere Stubaier Gipfelrunde erfolgreich durchführen können.

Nach einen gemütlichem Frühstück brachen wir gegen acht Uhr auf. Trotz leichtem Nebel und Sprühregen war es noch relativ warm.

An der Bsuchalm kamen wir auf den Forstweg, wo kurz darauf eine Schlammlawine den Weg für Fahrzeuge versperrte. Wenig später kam uns ein Bagger entgegen, um die Straße wieder fahrbar zu machen.

Im Tal fuhren wir gemeinsam mit dem Bus wieder zum Parkplatz an der Mutterbergalm. Ohne Stau ging es von dort zurück in die Heimat.

P.S.: Es war eine tolle Gruppe und vielen Dank, Michael, für die schöne Tour und die sehr gute Führung.

Mit auf Tour: Maria Katterloher-Hettenkofer und Bernhard Katterloher, Matthias Schimmel, Christoph Weber, Michael Kreuz (Tourenführer)
Bericht: alle
Fotos: alle

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