Auf diversen Routen auf den Piz Palü

13.08.2016, Tour der HTG – Mit zwei Autos machten wir uns auf den Weg in die Schweiz. Derzeit ist es ja ein etwas teures Ziel. Aber es gibt dort halt so sakrisch schöne Berge. Wir hatten uns als HTG Tour den Piz Palü vorgenommen. Ein Teil hat den Ostpfeiler als kombinierte Kletterei geplant während die anderen den Normalweg wählen.

Tag 1 Anreise und Aufstieg zur Diavolezza

Der Weg bis ins Engadin zieht sich. Überall wird gebaut, damit im Winter die Touristen besser anreisen können. Und die obligatorische Cafepause durfte natürlich auch nicht fehlen. So begannen wir mit dem Aufstieg erst um 14:30.

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Bis zum Lac da Diavolezza geht es dabei mehr oder weniger auf einer präparierten Piste. Ab hier aber wir der Weg etwas alpiner. Zwischendurch gibt es sogar ein kurzes Stück mit einer Seilversicherung. Kurz unter der Diavolezza liegt sogar noch etwas Schnee. Dieser wurde mit einer großen Plane abgedeckt um ihn für die nächste Saison zu erhalten.

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Der Piz Palü versteckt sich heute in Wolken. Morgen soll das Wetter aber besser werden.

Das Abendessen kann sich hier sehen lassen. Und so lassen wir den Abend ausklingen und gehen früh in unser Lager.

Tag 2 Piz Palü Normalweg

Früh aufstehen ist einer der unumstößlichen Grundsätze der Schweizer Bergsteigerei. So wunderte es uns nicht, dass als Frühstückszeit für die Palü-Besteiger 3.30 Uhr vorgegeben war. Was uns dann aber sehr angenehm überraschte war das sehr umfangreiche Frühstücks Büfett, das keine Wünsche offen ließ. Vor der Hütte holte uns dann aber auch gleich wieder die Wirklichkeit, bzw. die Dunkelheit ein. Wir, das waren Bettina, Sybille, Tobias und Rainer, die sich für den Normalweg auf den Piz Palü entschieden hatten. So stolperten wir also im Schein unserer Stirnlampen durch das grobe Blockwerk. Den Gletscher erreichen wir im ersten Morgenlicht und als uns die ersten Sonnenstrahlen erreichten waren wir schon über 3.200 m hoch.

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Die gut eingelaufene Spur zog sich zwischen tiefen Spalten und beeindruckenden Gletscherbrüchen dahin. Bedingt durch anfängliche Probleme bei der Wegsuche, waren wir zunächst am Ende der Karawane, die sich Richtung der Einsattelung vor dem Ostgipfel zog.

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Am Sattel und den nachfolgende Firngrat ging es dann etwas langsamer vorwärts und es war nicht mehr ganz so einsam. Neben einigen Schweizer Bergführen, die 1 – 2 Leute am kurzen Seil hatten, gab es auch Seilschaften mit bis zu 5 Bergsteigern in kurzen Abständen an einem Seil. Ich wollte mir gar nicht vorstellen, was passiert, wenn einer in die Bergflanke stürzt.

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Aber heute erlaubte sich keiner einen Fehltritt, und die kreisenden Hubschrauber transportierten dieses Mal nur Schaulustige. Ja, zum Schauen gab es ja wirklich viel genügend: Ortlergruppe, Adamello, Berner Oberland, bis ins Wallis reichte der Blick. Alles bei strahlendem Sonnenschein und wir mittendrin. Einfach ein Prachtwetter, wie wir es heuer nicht oft gehabt haben. Beim Abstieg merkten wir dann auch, dass diese Sonne Mitte August schon auch eine ganz schöne Kraft hat und wir alle auf der Diavolezza den Komfort einer erfrischenden Dusche genießen konnten.

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Anschließend bei einem kühlen Getränk durch das Panoramafester zu Palü zurück schauen hat schon was. Manchmal geht´s in der Schweiz ja auch etwas relaxt zu.

