Hohe Geige und Mainzer Höhenweg oder auch „Auffi, Obi, Ummi, Auffi, Ummi, Obi“

Freitag, 21.08.2015 – „High Noon“ Bahnhof Altenerding . Die Glocken der Pfarrkirche Mariä Verkündigung läuten. 5 Kranzler warten auf Ihren Guide. Und schon kurvt Michael schwungvoll in die Bus-Wendeschleife. Nach einem kurzen Hallo und Briefing „hat a jeda an Helm und die Steigeisen dabei?!!“ geht’s diesmal über Garmisch und den Fernpass mautfrei ins Pitztal.

Dort angekommen fahren wir zum Parkplatz der Rüsselsheimer Hütte kurz vor Plangeross. Während Maria selbstgemachten Käsekuchen und Kaffee serviert, setzen Bernhard und Michael noch ein Auto nach Mittelberg, dem Ausstieg vom Mainzer Höhenweg um. Frisch gestärkt steigen wir den idyllischen Wanderweg zur Hütte hinauf.

Aufstieg zur Rüsselsheimer Hütte

Aufstieg zur Rüsselsheimer Hütte

Nach 700 Höhenmetern erreichen wir die auf 2323m gelegene Rüsselsheimer Hütte und sind überrascht, dass uns Lager im Winterraum zugewiesen werden.

Kurz vor der Rüsselsheimer Hütte

Kurz vor der Rüsselsheimer Hütte

Die Hütte selbst hat nur 25 Schlafplätze und im nagelneuen Winterraum finden dann nochmals 14 Personen Platz. Nach dem Abendessen bespricht Michael mit uns die morgige Tour über den Westgrad auf die Hohe Geige. Danach hoffen wir, in den vollbesetzten Winterraum, eine ruhige Nacht zu haben.

Samstag, 22.08.2015

Die Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Während der Nacht sind trotz Ohrstöpsel etliche Schnarchgeräusche zu vernehmen und einige Teilnehmer der anderen Gruppe sind scheinbar mondsüchtig bzw. müssen unbedingt ihre Stirnlampen ausprobieren. Der einzige der unbeirrt schläft ist Michael. So sind die meisten von uns noch etwas müde, als wir nach dem Frühstück Richtung Hohe Geige aufbrechen.

Nach 150 Höhenmetern zweigt der Wanderweg zum Westgrad ab, dem wir bis zum Aussichtspunkt Gahwinden auf 2630m folgen.

Gahwinden

Gahwinden

Ab hier beginnt der Westgrad. Nach einer Pause und Michaels Anweisung „jetzt setz ma die Helme auf!!“ kraxeln wir über große Blöcke den Grat hinauf. Stoamandl und Markierungen weisen uns den Weg.

Ostgrat zur Hohen Geige

Ostgrat zur Hohen Geige

Kurz vorm Ende des Ostgrates

Kurz vorm Ende des Ostgrates

Wir müssen immer wieder aufpassen die teilweise lockeren Steine nicht loszutreten. Am Ende gibt es dann sogar noch eine Drahtseilversicherung.

Seilversicherung am Ostgrat der hohen Geige

Seilversicherung am Ostgrat der hohen Geige

Der Westgrad endet an einem Gletschersee in ca. 3200m Höhe. Hier treffen wir auf den Normalweg. Wir queren ein Firnfeld und steigen die letzten 200 Höhenmeter auf den Gipfel der Hohen Geige (3395m), die auch „Königin des Geigenkamms“ genannt wird. Die Aussicht vom Gipfel ist grandios.

Mainzer Hoehenweg 06a

Gletscherreste

Gletscherreste

Am Gipfel der Hohen Geige

Am Gipfel der Hohen Geige

Nach einer ausgiebigen Brotzeit steigen wir wieder zum Gletschersee hinab und folgen den Normalweg ins Tal. Loses Geröll machen den Abstieg zu keinem Vergnügen. Mittlerweile hat sich hinter unserer Gruppe ein Wanderer angeschlossen, der uns wegen der Steinschlaggefahr nicht überholen will.

Jetzt geht´s wieder hinab durch Schutt und Blockwerk auf dem Normalweg

Jetzt geht´s wieder hinab durch Schutt und Blockwerk auf dem Normalweg

Nach einiger Zeit erreichen wir den Fuß des Gipfelaufbaus. Ab hier schlängelt sich ein Wanderweg bis zur Rüsselsheimer Hütte.

Die Hütte ruft (oder war es das Weißbier?)

