Eisenerzer Tauern – Faschingsskitouren der HTG 2016

Die schon traditionelle „Faschingstour“ der HTG führte uns 2016 in die Eisenerzer Tauern in der Steiermark. Schnee war auch hier Mangelware wie überall in den Ostalpen, aber es sollte einige Tage vor der Abfahrt ein kleines Tief mit Schneefall kommen – und dies ließ hoffen.

Eisenerzabbau

Eisenerzabbau

Am Samstag, 6.2. früh machten sich mehrere Fahrgemeinschaften auf den Weg über die Pyhrn-Autobahn durch das Gesäuse nach Eisenerz.  Treffpunkt für die erste Tour war der Parkplatz beim Pichlerhof in der Eisenerzer Ramsau auf knapp 1000 m ü.N.N. Und wir wurden nicht enttäuscht. Es hatte frisch geschneit, es war kalt und nur leicht wolkig.

Kurz vorm Kragelschinken

Kurz vorm Kragelschinken

Bei der Tourenplanung war schnell klar, dass nur eine nord- bis ostseitige Exposition möglichst im Waldgürtel in Frage kam. Deshalb wählten wir den Kragelschinken, der entlang des Lasitzenbachs über die Zweigrabenhütte und den Teicheneggsattel in gut 3 h zu erreichen war. Auf dem Gipfel (1845 m) blies bei lockerer Bewölkung ein frostiger Wind und beim Blick auf die bis auf das Gras und die Felsen abgeblasenen höheren Nachbargipfel waren wir froh über unsere Entscheidung.

Am Kragelschinken

Am Kragelschinken

Nach kurzer Stärkung und Gipfelschnaps (Anm.d.Red: Schinkenhäger?) folgten wir gespannt den Spuren nordostwärts. Juhee, hier gab´s Pulverschnee im lichten Wald und teils unverspurte Hänge, die wir mit einem Glücksgefühl hinabwedelten.

Juchee im Pulverschnee

Juchee im Pulverschnee

Im Handumdrehen waren 400 Meter weniger auf unseren Höhenmessern und wir mussten uns orientieren, wo wir denn waren. Schnell war die Entscheidung der „Abfahrtsorientierten“ gefallen nochmals aufzusteigen, um diesen Genuss zu wiederholen.

Mittendrin war hinter Bäumen ein fürchterliches Pfeifen zu hören, mein erster Gedanke – eine Lawine und jemand hat den Airbag ausgelöst. Aber von einer Lawine war nichts zu hören oder sehen – bis Michi hinter bzw. unter einem Baum hervorkroch mit riesigen roten Flügeln! Der Griff des Airbags hatte sich an einem Ast verfangen und ausgelöst.

Airbag-Engel

Airbag-Engel

Durch lockeren Wald fanden wir wieder den Weg auf die Forststraße und kamen zufrieden am Parkplatz an.

Unsere Unterkünfte im Westen von Eisenerz waren frisch sanierte Appartements in einer ehemaligen Bergarbeitersiedlung. Wechselweise fanden in einer der Wohnungen unsere Lage- und Tourenbesprechungen statt. Für Samstagabend hatten Rainer und Sybille in einer besonderen „Location“ reserviert. Zwischen Oldtimern und Supersportwagen (… wenigstens einmal Probesitzen …) dinierten wir ausgiebig. Für unsere beiden kleinsten „Tourenkrabbler“ Theo und Kilian gab es sogar eine Spielecke.

Nach einem ausgiebigen Frühstück am Sonntagmorgen machten sich 11 Teilnehmer auf zum Parkplatz Galleiten am Anfang der Eisenerzer Ramsau, um von dort auf den Stadelstein (2070 m ü.N.N.) zu gehen. Für Insassen von Autos, deren Steigfähigkeit auf Schnee zu wünschen übrig ließ, wurde der Anstieg um ein paar Höhenmeter mehr.

Zustieg Stadelstein

Zustieg Stadelstein

Nach einem seicht ansteigenden Hatscher durch den Wald gelangten wir Richtung Schwarzenstein auf freiere Flächen und dann ostwärts durch niedriges Gebüsch steiler ansteigend zum Hochtörl. Von hier steuerten wir den großen kesselartigen Osthang des Stadelsteins an, der noch einigermaßen lockeren Schnee versprach.

Im Kar unterhalb des Stadelsteins

Im Kar unterhalb des Stadelsteins

Auf dem Sattel angekommen deponierten wir nach kurzer Strecke unsere Ski und erklommen den Gipfel über den abgeblasenen, felsigen Südgrat (ca. 3,5 Stunden).

Firngrat zum Stadelstein

Firngrat zum Stadelstein

Firngrat zum Stadelstein 2

Firngrat zum Stadelstein 2

Die Aussicht war gut, aber der böige Wind zwang uns zum baldigen Rückzug. Im oberen Teil der Abfahrt hatte sich doch ein leichter Harschdeckel ausgebildet, aber dafür war es im unteren, weicheren Teil ein wahrer Wedelgenuß, den sich die ganz sportiven ein zweites Mal gönnten.

