Wilde, einsame Grate rund um die Pforzheimer Hütte

28.-30.07.2017 – Die diesjährige Juli-Hochtour der HTG konnte zwar keine großen Gletscherflächen aufweisen, dafür umso mehr seltenst berührten Fels.

Am Freitagmittag ging´s los in Erding bzw. in Sauerlach. Alle wiedergefunden haben wir uns dann am Parkplatz in St. Sigumd. Bepackt mit Seilen und allerlei mobiler Sicherungsgeräte, aber ohne Steigeisen und Pickel machten wir uns an den gemächlichen Hüttenanstieg. Wider der Wetterprognose steckten die Berge noch in dichten Wolken. Nach zwei Stunden kamen wir an der gemütlichen und bestens geführten Pforzheimer Hütte an. Gutes Essen und ein tolles Hüttenteam, wirklich eine klare Empfehlung!

Gemütliche Pforzheimer Hütte

Dem Abend widmeten wir noch lange der Tourenplanung: über die Sonnenwände oder über den Zwiselbacher Grieskogel oder über beide und wenn den Zwiselbacher, über welchen Grat oder zum Einstieg doch einfach nur die Via Mandani?

Letzlich entschieden sich Michael und Woife über den Nordostgrat (III+ ) auf den Zwiselbacher aufzusteigen und dann weiter über die Sonnenwände (III+) zu gehen. Das sollte eine lange Tour werden.

Bettina, Vroni, Sabine, Rudi und ich entschieden uns für den Aufstieg auf den Zwiselbacher über den Nordwestgrat (II), um dann über den Südgrat (II) in eine Scharte und von dort zur Hütte abzusteigen.

Hans hatte die Haidenspitz für sich ausgesucht.

Frühstück um 7 und dann gleich los. Woife und Michael waren schon außer Sicht.

Woife und Michael unterwegs

Der Blick vom Gleischerjoch (2.750m) in Richtung Zwiselbacher sah wild aus: Viel Schutt, viel Fels, viel Moos und eine ungefähre Vorstellung, an welcher Stelle wir auf den Grat gelangen könnten. Das Blockwerk erwies sich als relativ kompakt, so dass wir den ersten Aufschwung zum Grat gut meisterten. Und, jup, Punktlandung auf den im Führer beschriebenen Höhenpunkt (2.627m).

Zustieg auf den Grat

Basst! Weiter ging´s auf dem für meinen Geschmack ungemütlichsten Teil des Grates: steile Wiesenhänge mit etwas Fels und Schutt. Vor uns dann eine große plattige Wand. Wie sollte es da weitergehen? A biss suchen musst ma dann scho, aber Rudi fand eine Umgehung rechter Hand und wir kraxelten weiter. Die steile Wiese wich Fels und wir kamen gut voran. Eine kleine Pause ließ uns die Sicht genießen.

Pause am Grat

Das Wetter schien zu halten! Nun immer weiter am Grat, zwar in teils zweifelhafter Felsqualität, dafür mit Unmengen von Flechten und Moosen in allen möglichen Farben. Kein Zeichen der Zivilisation oder dass hier schon jemals jemand vor uns geklettert wäre: Markierungen ohnehin nicht, aber auch kein alter Haken oder ein Stücken Reepschnur oder ein Steinmann – nichts. Nur Fels, Flechten und wir!

Am Grat

Der Gipfel mit seinem kleinen Kreuz kam in Sicht und wir freuten uns auf die wohlverdiente Pause nach einigen Stunden teils ausgesetzter Kletterei und Kraxelei am Grat.

Am kleinen Gipfel des Zwiselbacher Grieskogels

Das Gipfelbuch vom September 1979 hatte gerade einmal 20 beschriebene Seiten. In diesem Sommer waren wir die 4. (!) Seilschaft, die sich eingetragen hatte. Woife und Michael waren die 3.

Selten beschriebenes Gipfelbuch

Sie waren also schon vor uns da. Natürlich waren wir neugierig, wie es ihnen ergangen war und freuten uns schon auf den Austausch abends auf der Hütte. Der von uns gewählte Grat wurde nach dem Büchlein zum letzten Mal 2013 begangen. Kein Wunder, dass wir so viel Moos gefunden haben.

Der Abstieg über den Südgrat hatte es nochmal in sich und forderte nochmal die volle Konzentration. Auch hier war Stürzen keine Option. A bissl hizogn hat sich´s dann schon bis zur Scharte (2.960m). Aber zumindest gab es hier den einer oder anderen Steinmann (oder Männchen, so klein waren´s).

Der Abstieg von der Scharte erwies sich als steiles Blockwerk und Gletscherschliff. Also, auch hier nochmal genau steigen und vorsichtig gehen. Zu allem Überfluss rumpelte es um uns herum immer wieder ganz ordentlich. Einmal mussten wir auch einen Zwischenspurt einlegen, um einem Felsen von oben auszuweichen. Definitiv ungemütlich und das nach so einem anregenden Grat.

Blick zum 300 Hm Schartenabstieg

Nach über 10 Stunden unterwegs trafen wir uns alle wieder auf der Hütte und hatten natürlich viel zu erzählen. Hans hatte definitiv den heutigen Hm-Rekord mit fast 1.500 Hm rauf und runter. Michi und Woife hatten sich aufgrund der Felsqualität gegen die Sonnenwände entschieden und dafür auch Bekanntschaft mit der ungemütlichen Scharte gemacht und auch wir Mädels mit dem Rudi waren natürlich mächtig stolz auf unsere wilde, einsame Tour.

Der Abend klang perfekt mit einem wahnsinnig leckeren nepalesischen Buffet aus. Das verdient mindestens 5 Sterne plus!!!

Der nächste Tag startete mit leichtem Regen. Nichtsdestotrotz machten wir uns auf dem Weg zur Via Mandani, einem teils versicherten IIer Grat. Wir wollten abwarten, wie sich das Wetter entwickelt.

Am Gleischer Rosskogel angekommen war das Wetter ok und die Gruppe teilte sich: ein Teil wollte auf die Via Mandani, die anderen bevorzugten die Gipfelschau und die gemütlichen Hängematten auf der Hütte.

Am Gleischer Roßkogel

Am bestens markierten Grat ging es anfangs im Gehgelände dann mit leichten Kletterstellte zum Finale, einer ziemlich plattigen, steilen Wand. Diese war jedoch mit Stiften und Trittbügeln entschärft, so dass sich diese mit der einer oder anderen Bandschlinge gut bewältigen lies.

Auf der Via Mandani

Schnell waren wir am Zwieselbacher Roßkogel (3.081m) angekommen. Nach der obligatorischen Gipfelpause machten wir uns flotten Schrittes an den Abstieg. Da braut sich doch was zusammen!

An der Hütte empfingen uns die anderen tiefenentspannt und wieder bei bestem Sonnenschein in der Hängematte. Noch schnell Kaffee und Kuchen oder wahlweise ein Bier für jeden und dann war es auch schon Zeit Abschied zu nehmen.

Hütten-Hängemattenparadies

Selbst die erfahreneren Bergsteiger unter uns zeigten sich von der Ursprünglichkeit der Grate erstaunt. Sowas findet man selten in den Alpen. Und an dieser Stelle sei gesagt, dass unsere drei neuen Mädels ihre erste Gratkletterei mit der HTG mit Bravour gemeistert haben – und dann auch noch so einen Grat – Hut ab!

Dabei waren: Hans Mau, Michael Kreuz, Wolfgang Lex, Rudi Riepl, Sabine Rübner, Bettina Barowski, Veronika Maier und Karola Rübensaal (Bericht)

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