Die Hütte ruft (oder war es das Weißbier?)

Rüsselsheimer Hütte (sehr zu empfehlen)

Rüsselsheimer Hütte (sehr zu empfehlen)

Dort angekommen verbringen wir die restliche Zeit bis zum Abendessen auf der Terrasse. Nach dem Abendessen wird die morgige Tour besprochen. Maria und Bernhard erzählen von Ihrer Überschreitung des Mainzer Höhenwegs, die Sie 7 Jahre zuvor bereits gemacht hatten. Besonders prägnant ist die Beschreibung von Bernhard, der den nicht endenden Höhenweg mit „Auffi, obi,ummi, auffi, ummi, obi“ eindrucksvoll beschreibt.

anstrengende Tourenvorbereitung am Nachmittag

anstrengende Tourenvorbereitung am Nachmittag

Frühzeitig legen wir uns in den Winterraum. In Gedanken gehe ich noch einmal die Beschreibung von Bernhard durch und mit einem  „Auffi, obi,ummi, auffi, ummi, obi“ versinke ich im Schlaf.

Sonntag, 23.08.2015

Heut geht`s los, zur grandiosen Tour „dem Mainzer Höhenweg“. Aufstehn zehn vor fünf, nach Einspruch von Maria, Michael meinte es reichen doch fünf Minuten bis zum Frühstück. Los geht`s um 5.45 im Morgengrauen, zunächst den gleichen Weg wie gestern, dann an der Abzweigung Richtung Weißmaurachjoch. Bis zum kleinen See noch ein schöner Weg, nun den Helm auf, ab hier wird es steil und geröllig und es geht zach zum Joch 2.953m hinauf, bis hierher sind wir 1.45 Std. unterwegs.

Aufstieg zum Weißmaurach Joch - im Hintergrund Wazespitze

Aufstieg zum Weißmaurach Joch – im Hintergrund Wazespitze

Wir machen eine kurze Pause und genießen den Blick ins Pollestal. Danach geht’s los zum „Auffi, obi, ummi, auffi, ummi, obi“. Nach dem Joch geht’s noch einige Meter hinauf, hier hat man einen ersten Blick auf den Wassertalkogel, dem höchstem Punkt auf dieser Tour 3.252m, bevor die erste seilversicherte Stelle wieder abwärts führt. Vom Gletscher sieht man hier nichts mehr. Nach der ersten von vielen Querungen steigt man in leichter Kraxelei und einen Schneefeld hinauf bis zum nächsten gesicherten Abstieg. In der bröseligen Rinne runter, über Blockgelände zum aperen Gletscher.

Los geht´s mit Obi

Los geht´s mit Obi

gut abgesichert

gut abgesichert

Ummi

Ummi

Ummi

Ummi

und no fui weiter "Ummi"

und no fui weiter „Ummi“

....und wieda Auffi

….und wieda Auffi

bevor es weider Ummi geht

bevor es weiter Ummi geht

Jetzt brauchen wir die Steigeisen. Die Querung zwischen den kleinen Spalten geht problemlos zur nächsten Bergflanke.

Die Reste von Südl. Puitkogel Ferner

Die Reste von Südl. Puitkogel Ferner

Kraxelei vorm Gipfel

Kraxelei vorm Gipfel

Weiter geht’s mit kleinen Kraxeleien rauf und runter, der nächste Gletscher ist bedeckt unter lauter Geröll und großen Steinen. Wieder hinauf auf einen Felssporn und runter zum Schneefeld mit Blick auf den Wassertalkogel, dem Zwischenziel. Über ein gemäßigt steiles Firnfeld, Reste eines ehemaligen Gletscher, geht’s zum Grat hoch der zum Wassertalkogel führt.

kurz vor dem Wassertalkogel

Kurz vor dem Wassertalkogel

Am Ende des Firnfeldes wieder steil über loses schottriges Geröll zum Grat hinauf und über diesem zum Wassertalkogel 3252m. Auf dem breiten Gipfelplateau steht auch das Rheinland Pfalz Biwak, schaut aus wie ein oranges UFO.

Rheinland Pfalz Biwak am Gipfel des Wasserfallkogel

Rheinland Pfalz Biwak am Gipfel des Wassertalkogel

Gipfelglück am Wasserfallkogel

Gipfelglück am Wassertalkogel

Jetzt brauchen wir eine längere Pause, bis hierher gab´s nur kurze Trink- und Müslipausen. Am Gipfel sind wir um 11.30 angekommen. Michael gibt uns eine halbe Stunde. Nachdem wir aber auch noch die Gipfelfotos mit der herrlichen Rundumsicht machen mussten geht es erst um 12:15 weiter.