Tag 2 Piz Palü Ostpfeiler

Tja, das mit dem Frühstück konntet Ihr ja oben schon lesen. Etwas früher als die andere HTG-Gruppe starteten Wolfgang und Michael in die sternklare Nacht. Zum warm werden ging es den Weg vom Vortag ein Stück zurück. Bei der Bergstation des Liftes biegt man auf den Schuttweg ab, der unter der Ostflanke des Piz Trovant vorbei zum Gletscher führt.

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Wir seilten uns an und machten uns auf den Weg durch den Cambrena-Eisbruch. Kurz darüber bogen wir vom Normalweg auf den Piz Palü Richtung Westen ab, um an den Fuß des Ostgrates zu gelangen. Vor uns sahen wir schon einige Seilschaften am Einstieg bzw. auf dem Grat. Deren Anzahl hielt sich aber glücklicherweise in Grenzen. Da haben wir auf HTG-Touren auch schon anderes erlebt. Der Übergang von Eis in den Fels stellte kein größeres Problem dar. Und so machten wir uns auf den Weg in die Sonne, die gerade über uns den Grat erreichte.

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Die nun folgende Kletterei war einfach traumhaft. In meist festem Fels ließ es sich gut klettern. Vom Schneefall der letzten Tage lag nur weiter oben noch etwas, so dass auch diese keine größere Herausforderung darstellte. Dabei hatte man während der gesamten Tour beeindruckende Tiefblicke auf die Hängegletscher links und rechts des Grates.

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Bei der Kletterei gab es dann noch einige Überraschungen. Einmal sorgte Wolfi dafür, dass der Grat etwas abgetragen wurde. Dass der Fels an dieser Stelle nichts ganz fest war, hatte er schon erkannt. Dass aber der Brocken, der dann abging so groß war, war doch überraschend. An einer persönlichen Schlüsselstelle war ich dann doch auch über das Seil sehr froh. Half es doch psychologisch ungemein, wenn man weiß, dass der Partner einen an einer heiklen Stelle gut sichert.

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Am oberen Ende des Grates ca. 100 Hm unter der Scharte endet der Fels und der Rest ist eine Firnschneide. Die Verhältnisse waren perfekt, so dass wir hier ohne Seil einfach nach oben stapften.

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Nur die Höhe merkte ich dann doch. Mit der Akklimatisation ist es bei einer kurzen Wochenendtour einfach schwierig.

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Um 12:45 standen wir dann gemeinsam glücklich auf dem Gipfel und machten erst einmal Brotzeit. Da der große Palü-Ansturm über den Normalweg schon vorüber war hatten wir diesen für uns alleine. Nur zwei Seilschaften vom Piz Bernina kamen im Eilschritt vorbei, waren aber auch gleich wieder weg.

Foto 17 Gipfel Piz Palü

Der Ausblick von hier ist einfach grandios. Unser Ziel für heute war die Marco e Rosa-Hütte. Und den Weg bis dorthin soll man nicht unterschätzen. Zumindest der Teil über den Westgipfel zieht sich nochmals.

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Es handelt sich um einen lange Grat im 1 und 2. Schwierigkeitsgrat. Um zügig voranzukommen kletterten wir bis auf eine Stelle seilfrei. Während es in den letzten Tagen ein unangenehmer Wind wehte ist es heute trotz der Höhe sehr warm. Am Ende des Grates holten uns dann zwei sympathische junge Allgäuer ein. Sie waren erst mit der ersten Seilbahn zur Diavolezza gekommen und von dort wohl im Laufschritt aufgestiegen. Wo sie heute noch hin wollten, wussten sie noch nicht. Daher boten wir ihnen die freien Plätze an, die wir noch auf der Marco e Rosa Hütte für andere HTG-Mitglieder reserviert hatten. Aber zunächst wollten Sie och einige Gipfel über den Bellavista Terrassen „mitnehmen“. Wir selbst achten uns auf dem direkten Weg zur Hütte. Man geht auch untenrum schon 1½ Stunden bis dorthin.

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Die Hütte war wie immer sehr voll. Trotz Reservierung verfrachtete uns der Hüttenwirt in das abseits der Hütte liegende Winterlager. Was sich zunächst als kühl und feucht darstellte, war dann aber am Ende doch OK. Zum Abendessen gab es neben Vor-/Haupt- und Nachspeise natürlich ein verdientes Bier.