Nach einer ausgiebigen Rast in der Sonne machten wir uns über das Hochtörl wieder auf den Rückweg. Auch hier fanden die „Abfahrtsorientierten“ einen Tiefschneehang vom Feinsten, der natürlich erneut befahren werden musste.

Am Sonntagabend fuhr die komplette Gruppe von 16 Erwachsenen und zwei Kindern ins Zentrum zum Pizzaessen. Neben dem leckeren Essen war das Aufregendste der Gang aufs stille Örtchen, ob denn die abstrakten Türzeichen für Weiblein und Männlein richtig gedeutet wurden.

Zuhause folgte noch eine lange Diskussion, wo denn die besten Schneeverhältnisse zu erwarten sind: Exposition, Höhe, Gelände, etc. Schließlich einigten wir uns, am Montag ein paar Kilometer Richtung Gesäuse und dann südwärts ins Radmertal zu fahren.

Am Talende stiegen wir vom Parkplatz rechterhand die Forststraße hinauf bis zu einem Bachlauf, nach dessen Querung uns die Karte hieß, links die freie Alm hinaufzusteigen. Aber es wurde immer enger, immer steiler, der Graben immer tiefer, der Schnee mit immer mehr Harschdeckel, so dass wir etwas genervt umkehrten und die beim Aufstieg schon gesichteten Abfahrtsspuren hinaufstiegen. Oben, am Ende des Waldes erreichten wir die ersehnten freien Hänge, die uns zum Gipfel des Gscheideggkogels (1788 m ü.N.N.) führten (3,5 Stunden).

Am Gscheideggkogel

Am Gscheideggkogel

Nach kurzer Rast war jeder bemüht, den optimalen Schnee für die Abfahrt zu finden – und es gab ihn zumindest abschnittsweise, bis wir wieder in den Wald eintauchten und die Bäume umkurvten, um schließlich den Forstweg des Aufstieges zu erreichen.

Wir waren zeitig in den Wohnungen, um noch Kaffee und Kuchen zu genießen und bis zum Abendessen zu relaxen. Ein Teil der Gruppe kochte selbst gemütlich in den Appartements, andere fuhren wieder in die Stadt zur verdienten Stärkung.

Ab Montagmittag wurden die beiden Betreuer der „Tourenkrabbler“ ein bisschen ungeduldig. Irgendwie hatte sich die Idee eingeschlichen, dass sich nach der Kraxntour am Vormittag vielleicht noch eine schnelle Tour am späten Nachmittag ausgehen könnte, falls die restliche Gruppe rechtzeitig zurückkommt.

Als dann endlich der erste Schwung von der Skitour zurück war, wurden die Ski eingepackt und es ging wieder zum Ausgangspunkt vom Sonntag, zum Parkplatz Galleiten (1.000 m). Von dort stiegen wir erst taleinwärts auf der Rodlstrecke Richtung Schafferalm, um kurz davor linker Hand abzuzweigen und vorbei an der Tullingeralm freies Almgelände zu erreichen. Von dort ist der weitere Anstieg auf die Hohe Lins (2.028 m) gut einsehbar. Der Anstieg verläuft entlang einer steileren Rinne und dann über einen abgeblasenen vereisten Hang Richtung Scharte. Von dort folgten wir zuerst mit Ski und dann zu Fuß dem Südwestrücken auf den Gipfel. Die fortgeschrittene Stunde und der eisige Wind erlaubte nur eine kurze Gipfelumsicht vor der Abfahrt über überraschenderweise griffigen Schnee. Pünktlich zum Abendessen waren wir wieder zurück.

Am Vorabend des für etliche Teilnehmer letzten Urlaubstages legten wir zwei unterschiedliche Tourenziele fest. Sybille, Rainer und Rudi wollten schon etwas früher abreisen und entschieden sich daher für den Plöschkogel (1.668 m). Für Mary, Michi, Hans, die beiden Matthias und mich ging es ebenfalls von der Eisenerzer Ramsau aus auf der gegenüberliegenden Talseite zum Wildfeld (2.100 m).

Am Morgen nach dem Frühstück hieß es zunächst Packen, Wohnung aufräumen und auschecken. Beide Gruppen machten sich zum bekannten Parkplatz am Pichlerhof auf.
Der Aufstieg zum Plöschkogel fand mangels Schnee im Wald auf der Forststaße statt und erst am Gipfelhang lag genug für Aufstieg und Abfahrt. Auch hier konnten wir einen kurzen ostseitigen Hang mit Pulverschnee entdecken.

Am Plöschkogel

Am Plöschkogel

Gegen 13 Uhr erreichten wir wieder unser Auto und machten uns über Eisenerz nach Südwesten auf, um auf dem direkten Weg zur Autobahn zu gelangen, die uns wieder durch den Pyrhn Tunnel zurück nach Bayern brachte. Ein ereignisreiches und schönes Faschingswochenende in einer den meisten unbekannten Skitourenregion mit widererwarten guten Schneeverhältnissen ging für uns zu Ende.