Wildspitze und andere Ötztaler

Wildspitze und andere Ötztaler

Halbzeit - Jetzt geht's wieder los vom Wasserfallkopf

Halbzeit – Jetzt geht’s wieder los vom Wassertalkopf

Der weitere Weg geht mehr oder weniger über den Grat, ab und aufsteigend mit leichten Kletterstellen, teils versichert überquert man den Gschrappkogel 3.197m, den Wurmsitzkogel 3.079m, und das Wilde Männle 3.063m.

Über sieben - es waren allerdings nur fünf - Gipfel musst du gehen

Über sieben – es waren allerdings nur fünf – Gipfel musst du gehen

Die Länge des Weges macht sich in den Beinen bemerkbar, kurz danach wo der Grat zum breitem Bergrücken wird gibt’s noch eine kleine 15minütige Pause. Weiter geht’s, teilweise über Blockgelände, wenns zu einfach wird baut Michael eine kleine Kraxeleinlage ein, heißt drüber und nicht daneben vorbei. Endlich erreichen dann die Abzweigung für den Franz Auer Steig. Der frühere Weg übers Pitztaler Jöchl ist gesperrt wegen Steinschlags. Oh nein hört man. Da runter und drüben wieder hinauf. Auf kleinem Steig also runter und drüben wieder wie so oft heute über loses Geröll, aber versichert hinauf zum Weg.

Einmal noch geht's hinauf

Einmal noch geht’s hinauf

Geschafft! Abstieg zur Braunschweiger Hütte

Geschafft! Abstieg zur Braunschweiger Hütte

Hier sieht man endlich die Braunschweiger Hütte 2.758m. Jeder geht in seinem Tempo die letzten Meter zur Hütte (16.40). In der Hütte Remidemi. Ist ein E5 Quartier. Man kann die Hütte nicht mit gestern vergleichen, ist eher ein Hotelbetrieb. Zum Glück sitzen wir im Nebenraum, zum Essen gabs warme Kartoffel mit Quark, Käse, Speck und Büchsengemüse, alles im Familientopf! Wir waren alle ziemlich Müde und hatten schwere Beine, so dass wir sehr zeitig, vor den Hühnern, unser Lager aufsuchten. Michael ist ein Phänomen, trotz sehr unruhigen Lagergenossen, er liegt sich hin und schläft. Haben heute 1.450m im Aufstieg und 1.020m im Abstieg geschafft. Das bei einer Gehzeit von knapp zehn Stunden und idealem Wetter.

Montag 24.08.2015

Heute endlich einmal gemütliches Aufstehen und Frühstücken. Um acht machen wir uns Richtung Tal auf. Zum Schonen der schweren Füße gehen wir den normalen Hüttenweg ins Tal, nicht den neu angelegten Jägersteig. Auch der leichtere Weg ist schön, man sieht halt die Dauerbaustelle am Gletscherabfluss. Neben dem kleinen Wasserfall geht’s in den Talboden und auf der Zufahrtsstraße zur Baustelle gehen wir zum Parkplatz, den wir nach lockeren Zweieinviertel Stunden erreichen.

Blick Richtung Mittelberg

Blick Richtung Mittelberg

Abstieg von der Braunschweiger Hütte am Wasserfall vorbei

Abstieg von der Braunschweiger Hütte am Wasserfall vorbei

Michael fährt Bernhard zum Parkplatz nach Plangerroß um dessen Auto zu holen. Nachdem wir alle eingeladen haben, geht’s Richtung Heimat. Vorher gibt’s es zunächst obligatorisch zum nächsten M-Preis. Einige brauchen den Estragonsenf und alle Kaffee und Kuchen. Beim Verabschieden freuen wir uns schon auf die nächste Tour mit Michael. Wie immer war es eine hervorragende Tour.

Übrigens: Bunt geht’s in den Bergen zu. Wer gut aufgepasst hat, weiß auch, welche zu wem gehören.

Bunt geht es zu in den Bergen

Bunt geht es zu in den Bergen

Mit dabei:  Julia Elmer (Fotos), Roland Stary (Bericht Freitag und Samstag), Bernhard Katterloher (Bericht Sonntag und Montag) und Bernhard Maria Katterloher-Hettenkofer, Heinz Barczewski (viele Fotos)

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