HTG: Skitouren im Gadertal

10.-13.03.2016 – Da es letztes Jahr in der Fanes so schön war, haben wir uns entschlossen, ein Jahr später ins benachbarte Gadertal aufzubrechen. Bei 11 Tourengehern sollte man sich rechtzeitig um eine Unterkunft kümmern, und so habe ich bereits im Oktober Ferienwohnungen im Bauernhof Lüch de Vanc gebucht.

Und dann ließ der Winter auf sich warten – besonders in Südtirol. Aber gerade rechtzeitig hat es zu schneien begonnen, es fiel ausreichend Neuschnee innerhalb kürzester Zeit.

Am Donnerstag – Anreisetag für Wolfe, Michi, Matthias, Matthias und mich – hat es in Südtirol noch Lawinenwarnstufe 4, weshalb wir uns entscheiden auf dem Weg am Brenner eine Skitour zu gehen.  Und so geht’s bei strahlendblauem Himmel die 940 Hm zum Silleskogel.

gader1Nach dem Skidepot sind es nur noch ein paar Meter bis zum Gipfel, der neben dem obligatorischen Gipfelbier auch eine traumhafte Aussicht bietet. Dann aber nix wie runter – der Pulverschnee wartet! Und weil’s so schön war müss ma natürlich nochmal anfellen und die schönen Hänge bis zum Grat zwischen Silleskogel und Geierschnabel aufsteigen. Dort stärken wir uns vor der Abfahrt noch mit einer Brotzeit in der Sonne und dann dürfen wir den Schnee noch einmal genießen.
Abends in Lüch de Vanc werden wir bestens verköstigt und können den Tag gemütlich ausklingen lassen.

Vor Ort hat sich die Lawinenlage etwas entspannt, weshalb wir am Freitag nach einem guten und reichlichen Frühstück in Richtung Roascharte aufbrechen. Nach einem langen Talhatscher in traumhafter Dolomitenlandschaft geht’s endlich bergauf, und wir sind heute nicht die ersten die in diese Richtung unterwegs sind.

gader2Nach einer kurzen Pause in der Scharte stürzen wir uns ins Abfahrtsvergnügen – und müssen dann natürlich nochmal rauf! Nach der zweiten Abfahrt geht’s flach das Tal raus. Rechter Hand locken noch ein paar Rinnen – mit gutem Schnee und mit der Option etwas weniger Schieben zu müssen. Wolfe und Michi können sich nicht für einen weiteren Anstieg motivieren, aber wir können nicht wiederstehen und machen die 1700 Höhenmeter voll. Und es hat sich gelohnt! Eine weitere Abfahrt vom Feinsten rundet diese gelungene Tour ab.

Abends treffen dann Rainer, Sybille, Rudi und Karola (direkt aus Erding) sowie Hans und Simone (die auf dem Weg ebenfalls den Silleskogel bestiegen haben) in unserem Quartier ein…

Als unser Auto am Freitagabend in dem gemütlichen Agritourismo etwas oberhalb von Campill ankam, waren sich die anderen bereits einig: Tolle Unterkunft mit hervorragendem Essen, gepflegter, gemütlicher Saunabereich (ja, ja, der Luxus bricht auch unter Bergsteigern aus 🙂 ) und vor allem Pulverhänge satt! Tourengeherherz, was willst du mehr!?

Für den Samstag stand die Puezspitze, der Paradegipfel der Region auf dem Programm. Am Morgen war der Himmel blau und der Lawinenlagebericht meldete einen 2er – ideale Voraussetzungen für einen tollen Tourentag. Doch vor den Abfahrtsfreuden kommt bekanntlich der Aufstieg und der ging sich bei dieser Tour auf die ersten paar Kilometer gar nicht so gut an: Ein ziemlich langer Hatscher mit dem ein oder Abfahrtsstück (= Gegenanstieg beim Rückweg) durch den Wald. Als der Wald sich dann lichtete war sie plötzlich da die sehnsüchtig erwartete Dolomitenkulisse. Steile Felsen ragten zu unserer Linken senkrecht in den Himmel und dazwischen das herrlich kupiertes Skigelände der Zwischenkofelalm (2.085m).

gader3Eine immer schmäler werdende Steilrinne, die beste Bedingungen zu bieten hatte, und unzählige Spitzkehren brachten uns hinauf in die Puezscharte (2.517m).

gader4Es folgte ein Hochplateau an dessen Ende es dann im steilen, felsigen Gipfelhang noch einmal richtig zur Sache ging.

gader5Irgendwann zwischen Scharte und Gipfel (2.913m) hatte uns leider die Sonne und der blaue Himmel verlassen. Schon gemein, denn das Bilderbuchpanorama auf die Sella und die Langkofelgruppe konnten wir so nur erahnen. Also, nicht lange warten und auf in die Abfahrt. Der Gipfelhang hatte noch etwas wechselnde Schneeverhältnisse, aber dann ging der Pulveralarm schon los! Die Steilrinne wurde wahlweise mit Begeisterungsjuchherzern oder aber auch mit Freudenausdrücken, dass es besser als gedacht ging, befahren. Der Steinkontakt blieb im felsigen Gelände leider nicht aus, aber das störte bei den sonst tollen Verhältnissen niemanden. Eine kurze Abfahrt auf dem gewalzten Winterwanderweg verkürzte die Hatscherei durch den Wald und bald war die Straße und damit der Fußmarsch zurück zum Quartier angesagt.

Wahlweise entspannend in der Sauna oder mit einer Augenpflege im Bett bereiteten wir uns für die Herausforderung des Tages, das üppige Abendessen, vor. Mit einer lustigen Schafkopfrunde klang dieser harmonische Tourentag aus.

Für den letzten Tag hatten wir uns mit Zendleser Kofel (2.410m) eine nicht allzu lange Tour ausgesucht. Seine ostseitigen (teilw. Nordseite) Hänge versprachen nochmals eine Aussicht auf guten Schnee. Bei Kaiserwetter (fast schon zu warm) ging es teilweise im T-Shirt den Mühlenweg (eine historische Mühle an der anderen) entlang aufwärts.

gader6Das Panorama war wieder grandios. In einem steilen Waldstück bemerkten wir schon den aufkommenden starken Wind. Nach dieser Steilstufe war an einer Alm dringend eine Anziehpause nötig. Das Wetter hatte sich deutlich eingetrübt und der Wind blies uns kräftig um die Ohren. Eine hügelige Almlandschaft führte uns ohne nennenswertes Auf und Ab im stetigen Wind zum Gipfel. Der Wind war scharf und die Sicht mäßig, so dass wir uns sofort auf den Rückweg machten. Leider hatten uns an diesem Tag die Pulverhänge verlassen, so dass die Abfahrt eher Arbeit als Genuss war. Aber so ist das eben beim Tourengehen. Und die Tage zuvor hatten wohl ausreichend entschädigt!?

Im Windschatten des Waldes machte ein Teil der Gruppe noch eine gemütliche Brotzeitpause, während es der andere Teil vorzog, nochmals bei unserem Wirt einzukehren und zu essen. Alle trafen sich zu einem gemeinsamen Abschlussgetränk in der Stube, bevor wir die Heimfahrt von diesem wirklich schönem Fleckchen Erde antraten.

Teilnehmer: Wolfgang, Michael, Matthias, Matthias, Mary, Rainer, Sybille, Karola, Rudi, Simone und Hans
Bericht: Mary (Do-Fr) und Karola (Sa-So)

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