Für die Fünfergruppe ging es zunächst auf einem Forstweg südlich Richtung Lasitzen-Jagdhütte. Vor der Hütte zweigte der Weg steil in westlicher Richtung zur Hochalmhütte ab. Hier wäre unsere Tour schon beinahe zu Ende gewesen, da wir unsere Tourenski wegen Schneemangel abschnallen und einige Höhenmeter tragen mussten.

Schneemangel im Aufstieg

Schneemangel im Aufstieg

Doch kaum wurde der Wald etwas lichter, lag wieder etwas mehr Schnee, so dass wir unsere Tour doch noch fortsetzen konnten. Der Weg war die ersten Höhenmeter schwer zu begehen, da er steil und teilweise vereist war. Dennoch erreichten wir mit ordentlichem Kantendruck und teilweise unter Einsatz von Harscheisen in zahlreichen Spitzkehren die Hochalmhütte (1.374 m). Hier wurde die erste Trinkpause eingelegt und das schöne Panorama bewundert, lag die Hütte doch außerhalb des Waldes direkt unterhalb des Schwarzensteins. Eine etwas höher gelegene Hütte verzückte zudem durch diverse Holzschnitzarbeiten; nur der Wegweiser „Halbe Bier hier“ war wohl leider nur für die Sommertouristen gedacht.

Eine halbe Bier und mehr

Eine halbe Bier und mehr

Nach wenigen weiteren Höhenmetern in südlicher Richtung ging es dann südöstlich auf selber Höhe unterhalb des Schwarzensteins zum Ochsenboden. Die steile Querung war landschaftlich besonders reizvoll, lag sie doch dicht bewaldet direkt unterhalb der beiden Gipfel Schwarzenstein und Stadelstein. Im Ochsenboden oberhalb der Baumgrenze angekommen, blies uns ein frostiger Wind entgegen.

Eiswüste vorm Wildfeld

Eiswüste vorm Wildfeld

In einer Senke zwischen Stadelstein, Speikkogel und Wildfeld ging es nun in hart verpresstem Schnee steil in Richtung Gipfel. Am Grat angekommen, waren es nur noch wenige Meter bis zum Gipfel, wo wir allerdings wegen des starken Windes nur kurz rasteten und dann über die steile Nordflanke in der Nähe der Aufstiegsspur wieder abfuhren.

Am Wildfeld

Am Wildfeld

Leider war der Schnee durch den Wind so verpresst, dass keine Traumverhältnisse für die Abfahrt vorlagen. Am westlichen Bereich des Ochsenbodens angekommen, entschieden wir uns eine lange Querung in westlicher Richtung zur Teicheneggalm vorzunehmen, um auf der Forststraße wieder abfahren zu können. Die Wegfindung gestaltete sich anfangs etwas schwierig, doch dann folgten wir einem mehr oder weniger gut markierten Sommerweg zu eben genannter Alm. Hier wurde dann erstmals ausgiebig gerastet und die mitgebrachte Brotzeit verzehrt.

Da wir relativ gut in der Zeit lagen, entschieden wir uns nochmal über den Teicheneggsattel (1.690m) auf den Kragelschinken aufzusteigen. Die Abfahrt war allerdings auch dort nicht mehr vergleichbar mit den pulvrigen Verhältnissen vom Samstag. Außerdem war der Hang durch zahlreiche Spuren schon ziemlich „abgefahren“.

Über den Forstweg ging es dann wieder zurück zum Parkplatz. Insgesamt konnten wir bei schönem, wenn auch windigem Wetter einen abwechslungsreichen Tourentag genießen.

Für den letzten Tag war schlechtes Wetter mit Schneefall angesagt. Aber wie schlecht und wie viel Schnee, da waren sich die Meteorologen uneins. Wird es neuen Traumpulver geben oder nur schlechte Sicht bei kaum nennenswertem Niederschlag. Die Tourenentscheidung wurde daher auf die Frühstückszeit vertagt.

Am nächsten Morgen war klar, dass für heute keine vernünftige Tour möglich sein wird. Also traten die drei verbleibenden Fahrgemeinschaften auf unterschiedlichem Weg, direkt, mit Zwischenstop in Admont oder mit einem bisschen späteren Aufbruch, die Heimreise an. Der letzte Tag trübte aber in keinem Fall die trotz geringer Schneelage sehr schönen Tourenziele.

Mit von der Partie waren Birgit, Christoph (Fotos), Eva, Florian, Hans, Karola, Kilian, Maria, Marina, Matthias (3x, Fotos), Michael (Fotos), Rainer (Fotos), Rudi, Sonja, Sybille und Theo
Tourenbericht: Sa. – Di:  Rudi; Mo Nachmittag & Mi: Matthias; Di (Wildfeld): Christoph

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