Tag 3 – Rückweg zur Diavolezza

Auf dem Rückweg von der Marco e Rosa Hütte zur Diavolezza bot es sich an, den einen oder anderen Gipfel südlich der Bellavista-Terassen zu besteigen. Wir hatten lange geschlafen und erst spät gefrühstückt. Es war bereits nach 8 Uhr als wir starteten. Zuerst wollten wir auf den Piz Argient (3945m) um dann über den Piz Zupo und über die Bellavista Westgipfel zum Fortezzagrat zu kommen.

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Am ersten Gipfel zeigte sich aber dann doch, dass es gestern ein langer Tag war. Und so entschlossen wir uns die weiteren Gipfel auszulassen und direkt zum Fortezzagrat abzusteigen. Dort mussten wir erst einmal 15 Minuten warten, bis eine vierköpfige Gruppe am oberen Ende des Grates angekommen war. Sie drehten dann direkt um und seilten sich gleich wieder ab, was dann nochmals 20 Minuten dauerte. Nur gut, dass am nächsten Abseilpunkte zwei Abseilmöglichkeiten bestanden und wir so elegant überholen konnten.

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Der Abstieg über den Fortezzagrat ging nun flott voran. Insgesamt seilten wir viermal ab. Dann ging es problemlos über den Gletscherschliff hinab auf den Persgletscher. Weit über uns sahen wir schon die Diavolezza-Seilbahnstation. Aber zuerst queren wir den aperen Persgletscher bis zur gegenüberliegenden Moräne. Dort machten wir nochmals Brotzeit, vor dem letzten Anstieg. Die nun folgenden 300 Hm waren dann nochmals anstrengend. Ihr wisst ja – weit ist es nicht, aber es zieht sich. Ob angekommen gab es dann zur Begrüßung durch Bettina und Tobi zuerst einmal eine Radler. Und später am Abend beim Vier-Gänge-Menü natürlich auch noch das eine oder andere Palü-Bier.

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Tag 3 – Klettersteig am Piz Trovat

Heute klingelt nicht unser Wecker um 03.30 Uhr, dafür der unserer „Mitbewohner“. Na gut, hilft ja nicht. Nachdem alle Gipfelstürmer das Lager verlassen haben, schlafen wir aus. Erst mal ganz gemütlich über das hervorragende Frühstücksbuffet hermachen. Danach Sachen für den Klettersteig herrichten. Ziel ist der Steig am Piz Trovat, der sich in unmittelbarer Nähe der Hütte auf 3146 m in die Höhe reckt.

Wir starten von der Diavolezza und steigen über Geröll und große Steine zum Einstieg vom Klettersteig leicht ab. Der Weg dorthin ist gut markiert und nach kurzer Zeit stehen wir vor der ersten Stahlleiter. Helm auf, Klettersteigset an und los geht’s!

Foto 30 - Tobi auf der Leiter

Es erwartet uns einfache Kletterei mit flachen Passagen und gut versichert über ausreichend Tritthilfen, der Steig Richtung Gipfel.

Foto 31 - Sybille und Rainer

Ein kleines Highlight ist die Hängebrücke über die Schlucht. Das Ding wackelt wie ein Kuhschwanz.

Foto 32 - Bettina auf der  Brücke

Danach geht es fast senkrecht weiter nach oben und nach kurzer Zeit ist der Gipfel erreicht Über flache Platten geht es zu einem winzigen Gipfelkreuz, das mit Windpferden geschmückt ist. Vom Gipfel aus haben wir einen wunderschönen Rundblick in die Engadiner Bergwelt.

Foto 33 Gipfel Piz Trovat

Nach einer kurzen Pause suchen wir den Weg zurück zur Hütte. Hier ist anzumerken, „Stoamandl“ sind nicht immer Wegweiser, es sei denn man bevorzugt den „direkten Weg“. Sobald die erste Markierung entdeckt ist, geht der Abstieg erst sehr wackelig über Steinplatten und Geröll, und nach kurzer Zeit einfach über einen ausgetretenen Weg. Immer die Diavolezza im Blick freuen wir uns auf einen entspannten Nachmittag in der Sonne.

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